Auf einen Sekt mit Bebetta

Auf einen Sekt mit Bebetta

Als die Kameras aus sind, unterhalten wir uns noch eine Weile weiter über die Thematik. Bald wird deutlich, dass die Mädels doch noch einiges auf dem Herzen hatten, was ihnen während des Gesprächs vor der Kamera wohl in den Tiefen ihres Gedächtnis verloren hatte. So teilen sie alle zum Beispiel Situationen, in denen ihnen männliche Kollegen ungefragt als Lehrmeister begegnen wollten.

Jana: Ich hab da gerade aufgelegt und dann kam dieser Typ und hat einfach ein Kabel umgesteckt und dann kam kein Signal und er nur: „Oh“.
Wiebke: Ja, die denken dann: „Ob die das jetzt gerade im Griff hat?“ Aber wenn jemand in die Platte greifen sollte, in DEM Moment hab ich das natürlich nicht mehr im Griff.
Anika: Das macht einen ja nur nervös, du hast die Kontrolle ja gar nicht mehr.
Wiebke: Das ist ein No Go! Das würde kein Mann bei andern Männern machen!
Jana: Ja, ich weiß ja auch nicht, wie ihr das so macht, aber ich denk mir ja häufig was dabei, mit dem was ich da mache. (Alle lachen)
Jana: Das ist ungefähr so, wie wenn jemand ein Ölbild malt und da kommt irgendwer und fügt ’nen Pinselstrich hinzu. So ungefähr fühlt sich das für mich an.
Wiebke: Ich hatte das letztens auch bei nem Gig, da hatte ich nicht mehr so viel Zeit für den Übergang, da stand dann plötzlich ’n Typ hinter mir, der hatte auch aufgelegt, aber den kannte ich gar nicht und der hatte dann einfach die Frechheit, den Fader von ’nem Track hochzumachen, den ich noch auf’n Kopf hatte.
Anika: Ach krass…
Wiebke: Und das war dann natürlich voll das Krickelakrack.
Anika: Ja, wenn du dann auch nicht damit rechnest, ne.
Wiebke: Ja. Ich hab‘s wieder runter gemacht und hab den dann voll angekackt und der hat das gar nicht verstanden. Meinte nur: „Ja du hattest doch nur ein paar Sekunden“, so und ich: „Ja und jetzt hab ich noch weniger.“ Ich dachte nur so, das macht man doch nicht, das macht man einfach nicht. Der hat das glaub ich trotzdem nicht gecheckt
Anika: Stimmt, am Anfang hatte ich auch so Kandidaten, aber ich dachte irgendwie, dass die das bei jedem machen, hab das gar nicht so auf mich als Frau bezogen.
Wiebke: Auch so b2b-Dinger – die Männer stehen mehr im Vordergrund, zu dem kommen dann die Leute und sagen „Ey, gut gespielt!“ und du stehst nur so an der Seite.
Jana: Wenn du back to back mit ’nem Mann spielst dann ist es oft so, als wenn viele davon ausgehen, „Ja die Frauen können das ja nicht alleine“.
Anika: Bei mir und meinem Freund ist das irgendwie anders, wenn wir back-to-back spielen, nimmt man ihn irgendwie kaum wahr. Aber ihm ist das auch egal.
Luis: Aber ist es vielleicht nicht das, was in diesem Gespräch bereits durchscheint, dass du als Frau immer noch so was Besonderes bist, heraussticht und er als männlicher DJ: „Ja, kenn wir ja schon…“
Anika: Ja, das kann natürlich sein.
Jana: Ich hab mal aufgelegt, da stand noch’n Kumpel hinter mir. Das würde ich so auch gar nicht mehr wollen, dass jemand die ganze Zeit hinter mir steht. Jedenfalls kam dann auch noch so’n anderer und hat ’n bisschen geguckt, was ich so mache und hat aber nur ihn angesprochen. Ich mein, der hatte zu keinem Zeitpunkt ’nen Kopfhörer auf, der war zu keinem Zeitpunkt irgendwie direkt am Pult und dann meinte der zu dem: „Ey, gut gespielt“. Ich dachte nur so hä, ICH hab die letzten 90 Minuten hier runtergerockt! Also das fand ich schon verrückt.
Leo: Krass, ja, da fühlt man sich doch auch voll verletzt, oder?
(Ein murmelndes Zustimmen)
Wiebke: Ja … das ist halt so, das ist dann irgendwann auch egal.

Da Anika in einer halben Stunde im Nachtsalon die Bude zum Beben bringen muss, schalten wir das Aufnahmegerät langsam aus, schnappen uns ein letztes Bier und machen uns zum Aufbruch bereit. Das Gespräch endet allerdings noch lange nicht. Viel wird noch darüber geredet, wie Frauen in der Technoszene leider noch immer nicht den gleichen Status genießen und wie sich das auch die nächsten Jahre nicht so schnell ändern wird. Anika zumindest hat es geschafft. Sie hat mit ihrem Pseudonym „Bebetta“ einen Namen in der Szene aufgebaut und so ist es auch kaum verwunderlich, als kurze Zeit später der Salon rappelvoll ist mit begeisterten Tänzer*innen.

HINGEHÖRT Angefangen in Bremen, legt Anika seit 2008 unter ihrem Pseudonym BEBETTA in sämtlichen Clubs Europas auf. So war sie z.B. bereits auf dem „Plötzlich am Meer“-Festival in Polen oder der berühmtberüchtigten „Fusion“ zu Gast. Hier findet ihr sie auf Facebook. Jana, alias ISABEAU FORT ist Teil des Marburger Kollektivs Cloudcuckooland, das sich 2014 gründete. Auch sie findet ihr auf Facebook. Bekannt ist sie unterdes auch durch die Veranstaltung „Ich kenn die DJane“, ebenso wie Wiebke. Wiebke, ganz ihrem Namen treu, ist nach einer kurzen Phase beim Dingsbums – Team inzwischen beim Marbylon Kollektiv anzutreffen und auf Facebook hier anzutreffen.

VIDEO: Luis Penner
TEXT: Leonie Ruhland

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22, auch June, Technorella oder Crazy Daisy. Denkt sich gerne dumme Spitznamen aus. Studiert „KuMuMe“ und steht auf Blumen und funky Techno.

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