Endgegner*in

Endgegner*in: Learning Agreement

By Lene Barth

January 13, 2026

Bild: Laura Schiller

Wenn dir das Leben Zitronen gibt, gibt dir die wacklige Internetverbindung oder die Drehtür in der Bib vielleicht noch den Rest. In dieser Reihe schreiben wir über die Endgegner*innen des Alltags, also Dinge, die uns an den Rand der Verzweiflung bringen.

„Mach ein Erasmus-Semester“, haben sie gesagt. „Es wird die beste Zeit deines Lebens“, haben sie gesagt. Doch auf das wirklich Schwierige bereitet dich niemand vor: Das Learning Agreement. 

Was scheint wie ein einfacher Schritt in der ganzen Erasmus-Bürokratie hat mich nicht nur viel Zeit, sondern auch viele Nerven gekostet. In der Theorie ist es einfach: Gib schlicht die Kurse an, die du im Ausland belegen möchtest und kennzeichne, welche davon dir angerechnet werden können. So weit so gut. Die erste Herausforderung: Finde den Modulplan der Partneruni. Dieser kann nämlich auf Webseiten wirklich sehr gut versteckt sein, oder er wird erst kurz vor dem neuen Semester veröffentlicht und man sucht vorher vergeblich. Mit Glück findet man dann Kurse, die auch in etwa dem entsprechen, was man in Deutschland belegen würde. Hierfür müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Der Inhalt sollte natürlich größtenteils übereinstimmen, aber auch die Anzahl der Credits ist entscheidend dafür, ob der Kurs der Partneruni als Äquivalent zu dem der Heimatuni anerkannt wird. Aber das entscheidet man natürlich nicht selbst, sondern ist abhängig von den jeweiligen Dozent*innen.

Also dranmachen, die Kursbeschreibung der Partneruni suchen und im Zweifelsfall auch noch übersetzen. Wie eine Dozentin nämlich sagte: „Die Beschreibung ist auf Spanisch. Ich spreche kein Spanisch“ – logisch. Jetzt gilt zu hoffen, dass das Modul anerkannt wird. 

Zwei Dokumente sind besser als eins

Festgehalten wird das Ganze in einem separaten Dokument. Jeder Kurs, den man sich anerkennen lassen möchte, muss einzeln von den Dozierenden des entsprechenden Moduls an der Heimatuni unterschrieben werden. Was passiert aber, wenn sich die Themen nicht ähnlich genug sind, die Anzahl der Credits nicht übereinstimmen oder die Dozierenden aus anderen Gründen entscheiden, dass der Kurs im Ausland nicht mit dem in Deutschland gleichgesetzt werden kann? In diesem Fall gibt es die Möglichkeit, auf die Anerkennung zu verzichten und den Kurs dennoch zu belegen. Hierfür ist selbstverständlich ein weiteres Dokument notwendig. Mit Begründung natürlich.

Also, beide Dokumente mit Unterschriften sind vollständig und auf Mobility Online (die Website, über die alle Dokumente gesammelt werden) ist das Learning Agreement mit allen Kursen eingetragen – das wars dann, oder?

Never ending story: Unterschriften

Nicht so schnell, denn was wären die Dokumente ohne ein paar Unterschriften? Erstmal die eigene, um zu belegen, dass die Angaben wirklich alle stimmen – das ist schnell erledigt.  Dann fehlt die Unterschrift des zugehörigen Fachbereichs in Deutschland, damit dein Learning Agreement offiziell abgesegnet ist. Doch aller guten Dinge sind drei, eine Unterschrift fehlt noch: von der Partneruniversität im Ausland. Das braucht gerne noch einige E-Mails, bis die verantwortliche Person ausfindig gemacht werden kann und auch sie ihre Unterschrift unter das Learning Agreement setzt. Durchatmen, es ist geschafft. Vorerst.

Keine Angst vor Einsamkeit, das Learning Agreement bleibt an deiner Seite

Denn was ist, wenn man im Ausland feststellt, dass gewählte Kurse nicht angeboten werden? Man in Kurse nicht reingekommen ist? Man gerne einen Kurs tauschen würde? Kein Problem, aber das Learning Agreement darf man dann nochmal neu machen. Wenigstens kennt man schon den Ablauf. Auf Mobility Online kann man innerhalb von zwei Wochen „changes“ vornehmen: Neue Kurse eintragen, diese anerkennen lassen oder auf die Anerkennung verzichten. Unterschriften nicht vergessen. Fertig bearbeitetes Learning Agreement selbst unterschreiben. Vom Fachbereich unterschreiben lassen. Die Unterschrift von der Partneruni einsammeln. Fertig! War doch gar nicht so schwer.

Ich bin jetzt seit knapp einem Monat in meinem Erasmus-Semester in Spanien und mein Learning Agreement ist immer noch nicht fertig, denn es fehlt eine Unterschrift. Es kann sich also nur noch um wenige Wochen handeln, bis der Alptraum vorbei ist. Wenn das nicht nach einer Fiesta schreit!

(Lektoriert von jub und nag.)