Bild: Juana Maubach
Jeder kennt es, das Gebäude, welches hinter der Mensa, zwischen der B3 und den Bahnschienen steht: die PhilFak. Die Philosophische Fakultät, wie sie eigentlich heißt, ist ein Gebäude aus den 1960ern, das viel Streitstoff in der Ästhetik-Frage liefert. Von Außen: ein Gebäudekomplex mit sechs quadratischen Türmen, welche mit unterschiedlichen Höhen – in Marburger Verhältnissen – in den Himmel hineinragen. Innen: ein von Stickern und Graffiti übersäter Raum, welcher außer den politischen und anderen Botschaften keinerlei Dekoration genießt. Nun berichtet ein kurzer Dokumentarfilm über die PhilFak.
Warum ausgerechnet über die PhilFak?
Bei dem Kurzfilm philfak revisited erklärt der Regisseur Phil Kuehlthau die Entstehung der PhilFak und drückt seine Gedanken zur PhilFak aus. Kuehlthau ist ein ehemaliger Student der Geschichts- und Politikwissenschaften an der Philipps-Universität und hatte daher in seiner Studienzeit viel Kontakt mit dem besagten Gebäude. Seinen Master in Fachjournalistik Geschichte hat er in Gießen abgeschlossen. Später war er auf der Frankfurter Schule für eigenständigen Film tätig. Der Film ist im Zusammenhang mit der Reihe DOING AUDIO VISUAL MEDIA des Instituts für Medienwissenschaften der Philipps-Universität entstanden. Mit diesem Kurzfilm hat Phil Kuehlthau beim OpenEyes Filmfest Marburg in der Kategorie Dokumentarfilme den ersten Platz belegt. Zusätzlich wurde der Film in der PhilFak selbst in einer berufspraxisorientierten Veranstaltung der Medienwissenschaften gezeigt.
Ein Ort, wo Kritiker*innen sich austoben können
In etwa 27 Minuten erklärt Kuelthau den Zuschauer*innen die Entstehung, Bedeutung und Kritik an dem 60er-Jahre Bau. Der Film ist eine Aneinanderreihung von verschiedensten Fotografien und Videos der PhilFak und der Stadt Marburg, die den Wandel des Baus bis heute aufzeigen. Die Bilder werden von der Stimme des Regisseurs begleitet, der die verschiedenen Aspekte des Gebäudes erklärt. In dem Film erklärt Kuehlthau seine Befürchtungen, dass zum einen die PhilFak zu einem Lost Place wird und zum anderen, dass Bildung im Zusammenhang mit den 2006 eingeführten Studiengebühren ökonomisiert wird. Nicht nur das Gebäude wird vernachlässigt, auch die Fachbereiche verlassen langsam die gemeinsame Fakultät und wechseln auf andere Standorte, wie es zum Beispiel die Politikwissenschaft tut.
Die PhilFak: Akt der Verzweiflung
Die PhilFak wurde aus der Not heraus gebaut. Die Uni erstreckt sich über viele verschiedene Bauten, welche über die Stadt verteilt sind. Dabei ging langsam aber sicher der Platz für weitere Gebäude aus. Somit wurde 1961 der Entschluss gefasst, auf den Lahnbergen ein Gebäudekomplex für die Naturwissenschaften und in der Stadt die Philosophische Fakultät für die Geisteswissenschaften zu errichten. Weiterhin erklärt der Regisseur die einzelnen Symboliken architektonischer Elemente der PhilFak, wie Glas, Naturstein und Beton. Zusätzlich geht er auf die sozialen beziehungsweise geschichtlichen Aspekte zur Entstehung des Gebäudekomplexes ein.
Was hat man sich dabei gedacht?
In der anschließenden Fragerunde erklärt der Regisseur, wie er dazu kam, einen Film über die PhilFak zu drehen. Während seines Studiums in Marburg und bis heute habe er viel über den 60er-Jahre Bau nachgedacht. Was hat man sich bei dem Bau gedacht? Was hat Architektur mit Gesellschaft zu tun? Was hat sich von den 60ern bis heute geändert? Der Film soll bei der Beantwortung dieser Frage helfen.
Bei der Rückfrage an die Leute im Publikum, was sie denn von der PhilFak hielten, kam es zu großen Gegensätzen. Die einen lieben die PhilFak, insbesondere die ganzen politischen Botschaften, welche durch Sticker und Graffitis die Wände und Tische einnehmen. Die anderen wiederum besuchen die PhilFak nur ungern, vor allem wegen der ganzen Botschaften, die sich ihnen aufdrängten.
Dabei hat sich herausgestellt, dass das Ungewöhnliche an dem Bau die Verbindung zur Stadt Marburg ist. Aus der Stadt kann man die PhilFak entdecken und aus dem Uni-Gebäude kann man den Ausblick auf die Stadt genießen. Ein Clash zwischen Fachwerkbauten und dem 60er-Jahre Bau. Genau dieser Kontrast führte und führt noch heute zur starken Kritik der Bewohner*innen Marburgs, dass der Bau ein Schandfleck der Stadt sei.
Ein Lost Place mit viel Leben
Anfangs wirkt der Film mit seinem sehr monotonen Sprechen und langen Pausen sehr trocken. Das hat einerseits Interesse geweckt, aber andererseits kam der Gedanke auf: „Wenn das die ganze Zeit so weitergeht, ertrage ich es nicht.“ Doch plötzlich kommt es zu einem abrupten Stopp. Das ist nur die Einleitung. Der restliche Verlauf des Films führt mit abwechselndem Sprechen und eingeblendeten Zitaten durch die Geschichte der PhilFak. Der Film ist sehr interessant und Anschauen lohnt sich.
Als ich die PhilFak zum ersten Mal betreten habe, dachte ich, ich wäre am falschen Ort. Es sieht nämlich wirklich aus wie ein Lost Place. Letztendlich ist die PhilFak objektiv betrachtet kein schöner Ort. Sie sieht vernachlässigt aus und wirkt immer recht grau und gelb – nicht die beste Kombination. Allerdings ist die PhilFak für mich ein Ort mit viel Leben und gerade die Sticker und Graffiti machen für mich den Charme des Gebäudes aus. Dennoch: Das schönste an der PhilFak ist der Blick nach draußen.