Abenteuer FSK: Sitzen und Schwitzen

Abenteuer FSK: Sitzen und Schwitzen

Bild: Laura Schiller

Einmal im Monat kommen Vertreter*innen aller aktiven Fachschaften in der Fachschaftenkonferenz (FSK) zusammen, um sich auszutauschen und über verschiedenste Anträge abzustimmen. Diese Sitzungen macht vor allem eines besonders: Fast niemand nimmt die FSK vollkommen ernst, weswegen die Sitzungen wesentlich lockerer und somit lustiger als die restliche Hochschulpolitik sind. Redakteur Philipp besucht die Sitzungen sowohl als Reporter des PHILIPP-Magazins als auch als Vertreter der Fachschaft Geschichte.

Als ich an diesem viel zu warmen Donnerstag den ebenso überhitzten Hörsaal betrete, bin ich bereits zehn Minuten zu spät. Glücklicherweise habe ich mir fürs Zuspätkommen die richtige Veranstaltung ausgesucht. Denn es ist FSK und die Sitzung beginnt natürlich nicht pünktlich, sondern erst nach weiteren fünf Minuten.

Die Tagesordnung ist an diesem Abend relativ leer. Neben den üblichen Berichten stehen lediglich zwei Sondermittelanträge an. Zusätzlich ist Vizepräsidentin Pankuweit als Gast anwesend, um uns über Handlungsmöglichkeiten im Falle von Störungen und Bedrohungen, insbesondere aus dem rechten Spektrum, aufzuklären. Kurzerhand wird dies auch noch zum eigenen Tagesordnungspunkt erklärt und diese modifizierte Tagesordnung angenommen. Auch die Protokolle der letzten Sitzungen werden mit einigen kleineren Änderungen beschlossen.

Rechtsextremismus und Zivilcourage

Es geht also mit Frau Pankuweit los. Sie erzählt, dass es in den vergangenen Monaten vermehrt Angriffe aus dem rechtsextremen Spektrum gegen Forschende und deren Forschung gegeben hätte. Diese hätten von Bedrohung und Diffamierung bis hin zu Morddrohungen gereicht. Falls wir derartige Vorfälle beobachten oder erleben, sollen wir uns an die Stabsstelle gegen Diskriminierung wenden. Diese kann dann konkrete Maßnahmen gegen Studierende oder auch Lehrende, die diskriminierendes Verhalten zeigen, einleiten.

Auf Nachfrage erklärt Pankuweit, dass wir gerade bei diskriminierenden Dozierenden die entsprechenden Vorfälle genaustens dokumentieren sollen, damit auch eine konkrete Handhabe bestehe. Außerdem weist sie uns darauf hin, dass wir im Falle von „rechter Kackscheiße“ Zivilcourage zeigen sollen und schon direkt bei entsprechenden Vorfällen schützend eingreifen sollen. Das daraufhin aufgezeigte Problem, dass man sich in einer Stadt mit starker Präsenz von rechten Organisationen wie Burschenschaften durch Zivilcourage unter Umständen selbst in Gefahr begibt, kann aber nicht endgültig gelöst werden. Im Anschluss daran gibt es 15 Minuten Pause, da alle eine Verschnaufpause vom heißen Hörsaal brauchen.

Grüße aus der Kneipe

Während dieser Pause betritt irgendwann AStA-Finanzvorständin Viktoria den Raum. Nach dem Ende der Pause stellt diese einen GO-Antrag auf Vorverlegung ihres Tagesordnungspunktes. Denn sie ist gerade aus der Kneipe gekommen, wo ihr Bier allerdings noch halb voll auf sie wartet und langsam schal wird. Die FS Theologie fordert jedoch, dass sie noch eine Weile hierbleiben und sich im Anschluss einfach ein neues Bier bestellen soll. Viktoria argumentiert allerdings, dass dies Bierverschwendung sei und sie diese grundsätzlich ablehnt. Die FS Theologie scheint überzeugt; sie ziehen ihre Gegenrede zurück und Viktoria darf berichten.

Viel hat sie allerdings auch gar nicht zu berichten. Sie umreißt lediglich kurz, dass im StuPa aktuell alles doof sei und der Finanzvorstand mit den Finanzanträgen ein wenig hinterherhinke. Aus der Vorbereitung zum AStA-Sommerfest erzählt sie zudem, dass sich viele traurige Indie-Boys als Künstler beworben hätten. Um das Event nicht zu eintönig werden zu lassen, hat der Vorstand aber ein wenig Selektion betrieben, weswegen auch einige traurige Indie-Mädels auftreten würden. Im Anschluss an ihren Bericht verzieht sich Viktoria wieder in die Kneipe.

Daraufhin berichtet die studentische Vizepräsidentin Evelyn noch. Sie erzählt von der Podiumsdiskussion und weist die Fachschaften auf verschiedene Veranstaltungen in Vorbereitung auf die OE hin. Außerdem macht sie Werbung für Marvin, welches zur Überraschung aller Anwesenden ein gutes Programm sei. Zudem will sie von den Fachschaften wissen, wer keinen Eintritt für den Neuen Botanischen Garten bezahlen muss. Neben anderen Fachschaften meldet sich die FS Biologie. Sie müssen in ihren Einführungsmodulen Blumen im Botanischen Garten sammeln. Davon profitieren darüber hinaus auch die Zecken, die in den Einführungsmodulen Studis sammeln können und die Studis wiederum Biologie hautnah erleben können.

Unter dem Stern der Veränderung

Darauf folgen die Fachschaften. Den Anfang macht hier die FS Politikwissenschaft. Bei ihnen herrsche aktuell etwas Chaos, da der Verantwortliche für die Methoden-Module kürzlich, passend zum Zustand der restlichen Universität, altersbedingt verstorben sei. Außerdem erzählen sie von ihren Hochschulwahl-Memes. Die FS Roter Faden (Theologie) berichtet etwas später davon, dass sie sich umbenennt. Sie hatten nämlich einen internen Rechtsruck und hierdurch ihren Roten Faden verloren. Ab nächstem Semester werden sie folglich nur noch FS Evangelische Theologie heißen. Gute Nachrichten gibt es hingegen aus der FS Kunstgeschichte. Nachdem es nämlich so schien, als würde die Fachschaft in näherer Zukunft aussterben, haben sie nun zwei neue Mitglieder – die Zukunft scheint also gesichert.

Im Anschluss fällt Evelyn auf, dass sie in ihrem Bericht die Neuerungen in der UB vergessen hat. Denn künftig werden Professor*innen keine Bücher mehr in ihre Büros geliefert bekommen. Stattdessen werden sie diese künftig, wie normale Menschen, selbst abholen müssen. Außerdem wünscht sich das Präsidium, dass noch mehr Fachbereiche ihre Bibliothek in die zentrale UB verlegen. Platz, so stellt sich auf Nachfrage heraus, gibt es aber nur noch im geschlossenen Magazin. Und Bestände im geschlossenen Magazin sind zwar keine Vollkatastrophe, aber sehr unpraktisch für Studierende. Da es im Hörsaal inzwischen sehr stickig ist, werden im Anschluss noch einmal zehn Minuten Pause beschlossen.

Rückkehr einer Verschollenen

Nun müssen noch die beiden Sondermittelanträge bearbeitet werden. Im ersten Antrag fordert die FS Theologie 500€ für einen Vortrag gegen Antiqueerness. Dieses Geld soll unter anderem als Honorar benutzt werden. Jedoch wird die Frage aufgeworfen, ob die FSK überhaupt Honorare auszahlen darf. In der folgenden Diskussion kristallisiert sich vor allem heraus, dass niemand so wirklich Ahnung hat. Also mache ich mich auf, um die verschollene Viktoria erneut aus der Kneipe zu beschwören.

Viktoria weiß sofort, was zu tun ist, als ich sie mit dem Auftrag zur Lösung des Honorar-Rätsels beauftrage. Sofort trinkt sie ihr Bier aus und macht sich an den Aufstieg in die Physik. Dort angekommen springt sie in den Vorlesungssaal, wobei die Eleganz ihres Auftritts durch die bisher getrunkenen Biere gemindert wird und sie erstmal umkippt. Nach kurzem Gelächter berappelt sie sich wieder, erklärt kurz, dass auch die FSK Honorare bezahlen darf und zieht sich daraufhin wieder in die Kneipe zurück. Der Antrag wird in der Folge einstimmig angenommen.

Im zweiten Antrag beantragt die FS Physik 1000€ als Zuschuss für die Unterbringung der Gäste bei der von ihnen veranstalteten Bundesfachschaftentagung. Die FS Chemie findet, dass dies zu teuer sei. Stattdessen schlagen sie vor, dass die FS Physik ihre Gäste ja in der Sporthalle des Universitätsstadions unterbringen kann. Die restliche FSK findet das jedoch eher unangemessen und auch dieser Antrag wird einstimmig angenommen.

Ein Ende mit Schweiß (und Tränen)

Zuletzt geht es also wie immer um Ort und Zeit der nächsten FSK. Terminlich wird sich auf den 16.07. verständigt. Doch die Frage nach dem Ort erregt die Gemüter. Denn es bewerben sich sowohl die FS Chemie, als auch die FS Philosophie. Die Chemie wirbt zudem damit, dass sie während der Sitzung Eis für die Fachschaftsvertreter*innen machen kann. In der folgenden Kampfabstimmung setzt sich trotzdem die FS Philosophie durch.

Das letzte Wort hat diesmal aber die FS Kunstgeschichte. Deren Vertreterin fragt, ob jemand wisse, wo man in Marburg einen Therapieplatz bekommen könne. Während hierfür einige Vertreter*innen zur FS Kunstgeschichte gehen, beschließt der FSK-Vorstand, dass dies auch außerhalb der Sitzung besprochen werden kann und schließt um 23:58 Uhr die Sitzung.


PHILIPPs bisherige Abenteuer bei der FSK findet ihr hier. Mehr darüber, was die FSK überhaupt ist, erfahrt ihr hier.

(Lektoriert von Felix Hanke fdh und nag.)

Lernt im Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität von verschiedenen Philipps, schreibt beim PHILIPP Magazin manchmal über Philipps und kann schlechte Philipp-Wortwitze langsam nicht mehr hören. Seit 2025 bei PHILIPP.

2 Kommentare zu „Abenteuer FSK: Sitzen und Schwitzen

    1. Die Jugend von heute kann ja auch gar nichts mehr. Hängt immer nur faul herum und schwört auf ihre sog. „Work-Life-Balance“. Zu meiner Zeit hat man noch zehn Stunden am Tag im Stahlwerk gearbeitet, um das Essen auf den Tisch zu bekommen. Da war man noch nicht so verweichlicht.

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