Sneak-Review #309: Kampf um den perfekten Song
Bild: Emma Osmanovic
Ein gutherziger Kleinstadtmusiker und ein weltbekannter Popstar bringen die Zuschauenden im Marburger Cineplex zum Mitsummen. Am 23. Juni lief in der wöchentlichen Sneak-Preview der Musikfilm Power Ballad, der ganze 85 Prozent der Zuschauenden von sich überzeugen konnte. Regisseur John Carney, der bekannt ist für weitere Musikfilme wie Once (2006) oder Can a Song Save Your Life? (2013), begeisterte das Publikum mit einer liebenswürdigen Erzählweise, gepaart mit charmantem irischem Humor.
Zwei sind Einer zu viel
Power Ballad handelt von zwei Musikern, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnte. Rick Power (Paul Rudd) tritt mit seiner Band auf Hochzeiten in Irland auf und lebt ein klassisches Familienleben, während Danny Wilson (Nick Jonas) als Popstar und Teenie-Idol in Hollywood auf der High-Society-Wolke der Reichen und Famosen schwebt. Natürlich haben die zwei trotzdem eine wichtige Sache gemeinsam: Sie verbindet die Musik. Bei einem von Ricks Gigs in der Nähe von Dublin, ist auch Danny als Teil der Hochzeitsgesellschaft eingeladen und die beiden performen spontan einen Song zusammen.
Daraufhin folgt ein langer gemeinsamer Jam-Abend mit melancholischer und leichter Atmosphäre und man denkt fast, hier treffen alte Freunde wieder aufeinander. Innerhalb dieser vertrauten Stimmung zwischen den zwei Fremden teilen sich die persönlichen Probleme fast wie automatisch. Danny erzählt von dem an ihm klebenden Image des Teenage-Stars in einer Boy-Band, das er vergeblich zu rebranden versucht. Rick hingegen sieht in dem jungen Typ die Person, die er immer sein wollte. Eigene Songs schreiben, veröffentlichen und die Anerkennung tausender Menschen dafür bekommen. Für Rick ist dies noch immer eine traumhafte Vorstellung.
„We´re not rockstars Rick, we´re human juke boxes“, hört er von seinen Bandkollegen, wenn er mal wieder auf die Idee kommt, eigene Songs bei Hochzeiten spielen zu wollen. An diesem Abend präsentiert er ganz nebenher einen seiner selbst geschriebenen Herzens-Songs. Natürlich ist Danny begeistert. Und an diesem frühen Punkt des Films schafft Regisseur Carney den naheliegenden Ausgangspunkt für die weitere Handlung: Eine wunderbare Ballade, aber zwei Singer-Songwriter, was könnte da wohl schief gehen?
Vermutetes Konfliktpotenzial & unvermutetes Talent
Die Struktur und Handlung des Films sind ab diesem Zeitpunkt recht vorhersehbar. Danny veröffentlicht Ricks Song und hat riesigen Erfolg. Der gutherzige Rick begreift erst spät, dass Danny nicht der Mensch ist, für den er ihn vorher hielt. Im weiteren Verlauf schaukeln sich die Gefühle hoch, bis Rick endlich Danny mit seinen Gefühlen konfrontieren kann. Zwar verzichtet die Erzählweise auf größere unerwartete Wendungen, harmoniert aber überzeugend mit der eher humorvollen und rührseligen Art des Films. Das Ende des Films bietet dann tatsächlich noch Interpretationsspielraum, womit nicht die komplette Handlung vorhersehbar ist.
Träger des Humors ist vor allem der Nebencharakter Sandy, Ricks irischer Bandkollege, gespielt von Peter McDonald. Sandy vermag es in jeder Szene, in der er auftaucht, die Stimmung im Kino zu erhellen und steht Rick jederzeit vertraut zur Seite. Generell wirken die Schauspielenden passend für die Charaktere gewählt. Wer vor allem überrascht, ist Paul Rudd. Er überzeugt das Publikum nicht nur als beliebter Schauspieler in zahlreichen Komödien, sondern offenbart in Power Ballad nun auch noch sein beeindruckendes Gesangstalent. Während die performten Songs auf der Bühne vermutlich eher Playback sind, hört man vor allem bei der Jam-Session seine Live-Stimme heraus und kommt nicht drum herum, diese samt ihrer Zerbrechlichkeit zu bewundern. Nick Jonas ist als Boy-Band-Mitglied ganz in seinem Element und enttäuscht ebenfalls nicht.
Kein Wurm im Ohr
„How to write a song without youuu…“ hören wir noch von einigen Filmzuschauenden nach dem Film daher summen. Der wohl interessanteste Kritikpunkt am Film ist dieses Lied, das die Handlung trägt. Während des Films wird der Chorus immer wieder und wieder in Szenen eingebettet und nur ab und zu von anderen Original-Songs abgelöst. Daher ist es kein Wunder, dass gerade dieser Song daraufhin im Ohr hängen bleibt. Mit Sicherheit ist dies der große Knackpunkt eines Musikfilms. Interessant finden wir aber, dass am darauffolgenden Tag zumindest bei uns nicht einmal der Titel des Films im Gedächtnis geblieben ist. Eingebettet in den Film fügt sich die Ballade stimmig ein, originär ist sie allerdings weniger und schon einen Tag später wieder verflogen. Ob der Song auch ohne seine ständigen Wiederholungen im Kopf geblieben wäre, ist fraglich. Wer aber Fan von musikalischen Dramödien mit irischem Humor ist, der wird mit Power Ballad trotzdem ein warmherziges Filmerlebnis haben. Power Ballad ist ein musikalischer Wohlfühlfilm über unerfüllte Träume, völlig gegensätzliche Lebensrealitäten und all das, was im Leben wirklich wichtig ist.
Der Film läuft seit dem 25. Juni in den deutschen Kinos.
