Glühwein, Bauchfrei, Schlittschuhfahrn

Glühwein, Bauchfrei, Schlittschuhfahrn

Am Freitag eröffnete der Marburger „Eispalast“ neben dem Aquamar. Die Betitelung mit „Palast“ ist zwar angesichts der Größe etwas übertrieben, aber wer weiß, vielleicht ist die Eisbahn ja klein aber fein. Unsere Autorinnen, Karen und Milena, haben sich das Spektakel am Eröffnungstag mal angesehen und für PHILIPP dokumentiert.

15:40 Uhr: Wir stehen am Eingang. Milena hat ziemlich Bock, Karens Motivation hält sich in Grenzen.

15:45 Uhr: Wir sind drinnen und heben den Altersdurchschnitt gewaltig. Alle Besucher sind geschätzt zwischen 12 und 16.

15:50 Uhr: Erste Schwierigkeiten beim Anziehen der Schuhe. Sind sie zu klein? Aua! Dann ist es aber endlich geschafft und es kann losgehen

15:55 Uhr: Es geht auf’s Eis. Das ist jetzt schon scheiße: Schnee drauf, Kerben drin. Enttäuschung bei beiden, insbesondere bei Milena.

16:00 Uhr: Durchgängig liegt mindestens eine Person auf dem Eis. Richtiger Hindernislauf hier.

16:05 Uhr: Alle Leute fahren händchenhaltend oder stehen mitten auf der Eisbahn und umarmen sich. Störfaktor hoch zehn.

16:10 Uhr: Viel zu viele Kinder laufen kreuz und quer. Milena gesteht sich ein, dass sie Kinder hasst. Zumindest beim Schlittschuhfahren.

16:15 Uhr: Das erste Selfie wird in einer Ecke gemacht. Nicht von uns.

16:20 Uhr: Wir spotten die erste bauchfreie Läuferin. Der muss doch kalt sein, oder?

16:25 Uhr: Durchsage: Alle bitte runter vom Eis. Begeisterung bei Karen und Milena. Yay! Die Eismaschine kommt! Tschüss Rillen und Kerben und Schnee.

16:26 Uhr: Oder auch nicht. Es sind mehrere Eismaschinen. Manuelle Eismaschinen. Ohne Wasser. Auch Schneeschieber genannt. Üblicherweise von älteren Herren zur Befreiung ihrer Bürgersteige von Schnee genutzt.

16:30 Uhr: Karen fragt sich, ob es Glühwein gibt. Wir machen uns auf die Suche.

16:32 Uhr: Gefunden!

16:33 Uhr: Man braucht Wertmarken. Für diese müssen wir uns wieder an den Eingang bewegen und Schlange stehen.

16:40 Uhr: Endlich haben wir Glühwein. Zum Glück. Karen findet schnell mehr Gefallen an der ganzen Aktion.

16:45 Uhr: Die Stimmung hebt sich mit dem Glühwein. Und während wir nicht auf dem Eis sind.

16:50 Uhr: Wir spotten zum zweiten Mal Fräulein Bauchfrei. Zitat: „Mir ist kaaalt.“ Wer hätte damit rechnen können?

16:52 Uhr: Ein Mädchen im zarten Alter von etwa 11 Jahren und Elsa-Frisur läuft auf ihren Schlittschuhen wie auf einem Catwalk.

16:55 Uhr: Wir wagen einen zweiten Versuch. Also zurück auf’s Eis!

16:57 Uhr: Das Eis ist minimal besser, aber immer noch scheiße.

17:00 Uhr: Das passive Aggressionspotential ist stark erhöht. Möglicherweise ein wenig durch den Alkohol bedingt, aber wahrscheinlich vor allem durch das immernoch kerbenreiche Eis und die Leute um uns herum.

17:05 Uhr: Das Licht nervt. Für Epileptiker nicht zu empfehlen.

17:10 Uhr: Fußschmerzen. Langsam ist die Motivation im Keller.

17:20 Uhr: Wir geben’s auf und verlassen zügig die Eisbahn.

17:25 Uhr: Wir fassen zusammen: Der Glühwein ist gut und billig, aber auf dem Weihnachtsmarkt ist er’s auch. Wer keinen großen Wert auf die Qualität des Eises legt und sowieso lieber cool in der Ecke (oder auch mitten auf der Fahrbahn) rumsteht, ist hier gut aufgehoben. Wer ernsthaft Schlittschuhlaufen möchte, sollte einen Ausflug zur Eisbahn in Frankfurt in Erwägung ziehen.

Foto: Pixabay

Karen von Rüden

studiert Linguistik und Politikwissenschaft und ist regelmäßig wieder über ihren Kaffeekonsum erstaunt.