Bild: Nelli Lindner
Ein neuer Job, ein luxuriöses Gebäude und ein Neuanfang. Am Anfang wirkt alles ruhig, vielleicht sogar zu ruhig. Alle sind freundlich, die Flure sind sauber, alles scheint ganz normal zu sein. Doch dieses Gefühl hält nicht lange an. Denn schon sehr schnell wird klar, dass sich hinter der Fassade etwas Dunkles verbirgt. Etwas, das gefährlich ist: Sie wollen dich alle töten.
Auch wenn das erstmal übertrieben klingt, genau damit spielt der Horror-Actionfilm They Will Kill You von Anfang an. Regisseur Kirill Sokolow setzt dabei neben Horror und Action auf viel schwarzen Humor. Der Film macht keine Umwege, gibt keine langen Erklärungen und zieht einen direkt ins Geschehen.
Gefangen im „Virgil“
Nach einem Gefängnisaufenthalt versucht Asia Reaves (Zazie Beetz) wieder auf die Beine zu kommen. Sie nimmt einen Job als Haushaltshilfe im luxuriösen Wohnkomplex „The Virgil“ an. Doch schnell wird klar: Hinter dem Reichtum und der Freundlichkeit steckt etwas ganz anderes. Denn die Bewohner*innen gehören zu einer dämonischen Sekte und brauchen regelmäßig Menschenopfer. Blöd nur, dass sie sich diesmal das falsche Opfer ausgesucht haben. Asia gibt nicht kampflos auf. Stattdessen beginnt ein teils sehr brutaler Überlebenskampf durch das gesamte Gebäude. Im weiteren Verlauf des Films erfährt man mehr über Asias Vergangenheit und merkt, dass sie vielleicht nicht ganz zufällig im „Virgil“ gelandet ist.
Kreativ, schnell und komplett drüber
Was sofort beim Schauen auffällt, sind die vielen Kampfszenen. Sie fühlen sich alle unterschiedlich an und nicht wie Standard-Action aus einem typischen Hollywood-Film. Während manche das als kreativ bezeichnen würden, würden andere eher von übertriebener Gewalt sprechen. Hier passt der Begriff „Splatter“ ziemlich gut: Blut spritzt literweise, Knochen brechen hörbar und kaum eine Szene hält sich zurück. Das ist definitiv nichts für schwache Nerven, könnte aber genau deswegen viele ansprechen.
Mehr als nur sinnlose Gewalt?
So brutal der Film auch ist, er verlässt sich nicht nur darauf. Immer wieder gibt es Momente, in denen Spannung aufgebaut wird, bevor alles eskaliert. Vor allem die Idee mit dem Gebäude, das als geschlossene Welt fungiert, funktioniert gut. Es gibt scheinbar kein Entkommen, nur ein Weiterkämpfen von Etage zu Etage. Dieses Gefühl zieht sich durch den ganzen Film und hält die Spannung konstant hoch.
Ein weiteres Copy-and-Paste?
Nach dem Ende des Films denkt man schnell an ähnliche Werke. Es wirkt wie eine Mischung aus Ready or Not, The Raid und The Babysitter. Der Film kombiniert das Motiv der reichen Elite aus Ready or Not mit der kompromisslosen Actionstruktur von The Raid. Dazu kommt der blutige Humor von The Babysitter. Wer hier also etwas komplett Neues erwartet, könnte enttäuscht werden.
Nichts für jeden, aber genau das ist der Punkt
They Will Kill You ist laut, blutig und völlig überdreht. Wer subtile Spannung oder tiefgründige Charakterbeziehungen sucht, ist hier falsch. Wer aber Lust auf einen kreativen, brutalen und ziemlich absurden Horror-Actionfilm hat, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen. Das spiegelte sich auch im Voting wider: Während 66 % den Film mochten, verließen 34 % das Kino mit einem eher negativen Eindruck.
(Lektoriert von Ronja Walter und nag.)