Abenteuer FSK: Die allgemeine Krise

Abenteuer FSK: Die allgemeine Krise

Einmal im Monat kommen Vertreter*innen aller aktiven Fachschaften in der Fachschaftenkonferenz (FSK) zusammen, um sich auszutauschen und über verschiedenste Anträge abzustimmen. Diese Sitzungen macht vor allem eines besonders: Fast niemand nimmt die FSK vollkommen ernst, weswegen die Sitzungen wesentlich lockerer und somit lustiger als die restliche Hochschulpolitik sind. Redakteur Philipp besucht die Sitzungen sowohl als Reporter des PHILIPP-Magazins als auch als Vertreter der Fachschaft Geschichte.

Krise in Grönland, Krise im Iran, Krise im StuPa – manchmal hat man aktuell das Gefühl, dass die Welt Tag für Tag weiter zusammenbricht. Eine letzte Konstante bleibt jedoch glücklicherweise: die Fachschaftenkonferenz. Sie ist immer da. Sie ist immer lang. Und sie ist immer ein bisschen egal. Um zumindest den Anschein zu erwecken, ein relevantes Gremium zu sein, hat man sich dieses Mal eine besonders lange Tagesordnung zugelegt. Sie enthält unter anderem Projektinformationen aus zwei AStA-Referaten, die dritte Lesung des Haushalts, mehrere Wahlen und Anträge, den Punkt „Hunde an der Universität“ und einen geheimen Zusatzpunkt. Um die Seriosität nochmals zusätzlich zu unterstreichen, betritt die Fachschaft (FS) Sport den Raum gut vorbereitet mit drei großen Auflaufformen. Es scheint eine gute Sitzung zu werden.

Als erster Redner darf Robert Cook aus dem Referat für Sozialerhebung sein Vorhaben einer Umfrage zur Studienzufriedenheit vorstellen. Diese sei wichtig, da es in einigen Studiengängen einen erheblichen Anteil an Student*innen gebe, die mit ihrem Studium unzufrieden seien. So sind zum Beispiel 28 Prozent der Medizinstudent*innen unzufrieden mit der Qualität des Studiums. Auch findet lediglich die Hälfte der Jurastudent*innen, dass ihr Studium Spaß macht – wobei ich diese Zahl immer noch überraschend hoch finde. Mithilfe von Daten aus einer Umfrage, so Robert, könnten diese Missstände besser angegangen werden. Von den Fachschaften wünscht er sich vor allem die Bewerbung der Umfrage. Nach einer kurzen Fragerunde verabschiedet sich Robert mit der Aussage, die FSK sei das knuffigste Gremium.

Da Verkehrsreferent Julian Exner noch nicht da ist, folgen die Berichte der restlichen Gäste. Die Studentische Vizepräsidentin Lara berichtet hier kurz, dass sie für das Sommersemester wieder Einführungstage für Erstakademiker*innen plant. Noch kürzer fällt die Erinnerung von Theresa (IJV) an die Petition zur Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrags aus.

Asbest und persönliche Konflikte

Weiter geht es mit den Berichten der Fachschaften. Hier macht die Fachschaft (FS) Chemie den Anfang. Diese erzählt von den Raumproblemen, vor denen ihr Fachbereich aktuell steht. Eventuell wird die Chemie teilweise in ihr altes Gebäude zurückkehren müssen, obwohl sie aus diesem aufgrund von Asbest ausgezogen waren. Danach erzählt die FS Pharmazie, dass sie das Prüfungsverfahren für das Staatsexamen nicht mögen. Aktuell wird aber ein alternatives Prüfungsverfahren namens „alternatives Prüfungsverfahren“ eingeführt. Die FS Geschichte (Vertreten durch mich) ist zurzeit sehr mit sich selbst beschäftigt. Im Zuge dessen hat sie viele neue Posten eingeführt, was einigen anscheinend etwas zu organisiert vorkommt. „Die FS Geographie hatte einen runden Tisch mit den Dozent*innen geplant. Leider wurde vergessen, die Dozent*innen auch tatsächlich einzuladen, was die Veranstaltung irgendwie sinnlos machte und sie dann abgesagt wurde. Die FS Internationale Strafjustiz steht aktuell vor dem Problem, dass sie weder einen Fachschaftsraum noch Nachwuchs noch Fachschaftsplena haben. Man kann entsprechend besorgt um den Fortbestand der Fachschaft sein.

Es folgt der Bericht des FSK-Vorstands. Dieser überlegt sich aktuell, wann und wie die nächste Haushaltssitzung stattfinden soll. Hierfür sind sie aktuell in Absprache mit dem Präsidium und prüfen, ob man die Fachschaftsvertreter*innen für die Zeit der Haushaltssitzung von Veranstaltungen befreien kann, sodass die Haushaltssitzung schon nachmittags beginnen könnte. Voraussichtlich kann dies aber nicht pauschal passieren. Evelyn war außerdem bei der Stelle für gute wissenschaftliche Praxis. Diese hat das Problem, dass vor ihr vor allem persönliche Streitigkeiten zwischen Lehrenden und Studierenden ausgetragen werden. Es streitet sich sogar eine Fachschaft mit ihrem Dekanat.

Da weder der Verkehrsreferent, noch ein Vertreter des StuPa-Vorstands anwesend ist, werden 20 Minuten Pause ausgerufen.

(Fast) niemand will ein anderes Semesterticket

Da beide auch nach der Pause immer noch nicht anwesend sind,wird stattdessen die dritte Lesung des Haushalts für 2025 durchgeführt. Dieser wird nach mehreren Minuten technischer Probleme schließlich einstimmig und sogar ohne Diskussionen beschlossen.

Der Verkehrsreferent Julian ist endlich da. Er präsentiert kurz die beiden Semesterticket-Optionen Hessen+ (günstigeres Ticket, aber nur für Hessen) und D-Ticket. Aus seinem Vortrag wird recht deutlich, dass kaum eine Person für Hessen+ ist Ähnlich sieht es auch in der FSK aus;  es finden sich nämlich lediglich fünf Anwesende, welche dieses Modell bevorzugen würden. Nach einer kurzen anschließenden Fragerunde ans Verkehrsreferat wird zudem mitgeteilt, dass Nextbike eventuell von einem anderen Betreiber abgelöst wird. Größere Änderungen für die Studierenden würde das aber nicht bringen.

Wählen und gewählt werden

Es folgt einmal mehr die Kommission Studienberatung. Denn trotz eingehender Recherche durch Evelyn konnten leider nicht alle, die im Oktober gewählt wurden, ausfindig gemacht werden. Entweder eine Sarah oder ein Jonas fehlt nach wie vor, weswegen eine Position nun nachbesetzt werden muss. Da mich der FSK-Vorstand sehr verzweifelt-bittend anschaut, stelle ich mich auf. Es stellt sich aber auch noch eine Vertreterin der FS Politikwissenschaft auf, sodass ich meine Bewerbung zurückziehen kann. Die Vertreterin der PoWi wird in der Folge auch gewählt. Die FSK ist ihrem Messias unendlich dankbar.

Auch der Wahlprüfungsausschuss muss nach vier Sitzungen endlich besetzt werden. Dessen Mitglieder werden aber nicht gewählt, sondern aus allen anwesenden Mitgliedern der Fachschaftsräte gelost. Auf diesen Job habe ich nun wirklich keine Lust und drücke mir selbst deswegen beide Daumen, nicht gelost zu werden. Nach einer Befragung des höchst seriösen Google-Random-Number-Generator wird jedoch klar, dass das nichts gebracht hat. Ich werde gelost und muss das Amt wider Willens annehmen.

Anträge und endlich der StuPa-Bericht

Weiter geht es mit den beiden Anträgen. Im ersten wünscht sich die FS CultureClub, dass für ihr Sommerfest, die Obergrenze für den Erwerb von Nahrungsmitteln aufgehoben wird. Sie haben ihr Sommerfest nämlich zusammen mit zwei anderen Fachschaften gemacht  und hätten eigentlich getrennte Rechnungen machen müssen. Stattdessen reicht die FS-Culture-Club alle Rechnungen gemeinsam ein, was jedoch das Limit für Nahrungsmittelausgaben übersteigt.  Der Antrag wird ohne größere Diskussionen angenommen – es ist schließlich schon nach 23 Uhr. Währenddessen suche ich panisch – und leider auch vergeblich – nach einer Möglichkeit, aus dem Wahlprüfungsausschuss herauszukommen.

Der zweite Antrag ist ein Positionspapier zur Marburg-WG, welches in der FSK überarbeitet und letztendlich beschlossen werden soll. Zuerst wird noch einmal grundsätzlich über die Marburg-WG diskutiert. Die allgemeine Meinung ist nach wie vor, dass wir den Plänen zur Marburg-WG geschlossen entgegentreten sollten. Allerdings findet die Mehrheit das Positionspapier zu rhetorisch und zu wenig sachlich formuliert. Um eine sinnvolle und wirkungsvolle Opposition bilden zu können, solle man aber lieber eine lösungsorientiertere Variante beschließen. Um eine solche Variante zu erarbeiten, wird der Text nochmal zur Überarbeitung zurückgegeben und der allgemeine Antrag vertagt.

Inzwischen ist endlich Dominik aus dem StuPa-Vorstand angekommen. Er berichtet von den aktuellen Problemen. Den Fokus legt er dabei insbesondere auf die kaum vorhandene Anwesenheit einiger Listen, vor allem der Unabhängigen. Trotz dieser internen Probleme soll unter anderem die Härtefallordnung überarbeitet werden, sodass für die Erstattung des Semesterbeitrags künftig die Krankenakte nicht mehr offengelegt werden muss.

Haushaltsphilosophische Debatten und anderes

Es muss nun eigentlich nur noch festgelegt werden, wann und wo die nächste FSK stattfindet. Ausgehend von der Frage, ob die nächste Sitzung eine Haushaltssitzung sein soll, wird stattdessen über den nächsten Haushalt diskutiert. Dominik ist nämlich der Meinung, dass man ein um 3000 Euro höheres Budget für den FSK-Haushalt erbitten sollte. Evelyn ist dagegen, da das Budget im letzten Jahr nicht voll ausgenutzt wurde. Ebenso wenig hat aber der AStA sein Budget von letztem Jahr ausgereizt. Parallel wird auch noch über den Sinn unseres Haushalts und seinen Stellenwert in der Satzung geredet. Schließlich kommt man doch noch auf das eigentliche Thema „Haushaltssitzung“ zurück. Der Vorstand entscheidet, dass er in den nächsten Tagen entscheiden wird, ob die nächste Sitzung eine Haushaltssitzung sein wird. Der Termin für die Sitzung wird schließlich auf den 26. Februar festgesetzt.

Es kommt der letzte Punkt der Sitzung; Sonstiges: Zuerst kommt von Evelyn die Info, dass im Personalrat aktuell an einer Reform der Regelung zu Hunden an der Universität diskutiert wird. Die Fachschaften dürfen sich, falls sie Ideen haben, gerne auch in diesen Prozess einbringen. Dominik weist auf den Hochschulaktionstag hin, an welchem unter anderem für eine bessere Bezahlung der Hilfskräfte demonstriert wird. Wir sollen alle kommen, da die aktuelle Situation eine Katastrophe sei. Es folgt also noch der große Überraschungspunkt. Evelyn wird voraussichtlich neue studentische Vizepräsidentin und muss dafür ihr aktuelles Amt als FSK-Vorständin abgeben. Nach einer Nachfolge wird gesucht.

Um 0:30 Uhr endet also diese FSK. Und in Anbetracht der Länge der Tagesordnung ist dies erstaunlich früh, was wohl den größten Erfolg dieser Sitzung markiert. Physisch und psychisch am Ende mache ich mich also auf den Weg nachhause und beginne mit der schwierigen Aufgabe, mein Schicksal als Teil des Wahlprüfungsausschusses zu Verarbeiten.

Alle Artikel der Reihe gibt es hier: Abenteuer FSK Archive

Was die FSK überhaupt ist, erfahrt ihr hier: Abenteuer Fachschaftenkonferenz

(Lektoriert von nag und jap.)

Lernt im Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Philipps-Universität von verschiedenen Philipps, schreibt beim PHILIPP Magazin manchmal über Philipps und kann schlechte Philipp-Wortwitze langsam nicht mehr hören. Seit 2025 bei PHILIPP.

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