Bild: Niklas Günther
Wer ist im Sommer nicht gerne sportlich mit dem Fahrrad unterwegs? In Simon Ostermanns Tragikomödie Sommer auf Asphalt erleben wir die Höhen und Tiefen eines Vaters und seiner Tochter, die auf dem Rad durch die Gegend flitzen und dabei versuchen, nach langem Streit erneut zueinander zu finden.
Treib Sport oder du bleibst gesund
Wenn Les (Mala Emde) und ihre Kolleg*innen in die Pedale treten, bringen sie in Windeseile Pakete von A nach B. Denn sie arbeitet bei den „Pedalpiloten“, einem kommunal organisierten Fahrradkurier. Ihre Kolleg*innen sind auch ihre Familie und die lässt man nicht im Stich. Doch ihre schöne heile Welt gerät ins Wanken, als sie von ihrer ungewollten Schwangerschaft erfährt und sich dann auch noch bei einem Unfall den Arm bricht.
Als wäre das nicht genug, steht plötzlich auch noch ihr Vater Bert (Christoph Maria Herbst) nach vielen Jahren erneut vor ihrer Tür, um sie in seinem Urlaub zu besuchen. Sie hat aufgrund des gebrochenen Arms den lieben langen Tag nichts zu tun, dafür aber den nervtötenden Vater in den eigenen vier Wänden – ihr absoluter Albtraum. Allerdings ist Bert immerhin genauso hilfsbereit wie aufdringlich und schwingt sich daher selbst aufs Rad, um für seine Tochter bei den „Pedalpiloten“ einzuspringen.
Geschichten, die das Leben schreibt
Les traut sich nicht, ihrem Vater von der Schwangerschaft zu erzählen, noch weniger von ihren Plänen für eine Abtreibung. Andererseits ist sie nicht die Einzige, die ein Geheimnis mit sich herumträgt, denn ihr Vater leidet an einem fortgeschrittenen Hirntumor und möchte seine Tochter mit der Diagnose nicht belasten. Fortan begleitet man die beiden in ihrem Lebensalltag, der voller Witz, Tragik und liebevoller Figuren steckt. Schaffen sie es, nach all den Jahren ohne Kontakt wieder zueinander zu finden, bevor es zu spät ist? „Memento mori“ lautet das Gebot der Stunde.
Im Grunde bleibt der Film in seiner Handlung recht vorhersehbar, bedient sich dafür aber einer vorbildlich umgesetzten Situationskomik. Die ist manchmal ein bisschen trocken und zynisch, aber sehr wirksam und lockert die eigentlich tragische Situation mit dem Hirntumor ungemein auf. Am Ende bleibt Humor selbstverständlich Geschmackssache, aber die meisten sollten hier wohl auf ihre Kosten kommen.
Schwungvoll unterwegs auf der Leinwand
Christoph Maria Herbst sportlich unterwegs auf dem Fahrrad – das hat dem deutschen Kino noch gefehlt! Gleichzeitig gibt es wohl wenige Schauspieler, die seine Rolle besser hätten verkörpern können. Er spielt sie, wie man es von ihm gewohnt ist, mit seinem ganz eigenen Herbst-Touch.
Mala Emde, die Les verkörpert, fügt sich mit ihm zu einem unschlagbaren Duo, egal ob im Streit oder in der Versöhnung. Die Charakterdynamik passt einfach. Als harmoniebedürftige*r Zuschauer*in fiebert man mit und hofft, dass die Figuren trotz all ihrer Konflikte irgendwie doch noch ein würdiges Ende finden.
Der Film ist kitschig und schnulzig, aber auch lustig und heiter. Er ist nicht revolutionär oder bahnbrechend, doch das will er auch gar nicht sein. Wenn man sich stattdessen auf eine süße, kleine Komödie mit herzlichen Figuren und amüsanten Situationen einlassen will, ist man auf jeden Fall zufrieden. Und solche Filme gehen ja immer.
87 Prozent der Sneaker*innen sehen das ähnlich und bewerten das Werk positiv.
Sommer auf Asphalt läuft seit Anfang Juni in den deutschen Kinos und soll im Herbst 2026, da der Film von der ARD finanziert wurde, auch im freien Fernsehen ausgestrahlt werden.
(Lektoriert von fdh und nag.)