Bild: Hannah Benner
Die Sneak im Marburger Cineplex war diesmal kein Film für Action-Fans. Wer etwas im Stil von Avatar: Fire and Ash erwartet hat, lag damit völlig falsch. Trotzdem ist Die jüngste Tochter kein schlechter Film. Er braucht keine Explosionen oder schnellen Szenen, um zu wirken. Stattdessen punktet er mit einer starken Botschaft und einem Thema, das heute viele Menschen betrifft. Die französische Regisseurin Hafsia Herzi hat dafür den gleichnamigen Roman von Fatima Daas aus dem Jahr 2021 auf die Leinwand gebracht.
Auf der Suche nach sich selbst
Das Coming-of-Age Drama folgt der 17-jährigen Fatima (Nadia Melliti), die mit ihren Eltern und ihren Schwestern in Frankreich lebt. Sie ist rebellisch, rau und sensibel. Schon früh wird klar, dass sie in einem inneren Konflikt steckt.
Die junge Muslima ist homosexuell, möchte es aber weder ihrer Familie noch ihren Freund*innen erzählen. Ihre Versuche, sich selbst zu akzeptieren, ziehen sich durch den ganzen Film. Erst durch Online-Dating trifft sie andere Frauen und sammelt erste Erfahrungen, meist nur für eine Nacht. Bis sie Ji-Na (Ji-Min Park) kennenlernt, eine Krankenschwester, die ihr Herz sofort gewinnt. Die Beziehung gibt Fatima Halt. Doch bald offenbart ihr Ji-Na ihre Depression und zieht sich zurück.
Religion versus Sexualität
Eines der stärksten Themen des Films ist der Konflikt zwischen Fatimas Religion und ihrer sexuellen Orientierung. Zu Hause lebt sie ihre Rolle als gläubige Muslima. Außerhalb dieses Rahmens besucht sie LGBTQ-Paraden und queere Partys.
Diese doppelte Identität hinterlässt Spuren. Fatima wirkt oft verschlossen, unsicher und angespannt, besonders wenn es um Individualität oder Gefühle geht. Erst mit Ji-Na öffnet sie sich langsam. Die Schauspielerin Nadia Melliti vermittelt diese Entwicklung sehr glaubwürdig.
Von Episode zu Episode
Ein besonderes Stilmittel ist die Zeitstruktur. Der Film springt von einer Jahreszeit zur nächsten (Sommer, Herbst, Winter) und endet dann im darauffolgenden Sommer. Diese Abschnitte wirken wie einzelne Kapitel. Das lockert die Geschichte auf und gibt ihr einen episodischen Charakter.
Leise Momente, große Wirkung
Abschließend lässt sich festhalten, dass mir das Drama gefallen hat. Auch ohne Action baut der Film Spannung auf – beispielsweise durch Gefühle, Konflikte und leise Momente. Besonders die Interaktionen und Dialoge zwischen den Figuren sind stark und wirken nach. Das offene Ende regt zusätzlich zum Nachdenken an.
Mit dieser Meinung bin ich nicht allein: 62 Prozent der sogenannten Sneaker mochten den Film, 38 Prozent konnten wenig damit anfangen. Das knapp zweistündige Coming-of-Age Drama startete am 25. Dezember 2025 in den deutschen Kinos.