Sneak-Review #304: Zwischen Viagra, Putschversuchen und Kunst
Bild: Emma Osmanovic
Eagles of the Republic ist der dritte und damit letzte Teil von Tarik Salehs, in Kairo angesiedelter loser Thrillertrilogie. Mit einem Budget von 9 Millionen Euro gehört der Politthriller zu den teuersten arabischen Produktionen aller Zeiten.
Die Schauspielerikone George Fahmy sieht sich im zeitgenössischen Ägypten zunehmend unter Druck gesetzt. Die Fertigstellung seines progressiven Filmprojekts wird unterbunden und
Einflussgruppen wollen seine Antipartie gegen den Präsidenten öffentlich machen. Als man versucht, ihn zum Dreh eines Propagandafilms zu bewegen und seine Familie bedroht, findet sich Fahmy als eine Figur in einem Strudel von Ereignissen wieder und gerät mit Kreisen in Verbindung, die man nicht zum Feind haben möchte.
Der Adler fliegt.
Dem Film gelingt es durch bildstarke Panoramabilder und Fahrten durch die atmosphärisch inszenierten Straßen Kairos, die Zuschauer*innen immer wieder in die Szenerie zu ziehen. Gleichzeitig schafft er es, nie ganz klar zu machen, was als nächstes passiert und wer die Strippen in der Hand hält.
Was Lust auf mehr macht, ist leider schon das Meiste, womit der Film zu überzeugen weiß – was sich erstmal beeindruckend anhört, schafft es nie ganz, sein Potenzial auf der Leinwand zu entwickeln.
Doch woran scheitert „Adler der Republik“?
Ein Politthriller, ein Drama, Intrigen, Heldenreise …?
Der Film möchte vieles sein, kann sich nicht entscheiden und läuft am Ende ins Leere.
Ein Drama?
Georg Fahmy vergisst den Geburtstag seines Sohnes, lebt getrennt mit seiner Frau und seine Freundin könnte auch die Tochter sein. So inszeniert Tarik Saleh seine Hauptfigur zu Beginn des Films.
Wo reichlich Platz für Entwicklung und Charaktertiefe sein sollte, bleibt leerer Raum .
Obwohl es die gelungene Inszenierung schafft, den Zwiespalt Fahmys durch das Schauspiel und die passende Kameraführung auf die Zuschauer*innenplätze zu transportieren, kann der Film das gemachte Versprechen am Ende nicht durch passende Handlungen einlösen.
Fahmy bleibt der Opportunist, den wir in seiner ersten Szene kennengelernt haben. Was dazu führt, dass man nie das Gefühl bekommt, der Protagonist hätte Einfluss auf die Handlung oder könne etwas an deren Ausgang ändern. Getrieben vom Willen scheinbar offensichtlicher oder unbekannter Gegenspielern stolpert unser „Held“ durch die Handlung und kann die Zuschauer*innen durch die fehlende Entwicklung nie ganz für sich gewinnen. Ironischerweise liegt genau darin eine der potenziellen Stärken des Films.
Also ein Politthriller?
Denn der Film muss gar nicht zwangsweise über die Emotionen zu den Figuren funktionieren. Und zwar dann nicht, wenn die Handlung und das, was erzählt wird, als Ausgleich dienen. Leider entschließt sich der Film nie diesen Weg einzuschlagen.
So fehlt es dem großen Twist gegen Ende des Films an Gewicht, da die Zuschauer*innen außer dem Namen der infiltrierenden Gruppe nie etwas über deren Motive erfährt. Ebenso verpasst der Film es, etwas Tiefes über Diktaturen oder totalitäre Regime zu erzählen, da außer der unterdrückten Kunstfreiheit kein Missstand wirklich nähergebracht wird. Die Tatsache, dass die Regierungsform sowie die Geschichte des Präsidenten aus der Wirklichkeit stammen, wirkt eher wie ein cooler “Funfact“ als ein aussagekräftiger Teil der Geschichte.
Im finalen Akt versucht der Film, über die Vater-Sohn-Beziehung ein gutes Ende zu inszenieren. Da sich diese Beziehung jedoch nicht über den Status, den sie zu Beginn des Films hatte, entwickelt hat, wirkt der Moment der finalen Erleichterung zu flach.
Warum er sich dennoch lohnt?
Auch wenn es sich hierbei um kein Meisterwerk handelt, hat der Film dennoch seine Spannungen und Stärken. Auch humoristisch gibt es glänzende Momente. Zum Beispiel, wenn die Filmikone beim Viagra Kaufen von einem Fan bedient wird.
Wer bei Marty Supreme Spaß an der opportunistischen und selbstzentrierten Hauptfigur hatte, kann vielleicht auch Fahmy etwas abgewinnen. Nicht zuletzt glänzt der Film in dem er sein Budget von 9 Millionen gekonnt nach mehr aussehen lässt. Währenddessen hat der durchschnittliche Hollywood Film ein Produktionsbudget von 38 Millionen, Letztlich muss sich der Film aus Ägypten nicht hinter der Konkurrenz aus Hollywood verstecken.
