Foto: Angelina Adam, Layout: Niklas Günther
Vom Unisport bis zur Hochschulpolitik – das Freiwilligenangebot der Uni Marburg bietet für Viele etwas, um sich auszuprobieren. Aber was, wenn das Interesse eher bei Kunst und Kultur liegt? Wer von Filmen nicht genug bekommen kann, der trifft im Unikino Marburg auf Gleichgesinnte.
Kino statt Seminar
Wer sich an einem Mittwochabend in einen Hörsaal der Uni Marburg verirrt, dem wird sich womöglich ein unerwarteter Anblick bieten. Statt Dozierenden oder Präsentationsfolien heißt es hier „Licht aus, Beamer an, Film ab!“, denn das Unikino Marburg zeigt jeden Mittwoch ein wechselndes Kinoprogramm. Für Studierende bietet es einen Ort zum Snacks knabbern und gemeinsam Filme zu genießen. Doch was genau ist das Unikino überhaupt, wie funktioniert es und wer kann alles mitmachen?
Diese Fragen habe ich Flora und Jannes gestellt, die beide schon seit längerem im Unikino-Team dabei sind. „Ich bin sehr fasziniert von Filmen und liebe es, ins Kino zu gehen“, erzählt Jannes. „Es ist einfach cool, dass wir an der Uni die Möglichkeit haben, von und für Studierende Filme zeigen zu können.“ Er sei dem Team beigetreten, nachdem er öfter selbst die Vorstellungen besucht habe. Flora erzählt, sie sei direkt überzeugt gewesen: „Ich bin seit meiner ersten Vorstellung dabei. Nach dem Film bin ich zu Jannes gegangen und habe einfach gefragt, ‚Hallo, kann ich bitte mitmachen?‘ Und ab da war ich im Team.“
Gemeinsam ehrenamtlich
Das Unikino Marburg ist allerdings nicht das einzige „Hörsaalkino“ in Deutschland. Es ist Teil des Netzwerks unifilm.de, mit Sitz in Göttingen, welches Unikinos in ganz Deutschland bei Lizenzrechten, Organisation und Vermarktung ihrer Programme unterstützt. „Das Mutterschiff“, scherzt Jannes. Das Unikino „Filmriss Marburg“ sei eine studentische Initiative, welche vor einigen Jahren gegründet wurde und sich diesem Netzwerk angeschlossen hat. „Wir machen das alle freiwillig. Also es ist ehrenamtliche Arbeit, macht uns aber auch Spaß.“
Dabei gehe es auch um die Bereitschaft, in der eigenen Freizeit Vorstellungen zu organisieren, im Vordergrund stehe aber natürlich die Gemeinschaft zwischen allen Team-Mitgliedern, erzählt Flora. „Also wir sind auf jeden Fall nicht so professionalisiert, dass es nur Business ist, und wir uns nur treffen, um Filme zu zeigen. Natürlich hängen wir auch gerne miteinander ab.“ Eine Beobachtung, die auch ich selbst – als Mitglied im Unikino – bestätigen kann. „Wir haben eine gute Zeit und schauen Filme zusammen. Oft verquatschen wir uns auch nach dem Film noch und teilen unsere Eindrücke miteinander“, fügt Jannes hinzu.
Spaß und Spontanität
Die Organisation selbst sei dabei nicht allzu kompliziert. Man bringe sich gegenseitig Dinge bei und unterstütze sich. „Wir mussten das alle irgendwann lernen. Kommt vorbei und macht, worauf ihr Bock habt,“ so Flora. Dabei sei das Unikino auch ein Ort, um sich auszuprobieren und unabhängig von Dozierenden oder Seminaren in das Uni-Leben einzubringen. „Es macht auch einfach Spaß, mit seinen Freund*innen zusammen Kulturangebote anzubieten und zu überlegen, was die Leute an der Uni hier begeistern könnte.“ Dabei werde in der Gruppe entschieden, welche Filme es im kommenden Semester in den Hörsaal schaffen. Aus einer Liste von erworbenen Lizenzen kann ausgewählt werden. Über eine Instagram-Umfrage bekämen auch Zuschauer*innen die Möglichkeit, Filmwünsche zu äußern. Bei manchen Filmen sei man sich sofort einig, manchmal müsse ein bisschen länger diskutiert werden. „Aber das gehört einfach dazu“, meint Flora.
Nicht immer laufe bei der Organisation alles nach Plan. Flora erzählt von einer Veranstaltung, bei der deutlich mehr Zuschauende kamen als erwartet. „Wir mussten in unserem Kostüm, weil es ein Verkleidungsspecial war, durch das Gebäude rennen und den Hausmeister finden, damit wir irgendwie noch einen zweiten Raum bekommen.“ Aber auch solche Dinge ließen sich lösen. „Dann akzeptiert man das einfach und macht, was man machen kann“, meint Jannes. „Dann wird halt durchgezogen.“
„Alle sind willkommen“
Auch, wenn es der Name vermuten lässt, sei das Unikinoteam nicht nur für Filmnerds, betonen Flora und Jannes. Man müsse sich nicht außergewöhnlich mit Filmen auskennen, um mitzumachen. Viele Teamer*innen seien selbst dabei, weil sie einfach Spaß am Filmeschauen haben. „Viele von uns studieren nichts, was mit Filmen zu tun hat“, sagt Flora. Es würden nicht nur Kunstfilme geschaut, sondern auch Filme wie The Lego Movie und The Dark Knight. Wer Lust habe, mitzumachen, müsse einfach fragen, denn das Unikino freue sich immer über neue Mitglieder. „Leute können einfach bei den Vorstellungen mit uns sprechen“, sagen die beiden. „Wir nehmen alle, alle sind willkommen.“
Das gilt nicht nur für Teamer*innen, sondern auch für die Kinobesucher*innen. „Das Unikino ist auch deshalb toll“, erzählt Jannes, „weil wir einen Raum schaffen, in dem Menschen relativ niedrigschwellig Filme schauen können. Auch die, die es vielleicht nicht geschafft haben, die Filme im Kino zu sehen.“ Freund*innen zusammentrommeln und gemeinsam einen schönen Abend genießen – im Unikino ginge es darum, dafür einen Raum zu schaffen. „Ein kleines Highlight in der Mitte der Woche“, sagt Jannes. „Es ist immer schön, wenn man eine Community von Menschen zusammenbringt.“
Für einen Preis von 2,50€ pro Person können Studierende jeden Mittwochabend um 19 Uhr das Kinoprogramm genießen. Über den wöchentlich wechselnden Standort informiert das Unikino auf seinem Instagramkanal „filmrissmarburg“.