Bild: Nelly Kaufmann, Jana Kreutzinger, Caroline Theile
Spoiler Warning:Dieser Rezension enthält Spoiler für den gesamten Film.
Mit Father Mother Sister Brother bringt Jim Jarmusch einen Film auf die Leinwand, von dem man nicht so richtig weiß, was er einem sagen will. In drei unabhängigen Akten werden Familiensituationen dargestellt, die gleichzeitig absurd und nachvollziehbar wirken, aber vor allem eines sind: peinlich.
„Darf man mit Wasser überhaupt anstoßen?“
Solche und andere lebenswichtige Fragen klären die erwachsenen Geschwister Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik), als sie im ersten Teil des Films Father ihren alten Vater (Tom Waits) in New Jersey besuchen. Eine Handlung sucht man hier vergebens, stattdessen erhält man eher eine Momentaufnahme. Schnell merkt man, dass die Kinder und den Vater im Grunde nicht viel miteinander verbindet. Anstelle eines unterhaltsamen Gesprächsflusses macht sich peinliche Stille breit – immer und immer wieder. Der Film schafft es durch brillante schauspielerische Leistung, die äußerst unangenehmen Situationen so nahbar zu vermitteln, dass man am liebsten im Kinosessel versinken und nie wieder hervorkriechen möchte. Hinzu kommen bewusst unbeholfen wirkende Dialoge, und fertig ist die Laube – um es in den Worten des Vaters auszudrücken.
Teestunde zum Fremdschämen
Im zweiten Teil Mother begleitet man die Schwestern Timothea und Lilith, die ihre Mutter traditionell einmal im Jahr zum Teetrinken besuchen. Wie auch bei Father merkt man schnell, dass die drei miteinander nicht wirklich warm werden. Peinliches Schweigen, hier und da eine höfliche Frage, aber hauptsächlich Anspannung. Das Teeritual scheint niemand mehr so richtig genießen zu können, zu sehr haben sich die Töchter von ihrer dominanten Mutter entfremdet. Viel mehr passiert auch nicht, ehe der Film zum dritten und letzten Teil übergeht.
Normalität zu einem hohen Preis
Im letzten Teil Sister Brother geht es – Überraschung – um eine Schwester und ihren Bruder. Gemeinsam sind sie in Paris unterwegs und nehmen Abschied von der nun leergeräumten Wohnung ihrer jüngst verstorbenen Eltern. Und das erste Mal im Film kommt so etwas wie Nähe auf. Eine Familiensituation, die nicht angespannt oder gezwungen, sondern zärtlich und einfühlsam ist. Das Problem: Es ist langweilig. So überzeugend auch die schauspielerische Leistung sein mag, es kommen am Ende weder Spannung noch eine wirklich mitreißende Situation auf.
Die Verwirrung bleibt
Man könnte diese Rezension nun als großen Spoiler wahrnehmen, doch musste ich feststellen, dass es wenig gibt, das man überhaupt spoilern könnte. Eine Handlung existiert nicht: stattdessen muss dieser Film mit all seinen Eindrücke erlebt werden. In den ersten zwei Teilen fühlt man sich zumindest noch durch die schrecklich unangenehmen Spannungen zwischen den Gesprächspartner*innen unterhalten, doch spätestens im letzten Teil fällt es schwer, dem Film noch etwas abzugewinnen. Jarmusch versucht mit diesem Film ein Kunstwerk zu schaffen, aber scheitert leider katastrophal.
Auch bei dem Publikum der Sneak Preview, den sogenannten Sneakern, kam der Film denkbar schlecht an: Die 69 Prozent negative Bewertungen zeugen davon.
Die US-amerikanisch-irisch-französische Produktion startete am 26. Februar 2026 in den deutschen Kinos.