Endgegner*in

Endgegner*in: Hitze

By Sebastian Laubenstein

August 04, 2026

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Die Sonne brennt, der Flecken Haut, den ich einzucremen vergaß, ist scharlachrot und der Teich um die Ecke zu einem Tümpel vertrocknet. Der Sommer ist gekommen und mit ihm eine beispiellose Hitzewelle.

Wie soll ein Mensch das ertragen?

Derweil brüte ich in meiner Dachgeschoss-WG mit zugezogenen Vorhängen, die ihr Bestes tun, die von Süden durch die Zimmerfenster einfallende Sonne aufzuhalten. Doch am Ende hilft es alles nichts, ich sitze in einem einzigen Brutkasten. Schon seit Tagen sind in jedem Geschäft Ventilatoren sind ausverkauft; wer wie ich nicht vorgesorgt hat, ist chancenlos und sollte sich schleunigst nach einem anderen Lernort umsehen.

Doch die schön gekühlte Uni-Bibliothek ist schon früh morgens maßlos überfüllt. Wieder einmal heißt es: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Ein Wunder, dass die Studis hier nicht schon am Vortag in bester Mallorca-Manier ihre Handtücher zum Reservieren des eigenen Sitzplatzes ausgeworfen haben. Ich hätte es ihnen nicht mal übelnehmen können.

Doch zum Glück gibt es da ja noch den Getränkeautomaten, der einem wohltuende Abkühlung und Hydration verspricht, nicht wahr? Fehlanzeige. Natürlich ist der schon längst leer. Die Münzen schluckt er aber trotzdem gerne, ganz ohne Gegenleistung. Wäre doch eine Schande, würde man die Notsituation nicht zu kapitalistischen Zwecken ausschlachten.

Und wann duschen? Eigentlich am liebsten morgens, mittags, abends und nach jedem Spaziergang unter freiem Himmel, der länger als fünf Minuten gedauert hat. Wie viele Shirts ich an einem Tag vollgeschwitzt bekomme? JA!

Vom Studi zum Klimaflüchtling

Man will über das Wochenende in kühlere Gefilde ziehen oder die Familie besuchen? Pech gehabt, denn wenn gerade nicht ein Stellwerk oder Transformator brennt, schmilzt das Bett der Schienen unter der sengenden Sonne. Wenn dann doch ein Zug fährt, geht direkt die nächste Wette los: Klimatisiert oder nicht? Ich betrete den Zug und merke, dass ich einen schrecklichen Fehler begangen habe, doch es ist mittlerweile zu spät, um umzukehren. Mir schlägt eine Atmosphäre aus Schweißgeruch, Deodorant, das schon längst keine Wirkung mehr zeigt, schreienden Kindern und sauerstoffleerer Luft entgegen. Das nackte Überleben beginnt, während sich mein schweißnasses Shirt immer stärker an meine Haut klebt.

Als ich nach anderthalb Stunden Zugfahrt zum Umsteigen aus der Zugtür trete und mir am Bahnhof eine mit 37 °C vermeintlich kühle Brise entgegenweht, merke ich erst wirklich, wie unzumutbar das alles ist. Aber ich bin ja immerhin schon in Kassel-Wilhelmshöhe. Von dort sind es ja nur noch drei Stunden und zwei überfüllte Züge bis nach Hause. Beinahe ein Grund zum Feiern.

(Lektoriert von jru und nag.)