Bild: Nelli Lindner
Marty Supreme – eine innovative Marketingkampagne, die Fans mitreißt, bevor der Film in den Kinos erscheint. Ist der Hype gerechtfertigt? Kann er mit seinen Erwartungen mithalten?
Letzten Dienstag hatten wir in der Sneak Preview des Cineplex Marburg die Möglichkeit, dies herauszufinden. Mit dem Film Marty Supreme von Josh Safdie tauchen wir in das Leben von Marty Mauser ein, der bereit ist, alles zu tun, um seinen Traum zu verwirklichen und Tischtennis Weltmeister zu werden. Gespielt wird die Hauptrolle von Timotheé Chalamet, der Mausers außergewöhnliche Charakterzüge glaubwürdig darstellt.
Shoot for the stars, aim for the moon
Marty ist ein mittelloser junger Mann mit großen Träumen, für die er bereit ist, sein Umfeld zu manipulieren und Straftaten in Kauf nimmt. In seinen Versuchen, Geld für die Tischtennisweltmeisterschaft zu beschaffen, löst er viele Kettenreaktionen aus, die als verschiedene Handlungsstränge parallel durch den Film laufen. Sein Handeln ist jedoch kurzfristig und unüberlegt, was dazu führt, dass die Konsequenzen ihn schnell einholen und wieder zurück werfen. Handlungsverläufe schneiden und kreuzen sich, lösen weitere Katastrophen aus und wir bekommen das Gefühl, dass das Ziel immer weiter in die Ferne rückt, bis wir es fast aus den Augen verlieren.
Marty Mauser — Nonchalant oder einfach arrogant?
Die Persönlichkeit und Geschichte des Protagonisten Marty Mausers ist lose an dem Leben Marty Reismans, einem amerikanischen Tischtennisspieler aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, angelehnt. Wie Marty Reismann, der durch Fehlverhalten von verschiedenen Tischtennis Veranstaltungen suspendiert wurde, ist Marty Mauser cholerisch und narzisstisch. Zu Beginn des Films wirkt Marty aufgrund seines selbstbewussten Auftretens zunächst charismatisch. Im weiteren Verlauf und durch eine zunehmende Charakterentwicklung, verändert sich dieser Eindruck jedoch. Seine egozentrischen und verbitterten Züge treten zunehmend in den Vordergrund, wodurch die Figur an Sympathie verliert. Trotzdem können wir uns mit Mauser, der nicht aufgibt seinen Traum zu verfolgen, identifizieren. Damit schafft Josh Safdie einen Zwiespalt zwischen Mausers skrupellosem Charakter und seinen menschlichen Bedürfnissen seiner Leidenschaft nachzugehen.
Stilistische Mittel
Durch den Einsatz von zahlreichen, aufwendig gebauten, echten Sets wirkt der Film authentisch. Wir tauchen nicht nur in die Story Marty Mausers ein, sondern mit ihm in die Zeit der 1950er Jahre. Die Tischtennisszenen sind beispielhaft für ein erfolgreiches Zusammenspiel von Beleuchtung, Kameraführung, Schnitt, Ton und Inszenierung, wodurch eine ästhetische Gesamtkomposition entsteht. Durch den gesamten Film hinweg werden viele Nahaufnahmen benutzt, was uns die Emotionen der Charaktere näher bringt und uns mitfühlen lässt. Trotz der engen Bildausschnitte und begrenzten Szenerie wird genug Kontext gegeben, sodass die Handlung einfach nachvollziehbar ist.
Fazit
Marty Supreme ist ein wunderschön produzierter Film, der dich mit Leichtigkeit in die Welt von Marty Mauser zieht. Durch die wirren Handlungen mit den verschiedenen Handlungssträngen bekamen wir das irritierende Gefühl, nicht zu wissen, wohin der Film sich entwickelt. Durch ein abruptes Ende zu dem ohnehin etwas chaotischen Film, fühlten wir uns aus der Story heraus gerissen. So bleibt viel Spekulationsfreiraum, besonders da der Film gezeigt hat, dass unmöglich zu erahnen ist was Marty Mauser als nächstes tun wird. Dennoch, oder gerade durch die chaotische Handlung, fühlten sich die zweieinhalb Stunden kurzweilig an.
Ist Marty Supreme nun overhyped? Filmisch auf keinen Fall. Was die Story angeht, vielleicht. Hier könnte argumentiert werden, Marty Supreme sei overhyped, was bei der außergewöhnlichen Marketingkampagne jedoch schwer zu vermeiden war. Dass es sich jedoch um einen sehenswerten Film handelt, zeigt auch die Auswertung der Sneak, bei der Marty Supreme mit 83 Prozent positiven und 17 Prozent negativen Bewertungen abschnitt.