Exorbeatal im Sumpffieber

Exorbeatal im Sumpffieber

„Wir wollen die Szene bereichern und den Leuten was bieten.“ Am 08.06. fand das Sumpffieber Open Air in Friedelhausen statt. PHILIPP interviewte Robin und Hermann, Teil des Exorbeatal-Kollektivs.

Wer ist das Exorbeatal-Kollektiv?
Robin: Wir sind ein Zusammenschluss von Menschen und vor allem von Freunden, die Lust haben, die Marburger Outdoor-Szene zu bereichern und Partys für uns und für die anderen zu machen.
Hermann: Wir lieben es, auf Partys zu gehen und nach so vielen Feiern und Abenden, die wir gemeinsam verbracht haben, ist es auch naheliegend, dass man dann auch mal sein eigenes Ding starten will.

Was stört euch momentan an der Musikszene?
Hermann: Im letzten Jahr hat die Menge der Partys in Marburg oder um Marburg herum, deutlich nachgelassen. Meistens sind es Techno- oder Dub- oder Reggae-Partys. Goa-Partys, also Psytrance-Partys, sind einfach richtig rar geworden. Vor allem ist es dann so, dass man irgendwo in einer Grillhütte ist und dann 10 € -15 € Eintritt zahlen muss.
Robin: Wir versuchen nicht nur eine Party zu schaffen, sondern wirklich eine Outdoor-Erfahrung, eine Experience. Wir wollen diesen Underground-Vibe fortführen und euch die richtige Atmosphäre und das richtige Feeling geben.

Die Hallen unter der Straße

Die Location liegt unter einer Autobahnbrücke in einer kleinen Senke. Im Dunkel, gesättigt mit Bass, psychedelischen Klängen und dem dumpfen Echo, welches der Wald zu uns zurückwirft, kommt das Gefühl auf, man stünde in einem Dom. Es wirkt erhaben, wie aus einem Film. Vor dem DJ-Pult ist Sand aufgeschüttet, der ein bisschen Strandgefühl vermittelt. Matratzen, Sofas und Kissen liegen aus. Selbst gebaute Dekoration bietet fernöstliches Flair. Der Mixtur funktioniert überraschend gut. Es sind viele gekommen.

Ihr habt Goa und Psytrance erwähnt. Ist das das Genre, das ihr hauptsächlich verfolgt?
Robin: Hauptsächlich fokussiert sich Exorbeatal auf Psy-Trance, eher auf die schnelleren und düsteren Genres. Allerdings haben wir uns jetzt für die Sumpffieber-Party ein wenig breiter aufgestellt, da es ja auch die erste Party ist und wir noch sehr viel Zuspruch bekommen haben, von Menschen, die sich mit einbringen wollen.

Euer Kollektiv ist ja noch eher unbekannt. Trotzdem habt ihr schon viele Zusagen. Wie habt ihr das geschafft?
Robin: Das Interessante daran war ja der Prozess. Wir nehmen viel Geld in die Hand, wir nehmen uns vor, eine Party zu veranstalten und da macht man sich auch Sorgen. Wie wird das Ganze? Ist das so, dass wir eine Party veranstalten und dann nur der Freundeskreis da ist? Bekommen genug Leute davon mit? Am Anfang hatten wir Angst, dass nicht genug Leute kommen, dass wir die Party bekannt machen müssen. Daraus ist dann die Facebook- und die Goabase-Veranstaltung resultiert. Im weiteren Verlauf wurde uns dann klar, die Resonanz ist sehr sehr gut.

Du sagtest gerade, ihr nehmt viel Geld in die Hand. Wie finanziert ihr euch denn?
Robin: Wir haben gesagt, jeder der Lust hat mit zu organisieren und unserem Kollektiv helfen möchte, kann gerne einen Beitrag einzahlen, den er selbst festlegen kann. Diese Stammeinzahlungen variieren. Wir haben auch gesagt, selbst wenn das worst-case-scenario eintritt, wenn wirklich wenig Leute kommen und wir Miese machen, müsst ihr verschmerzen können, dass der Beitrag verloren geht.
Herrmann: Wenn es den Leuten dann auch gefällt, können sie es auch wirklich zeigen, indem sie ein bisschen was da lassen. Und das wäre cool, dann würde es einfach mehr davon geben und das ist auch der Grund, weshalb wir uns da so eine große Mühe geben. Wir würden gerne weitermachen.

Peruanischer Kakao meets Yoga

An der Bar werden verschiedene Kuchen, Energiebällchen, Chai und verschiedene kalte Getränke angeboten. Besondere Angebote des Abends sind eine traditionelle südamerikanische Kakaozeremonie mit anschließender Shakra-Meditation und eine Yoga-Session. Die Organisatoren haben sich Gedanken gemacht, wie sie ihre Gäste beglücken können. Das spiegelt sich auch in der Stimmung wieder. Sie ist grundsolide gut und glücklich. Nichts scheint es zu geben, das dieses ausgelassene Treiben erschüttern könnte.

Ihr habt die Party ja nicht angemeldet. Wie ist euer Verhältnis zur Polizei, auch im Hinblick auf die Location?
Robin: Man muss sagen, dass die Polizei in Marburg und im Umkreis sehr entspannt mit unangemeldeten Partys umgeht. Wir haben uns lange Gedanken gemacht, weil es so eine Komponente ist, die man nicht berechnen kann, wann die Polizei kommt. Daraufhin haben wir unsere Location möglichst lärmresistent ausgewählt. Und wir haben das Ganze so gelöst, dass wir zu jeder Zeit jemanden haben, der ein Ansprechpartner für die Polizei ist, der sachlich mit ihnen sprechen und die Forderungen der Polizei möglichst zeitnah umsetzen kann.

Gute Resonanz und große Unterstützung

Man fühlt sich wohl in dem Getümmel aus tanzenden Menschen. „Voll nice“, sagt auch Tessa, eine Besucherin „das passt hier richtig gut hin. Es ist so schön, draußen zu sein.“ Die Resonanz ist durchweg gut, was sich auch in den Wertschätzungsbeiträgen niederschlägt. Mehrere Hundert Gäste unterstützen an diesem Abend das Kollektiv durch den Kauf von Festivalbändchen. Der Eintritt ist kostenlos, die Veranstaltung wird nur durch Spenden finanziert. Diese Linie möchte Exorbeatal weiterfahren und mit ihrer Party die Szene bereichern. Musikveranstaltungen von Menschen für Menschen, abseits des Mainstream und mit dem Ideal, den Gästen die bestmögliche Erfahrung zu bieten, ohne finanzielles Interesse. Einzig und allein aus Liebe zur Musik, zum Feiern und zum Zusammensein.

Habt ihr Wünsche für die Zukunft?
Robin: Wir würden uns freuen, wenn die Resonanz aus der Szene und der Besucher positiv ausfällt und uns würde es mega freuen, noch weitere Partys zu veranstalten. Wenn man jetzt ein bisschen anfängt zu träumen, dann wäre vielleicht auch ein Festival möglich. Da würden wir eine Psy-Trance- oder eine Goa-Alternative zu den vielen Techno-Partys bieten. Wenn wir die finanzielle Sicherheit haben, wenn man sich einen kleinen Puffer aufgebaut hat, dann kann man das Ganze auch sehr viel selbstbewusster machen.

Vielen Dank für das Interview!

FOTO: Exporbeatal

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Redaktion, studiert Sprache und Kommunikation. Meist auffindbar zwischen Couch und Lahn.