Bild: Sabrina Pauline Erb
Content Warning: Dieser Artikel behandelt das Thema Suizid.
Psychiaterin zu sein ist wahrlich nicht einfach. In Rebecca Zlotowskis Film Paris Murder Mystery erlebt man Lilian Steiners Privatermittlungen in einem vermeintlichen Mordfall, durch welche sie sich in ihrer sturen Überzeugung selbst ein immer tieferes Loch gräbt.
Von der Psychiaterin zur Privatdetektivin
Die Psychiaterin Lilian Steiner (Jodie Foster) therapiert in ihrer Pariser Wohnung seit Jahrzehnten Menschen in unterschiedlichste Lebenslagen. Mit ihrer sachlich-drögen Art und ihrem Diktiergerät bewaffnet begleitet sie dabei ihre Patient*innen. Später hört sie sich die Sitzungen erneut an und versucht, daraus neue Erkenntnisse über ihre Patient*innen zu ziehen. Bis sie eines Tages einen verhängnisvollen Anruf erhält: Eine Patientin hat sich das Leben genommen. Eigentlich gehört das zu ihrem Berufsleben dazu, doch Lilian glaubt nicht daran, dass es ein Suizid war. Ihre Patientin habe keine Anzeichen für suizidales Verhalten gezeigt. Stattdessen glaubt sie, ungeklärte Familienkonflikte erkannt zu haben und verdächtigt den Vater des Opfers. Eigenwillig beginnt sie mit ihren eigenen Ermittlungen und erfährt dabei nicht nur mehr über das Opfer, sondern auch sich selbst.
Raus aus meinem Kopf!
Schnell fällt auf, dass Lilian eine Therapie eigentlich deutlich nötiger hat als ihre Patient*innen. Sie hat mit ihrer Lebensrealität und dem Tod ihrer langjährigen Patientin zu kämpfen. Um mit ihren inneren Dämonen fertig zu werden geht sie sogar zu einer Hypnotiseurin und glaubt, dadurch Perspektiven aus ihrem früheren Leben einzunehmen. Einerseits bleibt Lilian trotz dieser surrealen Erfahrungen zynisch und trotzig. Andererseits ergreift sie ein tiefer Glaube an das Konzept der Wiedergeburt, mit dem sie schließlich auch ihre Familie vergrault.
In den absurden, traumartigen Hypnose-Sequenzen erkundet der Film den Verstand der Protagonistin. Der Film wirkt dadurch surreal und gleichzeitig bodenständig, schafft es jedoch oft nicht, diese Realitäten zu einem stimmigen Gesamtbild zu vereinen. Stattdessen lebt das Werk vor allem von der herausragenden schauspielerischen Leistung Jodie Fosters. Sie schafft es, Lilian in all ihren Höhen und Tiefen glaubhaft darzustellen. So verhilft sie diesem bizarren und widersprüchlichen Charakter, der irgendwo zwischen Zynismus und Träumerei steht, zu einem überzeugenden Endergebnis.
Großartig gespieltes Mittelmaß
Dennoch bleibt der Film recht vorhersehbar und überrascht kaum mit einer ausgeklügelten Handlung oder neuen Situationen. Besonders Lilians ständige Naivität und Sturheit frustrieren beim Zuschauen, weil man oft bereits wesentlich mehr vorhersehen kann als sie. Anstatt jedoch die Unwissenheit der Protagonistin für das Erschaffen wirklich spannender Augenblicke zu nutzen, in denen man mit ihr mitfiebern kann, vergeudet der Film hier viel Potential.
Paris Murder Mystery ist am Ende eine mittelmäßige Mischung aus Krimi und Tragikomödie, die zwar manchmal durch amüsante Szenen unterhalten kann, ohne die brillante schauspielerische Arbeit Jodie Fosters in der Hauptrolle jedoch vollkommen in die Bedeutungslosigkeit abrutschen würde. Das Publikum der Sneak Preview sieht den Film mit insgesamt 59 Prozent negativen Bewertungen ähnlich kritisch.