Endgegner*in: Zwei-Faktor-Authentifizierung

Endgegner*in: Zwei-Faktor-Authentifizierung

Bild: Niklas Günther

Wenn ich in die Uni-Bib gehe, um eine Hausarbeit mit plötzlich ganz nah gerückter Deadline zu schreiben, benutze ich seit Jahren dieselbe Methode zur Steigerung meiner Effektivität. Bevor ich mir oben einen Sitzplatz suche, schließe ich mein Handy in eines der Tagesschließfächer und hole es erst wieder heraus, wenn ich eine vorher festgelegte Mindestanzahl an Seiten geschrieben habe. Seit der Einführung der verpflichtenden Zwei-Faktor-Authentifizierung für die Anmeldung bei Marvin und Ilias ist es damit jedoch vorbei. Immer wenn ich zwischendurch etwas auf Ilias nachschauen möchte, muss ich nun nach unten gehen, um den notwendigen App-Token herauszufinden. In meinem Frust über die neue Art der Anmeldung bin ich immerhin nicht alleine. Egal mit wem ich in den Wochen nach der Einführung rede, die Ablehnung gegenüber der Neuerung scheint ziemlich einhellig zu sein.

Meine extrem geheimen Daten

Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist seit dem 01. März 2026 für jede Anmeldung bei Marvin und Ilias notwendig und laut dem Hochschulrechenzentrum eine „wichtige Sicherheitsmaßnahme, um auch weiterhin eine stabile und nachhaltige IT-Infrastruktur anbieten zu können”. Selbst mit meinem begrenzten IT-Fachwissen frage ich mich aber durchaus, ob die geheimen Daten auf Ilias und Marvin wirklich so einen aufwendigen Schutz erfordern. Es wäre ja nicht auszudenken, was passieren würde, wenn sich jemand in meinem Account einloggen könnte und die liebevoll gestalteten PowerPoint-Präsentationen oder Skripte aus den Ilias-Kursen meiner Vorlesungen entwendet.

Auch die Informationen darüber, für welche Veranstaltungen oder Prüfungen ich bei Marvin angemeldet bin, gehören natürlich streng geschützt. Nur wenige der anderen digitalen Anwendungen, die ich nutze, haben vergleichbar hohe Sicherheitsstandards. Schon bei Einrichtung des Tokens für das System hatte ich das Gefühl, ein separates Studium für die unnötig komplizierte Anmeldung zu benötigen. Und das alles nur, um dafür dann mit den alltäglichen Problemen der Zwei-Faktor-Authentifizierung beglückt zu werden.

Praktische Problemlösungen und das Träumen von früher

Der schlimmste Moment bei der Anmeldung passiert regelmäßig, wenn man endlich die App geöffnet hat und den achtstelligen Token eingeben will. Genau in diesem Augenblick bleiben einem oft nur noch wenige Sekunden auf dem ablaufenden Timer, sodass es nicht mehr machbar ist, den Token rechtzeitig in das zugehörige Feld einzugeben. In solchen Augenblicken sitze ich dann immer da und träume von der Zeit vor der Zwei-Faktor-Authentifizierung. Aber vielleicht ist die neue, aufwendige Art der Anmeldung auch einfach ein Versuch der Uni, unser Kurzzeitgedächtnis zu verbessern. Sich täglich mehrmals möglichst schnell achtstellige Zahlenreihen zu merken, wirkt hierfür wie eine gute Trainingsaufgabe.

Noch schwieriger wird es, wenn man gerade nicht auf sein Handy mit der registrierten Authentifizierungs-App zugreifen kann. Eine einfache Anmeldung bei den beiden wichtigsten Uni-Webseiten für Studierende ist dann nicht mehr möglich. Auf der Webseite empfiehlt das Hochschulrechenzentrum für genau solche Situationen jedoch praktischerweise etwas: „Richten Sie dafür am besten ein zusätzliches, sicher aufbewahrtes Backup Token ein, damit Sie bei Verlust des Smartphones handlungsfähig bleiben”. Demnächst werde ich mir also ein zweites Handy zulegen, um diesen Empfehlungen gerecht zu werden und mich auch mit der Zwei-Faktor-Authentifizierung auf jeden Fall immer und überall anmelden zu können.

(Lektoriert von fdh und nag.)

studiert im Master Internationale Strafjustiz und ist seit dem Wintersemester 2024 bei Philipp. Interessiert sich journalistisch besonders für politische und kulturelle Themen.

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