Wie lebt es sich in der Marburg-WG?
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In einem kleinen Häuschen am Renthof wohnt seit Anfang 2026 die Marburg-WG, Hier leben Ali, Litti, Hannes und Toni gemeinsam kostenfrei und produzieren im Gegenzug für die Universität Social-Media-Content rund um Stadt und Uni. Jetzt, wo sie sich ein bisschen eingelebt haben, hat PHILIPP ein Interview mit Hannes und Litti geführt.
Hattet ihr bereits Vorerfahrungen mit dem Thema Blogs und Influencer*innen oder macht ihr das jetzt zum ersten Mal?
Litti:
Ich habe schon vorher privat für mich Videos im Vlog-Format erstellt, einfach als Erinnerung. Was Videoproduktion angeht, hatte ich mir also schon grundlegende Fähigkeiten aufgebaut und auch häufiger Videos auf Instagram gepostet. Es war also nichts allzu Neues für mich.
Hannes:
Ich hatte bisher nicht wirklich eine Online-Präsenz. Aber grundsätzlich war ich natürlich schon Social-Media-affin, sonst bewirbt man sich hier ja auch nicht. Aber die Uni hat dann auch bei allem geholfen. Wir hatten eine Schulung und bei allen Fragen und Anliegen ist immer jemand da, der einem helfen kann.
Im Positionspapier der FSK zum WG-Projekt wird kritisiert, dass Wohnungs- und Arbeitsverhältnis vermischt werden. Wie steht ihr dazu?
Litti:
Grundsätzlichen Kündigungsschutz haben wir hier wie auch in jedem anderen Wohnverhältnis. Wir werden also hier nicht vom einen auf den anderen Tag rausgeschmissen, sondern haben genug Zeit, uns was Neues zu suchen.
Hannes:
Und wenn wir keine Lust darauf gehabt hätten, dass man das Privatleben mit dem Job verbindet, dann hätten wir uns ja auch nicht beworben. Das war ja von Anfang an klar.
Wie ist so eure Auslastung beim Arbeiten? Wie groß ist euer Workload ungefähr pro Woche?
Litti:
Ich zähle jetzt nicht die Stunden, die ich pro Woche hier reinstecke. Aber es variiert natürlich und ist alles machbar. Wir produzieren ja keine stundenlangen Videos, sondern Reels. Der Arbeitsaufwand ist dann aber natürlich auch abhängig davon, wie viel Anspruch man an sich selbst stellt. Man kann das schnell machen, man kann das aber auch weniger schnell machen.
Hannes:
Es variiert wirklich sehr. Aber im Vergleich zu „normalen“ Jobs ist die Miete schon eine ordentliche Vergütung dafür.
Dürft ihr auch mal Urlaub machen, oder müsst ihr jede Woche was produzieren?
Litti:
Wenn wir Urlaub machen wollen, dann können wir Urlaub machen. Es ist aber gewünscht, dass wir dafür dann Videos vorproduziert haben.
Wir haben kürzlich auch einen Content-Tag gemacht, wo wir mehrere Videos an einem Tag produziert haben. Das wird dann auch teilweise von der Uni geschnitten und solche Videos kann man dann als Puffer mit reinbringen. Und wenn jemand mal Uni-Stress hat oder wenn wir krank sind, werden wir auch nicht gezwungen, Videos zu produzieren.
Inwiefern dürft ihr euch kritisch zur Uni äußern?
Hannes:
Wir dürfen uns schon auch kritisch äußern, solange es jetzt keine üble Hassrede ist. Wenn ich mich richtig erinnere, steht im Vertrag sogar irgendwo ein Absatz, dass es erwünscht wäre, dass wir uns da äußern.
Habt ihr Angst, dass euch mittelfristig der Content ausgeht?
Hannes:
Ich glaube eigentlich nicht. Wir schauen ja immer, was aktuell los ist, und da bietet sich eigentlich jede Woche irgendwas an.
Litti:
Und von der Uni gibt es auch immer irgendwas, das man irgendwie gut mit reinnehmen kann. Man kann über das Studium reden, man kann über WG-Alltag reden und wir können irgendwelche Aktionen machen.
Hannes:
Wir können außerdem auch irgendwelche Spaßvideos machen. Man ist ja im Internet unterwegs und wenn uns irgendeine Inspiration quasi zugeflogen kommt, dann können wir das auch aufgreifen. Was die Gestaltung angeht, sind wir eigentlich sehr frei.
Ihr macht bisher recht viel Content zur Stadt selbst und weniger zur Uni. Woran liegt das?
Hannes:
Ich meine, wir wohnen ja nun mal in Marburg und die Stadt ist einfach sehr stark mit der Uni verbunden. Also die Uni ist Marburg …
Und ich glaube, viele Leute werden nicht primär durch die Uni motiviert. Studieren kannst du schließlich überall. Dann kann man die Vorzüge von Marburg schon ein bisschen mehr in den Mittelpunkt rücken, denn die Stadt ist ja wunderschön und man kann auch viel machen.
Ich glaube, was viele Leute eben auch nicht checken, ist, dass man in Marburg durchaus ein bisschen was machen kann. Wenn man von außerhalb drauf guckt denkt man erstmal, dass das hier einfach eine Kleinstadt ist. Und das ist Marburg ja jetzt nicht ganz. Deswegen glaube ich, dass man den potenziellen Studis einfach zeigen muss, dass die Stadt ein bisschen was zu bieten hat.
Habt ihr manchmal Druck, für den Content mehr rauszugehen, und was Spannendes zu erleben?
Litti:
Jetzt hat man halt eine doppelte Ausrede, rauszugehen und was zu machen. Selbst wenn wir jetzt extra einen WG-Ausflug machen würden, dann wäre das ja für uns eigentlich nur von Vorteil. Aber wir haben da jetzt nicht extra Druck oder so.
Hannes:
Am Ende hat man eventuell auch einfach eine Ausrede für Lernzeitbetrug mehr.
Wie frei dürft ihr eure Videos machen? Müsst ihr da eure Themen mit irgendjemandem absprechen oder macht ihr einfach drauf los?
Litti:
Wir haben einen Redaktionsplan, wo wir Sachen reinschreiben können, um eine grobe Übersicht zu bekommen. Das besprechen wir dann in wöchentlichen Meetings. Aber wir müssen die Videos nicht vorher absegnen lassen, wir können die einfach posten.
Hannes:
Es wird dann eben im Nachhinein geschaut, ob das so geht. Aber wir sind eigentlich sehr frei.
Litti:
Also wenn wir große Scheiße bauen würden, dann würde die Uni da schon was sagen. Aber wir sollten genug menschlichen Verstand haben, um das zu vermeiden.
Wie ist es zu eurem IKEA-Sponsoring gekommen? Hattet ihr damit irgendwas zu tun oder ist das alles über die Uni abgelaufen?
Litti:
Das lief alles über die Uni ab. Die kümmert sich um die Regeln, die Kooperationen, die Medienanfragen, und so weiter. Ich weiß jetzt nicht, von wem die Idee in diesem Fall kam und wir konnten uns dann bei IKEA auch ein paar Sachen aussuchen.
Wie weit plant ihr eure Videos so im Voraus? Habt ihr da irgendwelche Projekte, von denen ihr jetzt schon wisst, die möchten wir in drei Monaten machen oder so?
Hannes:
Ich glaube, solche großen Projekte sind eher die Sache der Uni. Die kommt dann mit Ideen auf uns zu. Die Uni hat da auch einen größeren Überblick, was da irgendwie ansteht und wo man vielleicht etwas machen kann.
Litti:
Im Redaktionsplan ist vorne eine Spalte, was die Uni so für Ideen hat. Dazu können wir dann Videos zu machen, wir können aber auch andere Sachen machen. Dadurch kriegen wir eine grobe Orientierung, was passiert und aktuell los ist. Aber da steht auch nichts drei Monate im Voraus drin. Das macht man dann, wenn es soweit ist.
Hannes:
Und ich glaube, es ist auch nicht wirklich notwendig. Die Videos sind jetzt kein so großer Arbeitsaufwand von, dass man wochenlang am Schnitt feintunen muss. Wenn dann mal irgendwas ist, dann geht das auch immer richtig zackig. Von dem her ist es auch nicht so notwendig, Videos groß vorauszuplanen.
Lernt im Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität von verschiedenen Philipps, schreibt beim PHILIPP Magazin manchmal über Philipps und kann schlechte Philipp-Wortwitze langsam nicht mehr hören. Seit 2025 bei PHILIPP.
kommt aus Bielefeld, studiert Politikwissenschaft, Soziologie sowie neuere deutschsprachige Literatur und ist seit 2025 bei PHILIPP. Mag Füller, Veggie-Döner und alte Filmklassiker.


