Film

Sneak-Review #301: Flitterwochen alleine in Italien

By Marit Thore

June 02, 2026

Bild: Sabrina Pauline Erb, Nelli Lindner

Nachdem der Amerikaner Matt bei seiner Hochzeit in Rom überraschend am Altar stehen gelassen wird, tritt er die geplanten italienischen Flitterwochen alleine an. Diese recht simple Prämisse von Solo Mio ergibt keinen besonders originellen Film, bietet aber solide, wenn auch stellenweise leicht klischeehafte Unterhaltung.

Alleine unter glücklichen Paaren

Nach einer kurzen Einführung in die Beziehung sowie Matts (Kevin James) Antrag an Heather (Julie Ann Emery) springt der Film direkt zum handlungsauslösenden Ereignis: Während der Hochzeit in Rom wartet Matt vergeblich in der Kirche auf seine Verlobte. Weil er das bereits bezahlte und auf Paaraktivitäten ausgelegte Hochzeitsreisepaket nicht mehr stornieren kann, entscheidet er danach, die geplante Gruppenreise alleine wahrzunehmen. Umgeben von glücklichen Paaren muss er alleine auf dem Tandem-Rad Sightseeing durch Rom machen und im romantischen Restaurant sitzt er ebenso einsam am Tisch. Er wird während der Ausflüge jedoch schnell von zwei anderen teilnehmenden Paaren in Beschlag genommen, die sich für seine Geschichte der geplatzten Hochzeit interessieren und versuchen, ihn aufzumuntern.

Sowohl die frisch zum dritten Mal verheirateten Julian und Meghan (Kim Coates und Alyson Hannigan) als auch das Therapeutenpaar Neil und Donna (Jonathan Roumie und Julie Cerda) zanken dabei jedoch so regelmäßig miteinander, dass Matt immer mehr hinterfragt, warum ausgerechnet seine für ihn perfekt wirkende Beziehung nicht gehalten hat. Während seiner Solo-Reise lernt Matt schließlich auch Gia (Nicole Grimaudo) kennen, die Besitzerin eines kleinen Cafés in der Nähe seines Hotels ist. Nachdem er als überforderter Tourist Opfer eines Taschendiebstahls wird, hilft sie ihm aus der Situation und durch weitere zufällige Begegnungen kommen sich die beiden zunehmend näher. Währenddessen sieht Matt italienische Landschaften, erlebt zahlreiche romantische Momente und begegnet sogar Andrea Bocelli, der im Film eine erstaunlich umfangreiche Gastrolle übernimmt.

Kein Meisterwerk, aber unterhaltsam

Bereits die erste Szene des Films, in der Matt Heather kennenlernt und die mit „Perfect” von Ed Sheeran unterlegt ist, setzt den Ton für den restlichen Film. Untermalt von reichlich sentimentaler italienischer Musik und ausufernden Montagen bewegt sich der Film von einer Szene zur nächsten. Gleichzeitig gelingt es ihm jedoch, vor allem durch die gelungenen Landschaftsaufnahmen und Matts romantische wie auch unterhaltsame Italien-Erfahrungen, durchgehend schön anzusehen zu bleiben. Die große Menge an Montagen bewegt sich zwar am oberen Ende dessen, was noch stimmig wirkt, bleibt aber dank der meist gelungenen visuellen Gestaltung gerade noch im Rahmen.

Ein großer Pluspunkt des Films ist die schauspielerische Leistung von Kevin James, der es schafft, Matt als sehr liebenswerte Hauptfigur darzustellen. Man leidet mit ihm, wenn er am Altar stehen gelassen wird und als Einziger alleine auf seinem Tandem-Rad sitzen muss. Allerdings freut man sich auch für ihn, wenn er durch seine Reise in Italien und die neuen Begegnungen seine Lebensfreude wieder zurückgewinnt. Auch die Entwicklung seiner Beziehung mit Gia wird überzeugend aufgebaut und von ihm und Nicole Grimaudo sehr gut gespielt.

Schöne Bilder, aber dünn ausgestaltete Beziehungen

Die zweitwichtigste romantische Beziehung des Films erfährt dagegen leider ein anderes Schicksal: Die Dynamik zwischen Matt und seiner Verlobten Heather wird kaum charakterisiert. Schon dass Matt bereits wenige Tage nach der Trennung am Altar wieder Gefühle für jemand anderen entwickelt, wirft für die Zuschauerinnen automatisch die Frage auf, wie stabil die Beziehung mit Heather überhaupt gewesen sein konnte.

Auch seine spätere Erkenntnis, dass ihre Beziehung vielleicht doch nicht so perfekt war wie gedacht, kommt dadurch etwas aus dem Nichts. Auch der komödiantische Aspekt des Films funktioniert eher wechselhaft. Zwar sorgt Kevin James mit seiner Darstellung von Matt immer wieder für lustige Momente, aber viele der humorvollen Szenen bleiben jedoch relativ vorhersehbar oder bauen auf teilweise überdrehtem amerikanischem Filmhumor auf. Ähnlich verhält es sich auch mit der Darstellung Italiens: Der Film spielt in einer amerikanischen Fantasievorstellung des Landes und nimmt dabei beinah jedes denkbare Klischee über Italien mit.

Insgesamt bleibt Solo Mio trotz der eher dünnen Handlung und teils klischeehaften Darstellung eine funktionierende romantische Komödie, die vor allem durch sympathische Hauptfiguren und visuell ansprechende Aufnahmen überzeugt und sich so als leicht kitschiger Wohlfühlfilm für einen entspannten Abend eignet.

84 Prozent der Sneak-Zuschauer*innen bewerteten den Film positiv, während 16 Prozent ein negatives Urteil abgaben. Solo Mio läuft ab dem 28. Mai 2026 in den deutschen Kino.

(Lektoriert von cat und mas.)