Macht den 8. Mai endlich zum Feiertag!

Macht den 8. Mai endlich zum Feiertag!

Feiertage sind was Nettes, darauf können sich wohl die meisten Menschen einigen. Bisschen unfair verteilt auf die Bundesländer vielleicht (Irgendwas hat Hessen falsch gemacht bei der Aufteilung). Aber was feiern wir eigentlich? Geben wir dem Tag der Befreiung endlich den Stellenwert, den er verdient!

Spielen wir mal ein Spiel. Bevor ihr weiterlest, stellt im Kopf eine Liste mit existierenden Feiertagen in Hessen auf. Wenn ihr an alle gedacht habt, kommt ihr auf zehn Feste. Herzlichen Glückwunsch! Aber das war nur Runde eins. In der nächsten Runde überlegt ihr, was wir da feiern. Hat euch auch keine Probleme bereitet? Dann seid ihr eindeutig besser informiert als ich und die meisten in meinem Umfeld.

Tatsächlich habe ich wenig Bekannte, die mir aus dem Stehgreif erklären können, was an Fronleichnam gefeiert wird. Laut Wikipedia übrigens „die bleibende Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie.“ Ich will die Bedeutung dieses Festes für Christ*innen gar nicht hinunterspielen. Für den Rest der Gesellschaft heißt Fronleichnam aber einfach ein langes Wochenende. Ist das schlecht? Wenn andere Tage dafür keine Feiertage sind, dann ja!

Für mehr nicht-christliche Feiertage

Ein Feiertag spricht einem historischen Ereignis oder einem Fest eine besondere Bedeutung zu. Von den zehn hessischen Feiertagen sind sieben christlich, daneben gibt es noch Neujahr, den Tag der Arbeit und den Tag der deutschen Einheit. Diese Zahlen offenbaren eine Schieflage für eine Gesellschaft, die sich für ihre Offenheit, Toleranz und Multikulturalität preist. Natürlich könnte man darüber nachdenken, das Zuckerfest oder Jom Kippur zu Feiertagen zu erklären. Das wäre wirklich mal ein Zeichen für Weltoffenheit.

Oder aber, wir hören auf, Feiertage immer nur als religiös zu verstehen. Würdigen wir zivilisatorische Erfolge. Und welcher Tag hätte es mehr verdient, ein Feiertag zu sein, als der 8. Mai? Der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, des Endes des Zweiten Weltkriegs. Natürlich gibt es noch andere Ereignisse und Tage, die Feiertags-würdig sind. Man kann zum Beispiel darüber streiten, ob der Weltfrauentag wie in Berlin ein Feiertag sein sollte (Ich finde, ja!). Aber auf den 8. Mai sollten wir uns unbedingt einigen können.

Nicht nur, aber besonders in einer Zeit, in der nur noch wenige Zeitzeug*innen leben, müssen wir uns neue Möglichkeiten des Erinnerns und Gedenkens überlegen. Ein offizieller, bundesweiter Feiertag könnte dazu beitragen, das Vergessen zu verhindern. Dies ist in Hinblick auf das Erstarken rechter Strömungen wichtiger denn je.

Kein Ereignis der jüngeren Vergangenheit hat Deutschland oder auch ganz Europa so sehr geprägt wie der 8. Mai 1945. Unser ganzes Selbstverständnis als Gesellschaft beruht auf diesem Tag. Sprechen wir ihm auch ganz offiziell die Bedeutung zu, die ihm gebührt. Setzen wir ein offizielles Zeichen gegen Faschismus. Machen wir den Tag der Befreiung zum bundesweiten Feiertag!

FOTO: CC Hydrel Wikimedia Commons

Karen von Rüden

studiert Linguistik und Politikwissenschaft und ist regelmäßig wieder über ihren Kaffeekonsum erstaunt.