Sneak-Review #8: Ich und Earl und das Mädchen

Sneak-Review #8: Ich und Earl und das Mädchen

Auch diese Woche stellt sich wieder die Frage: haben sich die 4 Euro Sneak-Eintritt gelohnt oder hätte sie man besser in Bier investieren sollen? Diese Woche in der Sneak des Cineplex Marburg: Alfonso Gomez-Rejons Teenager-Drama.

Greg (Thomas Man), Highschool-Schüler im Abschlussjahr, führt ein eher ungewöhnliches Leben. In der Schule versucht er unsichtbar zu sein, nimmt sein Mittagessen mit seinem „Mitarbeiter“, wie er seinen einzigen Freund Earl (RJ Cyler) nennt, beim Geschichtslehrer im Büro ein und verbringt die Freizeit mit dem Drehen von Filmparodien und Selbsthass. Eines Tages erfährt er, dass seine frühere Kindheitsfreundin Rachel (Olivia Cooke) an Leukämie erkrankt ist und seine Eltern (Connie Britton und Nick Offermann) zwingen ihn, ihr in dieser harten Zeit beizustehen. Was zunächst nach der Einleitung für eine herzzerreißende Teenie-Schnulze klingt, entpuppt sich als interessante Herangehensweise an ein unangenehmes Thema: Was passiert mit mir, wenn ein mir vertrauter Mensch an Krebs erkrankt?

Humor und Tod: Geht das?

Mit viel Humor und gelegentlichen Einspielern versucht der Film dabei ein künstlerisches Bild vom Tod und den Emotionen der Mitmenschen zu zeichnen, er besticht dabei durch schräge Witze und dem eigenbrötlerischem Charme seiner Charaktere. So schließen Greg , Earl und Rachel über das Schauen der selbstgedrehten Filme und Gespräche im unfreiwilligem Drogenrausch schnell Freundschaft. Begleitet von dem Lachen der Kinobesucher*Innen zeigt der Film die Entwicklungen der Beziehungen zwischen Rachel und Greg, verzichtet dabei jedoch auf romantische Klischees und bedient sich lieber einer humoristischen Charakterzeichnung und Situationskomik. Die Handlung erfährt einen Wendepunkt, als Gregs Klassenkameradin Madison (Katherine C. Hughes) ihn darum bittet, für Rachel einen Film zu drehen. Greg konzentriert sich nur noch auf den Film für Rachel und lässt die Schule, trotz Annahme am College, schleifen. Auch Rachels Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Spätestens jetzt weiß man, dass man keine Lacher mehr im Kinosaal hören wird.

Und dann ging alles ganz schnell

Der Film macht nicht alles perfekt aber vieles richtig bei dem Thema Tod. Er konzentriert sich auf die Mitmenschen der Betroffenen, setzt ihren Umgang mit den Umständen in Szene. Mit einer guten Portion Witz und den künstlerischen Elementen versucht er nicht von den düsteren Aussichten in naher Zukunft abzulenken,sondern zeigt offen die Auswirkungen der Chemotherapie und den Schmerz von Familie und Freunden. Der Film spricht in uns allen eine tiefverwurzelte Angst vor dem Tod an, und will diese ein Stück weit nehmen. Natürlich gelingt ihm das nicht vollends, stößt er doch nicht so stark zum Denken an, wie er eigentlich könnte. Alles in allem erzählt der Film aber eine gute Geschichte, wobei sowohl Handlung als auch Optik stimmig und spannend gestaltet sind. Mit Humor versucht er die Grundstimmung zu lockern, zeigt aber auch die ernsten Aspekte des Lebens bei einer solchen Diagnose. Die Schauspieler vermitteln ihre Emotionen glaubwürdig und mit viel Hingabe und wirken, dank tiefgründiger Charakterzeichnung und -entwicklung nicht wie austauschbare Puppen. Ein Kinobesuch lohnt sich daher allemal.

Kinostart ist am 19.11.2015.  Und Zum Trailer geht’s hier.

FOTO: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Patrick Robinson

Ich bin Gastautor beim PHILLIP und studiere Politikwissenschaften. Ich besuche regelmäßig die Sneak in Marburg und schaue gerne Serien.