Sneak-Review #187: Guns Akimbo

Sneak-Review #187: Guns Akimbo

Das Kino feuert zurück! Nach einer knapp zweimonatigen coronabedingten Pause ballert sich ein unbeholfener Daniel Radcliffe in dem von Jason Lei Howden inszenierten „Guns Akimbo“ durch die Sneak des Marburger Cineplex´.

Worum geht’s?

Miles (Daniel Radcliffe) ist ein richtiger Loser, das gibt er in den ersten Minuten von Guns Akimbo selbst zu. Seine Arbeit als Programmierer für ein Handyspiel, das sich nur durch Microtransactions finanziert und keinen Genuss in irgendeiner Form für den Konsumenten bereitstellen kann, könnte für ihn nicht unterfordernder und langweiliger sein. Davon gekränkt verzieht sich der gerade verlassene Single in seiner Freizeit in die Welt von richtigen Videospielen, Social-Media und auf einer besonderen Livestream-Internetseite. „Skizm“ heißt die, wo per Live-Übertragung zwei von der Internetseite ausgewählte Kontrahenten aufeinanderprallen müssen und sich auf Leben und Tod bekämpfen. Mit Waffen. Da werden auch mal die ganz großen Wummen ausgepackt.

Zu doof, dass Miles ausgerechnet dort im Livestream-Chat anfängt, Hasskommentare gegen „Skizm“ zu verbreiten. Seine IP-Adresse wird von „Skizm“ eingesehen. Am nächsten Morgen stehen – Überraschung – die Betreiber der Internetseite vor der Tür. Sie entführen Miles, tackern ihm zwei Pistolen mit jeweils 50 Schuss Munition an die Hände und geben ihm als Lektion obendrein noch die Aufgabe, Nix (Samara Weaving) umzubringen, die renommierteste Kämpferin von „Skizm“. Jetzt muss sich Miles entscheiden, tötet er Nix, bevor sie ihn ins Leichenschauhaus steckt oder spielt er nicht nach den ihm auferlegten Regeln? Und wie zur Hölle soll er als unterhosen- und bademanteltragender Internettroll überhaupt mit zwei Waffen an den Händen seinen Alltag meistern?

Abgedrehter Irrsinn

Guns Akimbo ist schrill, grell und kurzweilig, denn der Streifen ist die wahr gewordene Version eines Multiplayer-Spiels eines beliebigen First-Person-Shooters. Das betrifft auch die darin enthaltenen Ausdrücke, die fast im Sekundentakt auf den/die Zuschauer:in einprasseln. Diese mit deutschen Fördergeldern koproduzierte Ballerorgie kann aber fernab von ihren Ausdrücken und hochmotivierten Darsteller:innen vor allem durch die inszenatorische Ebene und den Soundtrack des deutschen Komponisten Enis Rotthoff punkten. Während der blutigen Actionszenen, den rotierenden Kamerafahrten und Neonlichtern wummert neben den Kugelhageln ordentlich der Bass aus den Boxen des Kinosaals. Dem Soundtrack ist es zu verdanken, dass Guns Akimbo auch in seinen überstilisierten Bildern stimmig mit Synthesizer-Lauten untermalt wird.

Doch die Hektik hinterlässt Spuren

Die absurde Handlung und die völlig abgedreht geschriebenen Figuren im ersten Drittel verleihen dem Film Witz und ein zügiges Tempo. Leider geht diese Hektik auch auf manche – nicht alle – Actionszenen über, die zum Teil arg zerschnitten sind. Da hilft eine Zeitlupe mitten im Geschehen nur noch bedingt weiter, wenn vorher schon nicht mehr ersichtlich war, wann welche Figur eine andere mit Geschossen schmücken wollte. Dabei sind diese Szenen an sich gut choreographiert, es fehlt nur die Übersicht, um dem Geschehen auch einwandfrei folgen zu können. Das fällt gerade deswegen negativ ins Auge, weil sich Guns Akimbo in seinem neonfarbenen Look und blutigen Gewaltexzessen eindeutig an Filmen wie John Wick oder Atomic Blonde orientiert und diese Filme genau dieses Problem nicht aufweisen.

Was zusätzlich noch verwundert, ist die zwischendurch aufkommende Langeweile, die sich bei der Schnelligkeit und kurzen Laufzeit von 95 Minuten in Guns Akimbo gar nicht erst breitmachen sollte. Das Drehbuch tappt in einigen Momenten zu lange auf der Stelle, was den sonst spaßigen und rasanten Streifen kurz entschleunigen lässt. Die Handlung selbst ist dagegen faszinierend und an einigen Stellen konsequenter, als man es als Zuschauer:in annehmen könnte.

Dieses gewisse Etwas

Trotzdem macht Guns Akimbo vor allem eines: Spaß. Jedenfalls für jene, die sich auf den abgedrehten Stil einlassen, der alle Eigenschaften versucht von 10 auf 11 zu drehen. Ein treffsicherer Humor und ein makelloser Soundtrack sowie vereinzelt nette inszenatorische Ideen helfen da umso mehr, Guns Akimbo doch etwas abgewinnen zu können. Zudem werden Videospielkenner bei einigen Hommagen schmunzeln, schließlich sieht sich der Streifen wie ein Multiplayer-Match. Daniel Radcliffe versprüht hier auch eine Menge an Charme. Allgemein beweist dieser Film umso mehr, wie stark sich Radcliffe von seiner einstigen ikonischen Kinderrolle emanzipiert hat. All das sorgt dafür, dass sich Guns Akimbo letztlich doch aus der Mittelmäßigkeit erheben kann.

„Guns Akimbo“ erscheint voraussichtlich am 25. Juni 2020 in den deutschen Kinos.

FOTO: Madman Entertainment

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