Ist die Bunte Liga wirklich so bunt?

Ist die Bunte Liga wirklich so bunt?

Bild: Nelli Lindner

Die Bunte Liga wirbt damit, ein Fußballturnier zu sein, das offen für alle ist. Doch kann sie das auch umsetzen? Unsere Autorin hat sich vor Ort ein Bild gemacht und mit Spieler*innen und Zuschauer*innen gesprochen.

Die Stimmung auf den Afföllerwiesen ist gut. Musik dröhnt aus den Boxen, fröhlich wird Bier herumgereicht und – Tor! Jubel.

Seit April verwandeln sich die Wiesen wieder in ein Fußballfeld. Die Bunte Liga hat begonnen. Die Freizeitliga, bei der dieses Jahr 59 Teams auf dem Platz stehen, soll eine Alternative zum Marburger Vereinsfußball darstellen. Zuerst treten sie in einer Gruppenphase gegeneinander an, später gibt es K.O.-Phasen.
Die Regelungen sind sehr liberal, vor dem Spiel werden zwischen den Teams die Details ausgemacht. Schiedsrichter*innen gibt es keine, es wird großen Wert auf Fairplay und Rücksichtnahme gelegt.
Perfekte Voraussetzungen also für ein Turnier, bei dem statt Leistungsdruck Spaß im Vordergrund steht und das offen für alle ist. Aber ist es das wirklich? Wird die Bunte Liga ihrem Namen gerecht?

Wieso stehen nur Männer auf dem Feld?

Ein Blick auf das Spielfeld zeichnet schnell ein erstes Bild. Bei dem Spiel, das gerade läuft, spielen nur Männer mit. Und am Spielfeldrand stehen Frauen und jubeln. Marco, der selbst Spieler ist, begründet das so: “Ich denke nicht, dass Männer einfach lieber Fußball spielen. Der körperliche Standard von Fouls ist sehr hoch und ich erkenne auch toxisch-maskuline Dynamiken wieder, wie etwa das Anpöbeln.”

Auch eine Gruppe von Zuschauerinnen, die ich am Spielfeldrand anspreche, kritisiert den aggressiven Umgang. „Also ich würde nicht gegen diese Männer spielen wollen.“

Zwei Ausnahmen sind die Spielerinnen Vivien und Marlene. Obwohl sie grundsätzlich viel Spaß in der Bunten Liga haben, kann es auch manchmal frustrierend sein. „Wenn ich auf dem Feld bin, merke ich, dass ich den Ball weniger bekomme, was ich schade finde, weil ich nicht schlechter bin als die anderen”, meint Vivien.

Eine Mannschaft, die versucht, es anders zu machen, ist der FC Deliveredpool. Der Fußball steht hier an zweiter Stelle. Wichtiger ist es der Mannschaft, christliche Werte zu leben. Vor allem das Zusammenkommen verschiedener Menschen ist dem Team ein Anliegen. Das Alter der Spieler*innen reicht von 17 bis 48 Jahre, neben Studierenden spielen auch Leute ohne akademischen Hintergrund mit und es sind verschiedene Nationalitäten vertreten. Ein wirklich buntes Team – eigentlich. Denn auch hier spielen nur zwei Frauen mit.

Chancen auf Veränderung?

Die meisten Leute, mit denen ich rede, scheinen sich erst Gedanken über das Ungleichgewicht zu machen, als ich sie darauf anspreche. Doch das Problem wird wahrgenommen und es gibt auch Lösungsansätze.

“Der Fokus muss sich weg von Leistung und hin zu dem Spaß am Spiel verschieben. Das könnte insgesamt für eine offenere Atmosphäre sorgen”, meint Marco. Diese Wahrnehmung teilen viele meiner Gesprächspartner*innen, vielen Teams gehe es eben doch um das Gewinnen.

Ein anderer Vorschlag lautet, dass expliziter kommuniziert werden sollte, dass FINTA*-Personen erwünscht sind. Auch wenn das eigentlich klar sein sollte, wirken reine Männerteams auf viele Frauen abschreckend.

Der wohl am meisten erwähnte Punkt ist aber der Umgang miteinander auf dem Feld. “Wenn der so hart bleibt, lässt sich keine Stimmung schaffen, in der Frauen sich willkommen fühlen.”

Gemischte Gefühle

Trotzdem sind alle, mit denen ich spreche, sehr begeistert von der Bunten Liga. Vivien findet: “Das Klima hier ist sehr positiv und gemeinschaftlich. Auch wenn noch nicht alles super läuft, fühle ich mich sehr wohl.”

Langsam verschwindet die Sonne hinter dem Hügel und mit gemischten Gefühlen verabschiede ich mich von den Afföllerwiesen. Jedes Jahr wird hier aufs Neue ein Ort der Gemeinschaft geschaffen, der viele verschiedene Menschen vereint. Doch auch die Bunten Liga ist kein heiliger Ort. Auch hier bleibt Fußball eine männerdominierte Sportart.

(Lektoriert von leb und nag.)


FLINTA* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transgeschlechtliche und agender Personen.

Maja Redies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wordpress Social Share Plugin powered by Ultimatelysocial
Instagram