Bild: Philipp Müller
Am 13. Januar gab die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres in Marburg ihre Entscheidung für das Jahr 2025 bekannt. Und PHILIPP war natürlich für euch vor Ort.
Seit 1991 wird jedes Jahr das „Unwort des Jahres“ gekürt. Für 2025 ist die Wahl auf „Sondervermögen“ gefallen. Im Alltagssprachgebrauch verstehe man darunter eine spezielle Menge an Eigentum, welche von einem Gesamtvermögen abgetrennt ist und einen eigenen Stellenwert einnimmt. Tatsächlich bezeichnet das Wort einen vom regulären Haushalt getrennten „Nebenhaushalt“, der zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet wird und mit der Aufnahme von Schulden oder einer Kreditermächtigung verbunden ist. Hinter dem Begriff „Sondervermögen“ verbirgt sich also eine Schuldenaufnahme. Diese Schuldenaufnahme werde durch den irreführenden Fachterminus euphemisiert und verschleiert. Das Ziel sei die Täuschung der Bevölkerung. Dies unterminiere die demokratische Debatte zur staatlichen Schuldenaufnahme.
Zusätzlich kritisiert die Jury den Begriff „Zustrombegrenzungsgesetz“, der durch die Wasser-Metaphorik flüchtende Menschen als gefährliche Masse darstelle, wie etwa einen Tsunami, und sie damit entmenschlicht.
Die Top 3 komplettiert das Wort „Umsiedlung“, das wie eine Wohltat klinge. Es beschreibe in der jüngeren Vergangenheit jedoch Prozesse, welche eher als „Vertreibung“ zu bezeichnen seien.
Wie funktioniert das „Unwort des Jahres“?
Das Ziel der Aktion ist es, auf problematische Formen des öffentlichen Sprachgebrauchs aufmerksam zu machen und dadurch das Sprachbewusstsein der Bevölkerung fördern. Der Blick soll auf Wörter und Formulierungen der öffentlichen Kommunikation gelenkt werden, die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen. Es werden also Worte gesucht, die euphemistisch sind und gegen Menschenwürde und Demokratie verstoßen.
Dieses Jahr haben Bürger*innen insgesamt 553 verschiedene Begriffe eingesendet. Aus diesen wählte die fünfköpfige Jury, an deren Spitze die Marburger Professorin und Sprachwissenschaftlerin Constanze Spieß steht, das Unwort aus.
Zu den Unwörtern der vergangenen Jahre zählen „biodeutsch“ (2024), „Remigration“ (2023), „Klimaterroristen“ (2022) und „Pushback“ (2021).