Menschen Marburgs: Chlorwasser für Alle

Menschen Marburgs: Chlorwasser für Alle

Bild: Laura Schiller

Fast 80.000 Menschen leben in Marburg. Nur wenige davon kennen wir. An vielen laufen wir täglich vorbei, ohne je mit ihnen zu reden. Wer sind diese Personen? PHILIPP-Redakteurin Johanna hat mit Sascha Biehl, Fachangestellter für Bäderbetriebe und Saunameister in Marburg, gesprochen.

Marburg, an einem wolkenverhangenen ersten Juni. Der Regen prasselt aufs Schloss, auf die E-Kirche und auf das Glasdach der Uni-Bib. Wer trocken bleiben will, sucht sich Unterschlupf oder schlendert mit dem Regenschirm über den Oberstadt-Flohmarkt. Wer sowieso schon nass ist oder es werden will, geht ins Freibad.

Sascha Biehl macht beides ein bisschen: Der 42-jährige ist Schwimmmeister, genauer gesagt Fachangestellter für Bäderbetriebe und Saunameister im Sport- und Freizeitbad Aquamar. Die schwarze Fließjacke fast bis unters Kinn hochgezogen, sodass nur noch der Kragen des roten Aquamar-Polos herausschaut, sitzt er in der kleinen Schwimmmeister-Kammer auf der Erste-Hilfe-Liege. Die Sonnenbrille ins kurze Haar geschoben, fixiert aus einem braungebrannten Gesicht heraus ein wachsames Augenpaar immer wieder das Becken, in dem trotz Dauerregen drei Schwimmer*innen ihre Bahnen ziehen.

„Man hat hier im Freibad immer was zu tun, auch an so einem Regentag wie heute. Selbst wenn nur zwei Leute im Becken schwimmen, muss ich immer mal wieder Blickkontakt mit ihnen halten. Bei so wenig Betrieb könnte ich, wenn es wenigstens trocken wäre, immerhin die Sträucher schneiden. Es soll ja auch schön aussehen hier. Das wäre nicht das erste Mal, dass ich als Schwimmmeister in einem fachfremden Gebiet aushelfe: In der Pandemie wurde ich zur Bewässerung auf dem Friedhof eingesetzt und habe im ‚Impfbus‘ ältere Menschen transportiert. Da ist es total aufgefallen, dass die, die regelmäßig zur Wassergymnastik kommen, alleine ins Auto steigen konnten. Die anderen musste ich teilweise sogar reinheben.

Sascha Biehl vor der Schwimmmeister-Kammer im Aquamar. Foto: Johanna Hoock

Deshalb ist ein Schwimmbad für Marburg auch so wichtig. Ich bin hier geboren und aufgewachsen und bekomme in meinem Job jeden Tag mit, wie alle Generationen hier zusammenkommen. Für mich ist es das Schönste, wenn das Bad die Leute glücklich macht: Wenn sich die Kinder riesig freuen, wenn ich ihnen das Seepferdchen überreiche, wenn die älteren Menschen nach der Aquagymnastik zufrieden aus dem Becken steigen und wenn die Sportler ihre Bahnen ziehen, auch bei strömendem Regen.”


Weitere Texte aus der Menschen Marburgs Reihe gibt es hier.

(Lektoriert von hab und let.)

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