Team Robin Hood – Die Gerechtigkeit steht im Wald

Team Robin Hood – Die Gerechtigkeit steht im Wald

Foto: Jan Bosch, Collage: Niklas Günther

Was haben Robin Hood, Batman, Wonder Woman und die Drei Musketiere gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht besonders viel. In Team Robin Hood – Die Gerechtigkeit steht im Wald werden sie jedoch zu Verbündeten in einem Kampf gegen Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch und gesellschaftliche Gleichgültigkeit. Dabei gelingt dem Hessischen Landestheater Marburg ein ebenso unterhaltsamer wie überraschend politischer Theaterabend.

Eine moderne Gesellschaftssatire

Regisseur Dominik Günther greift den bekannten Robin-Hood-Mythos auf, belässt ihn jedoch nicht in seiner mittelalterlichen Welt. Stattdessen verwandelt er die Geschichte in eine moderne Gesellschaftssatire, die aktuelle Themen wie soziale Ungleichheit, Machtkonzentration und politische Verantwortung verhandelt. Der Sheriff ist dabei weit mehr als ein Märchenschurke. Er steht für jene Formen von Macht, die sich selbst legitimieren, während die Belastungen für die Allgemeinheit immer größer werden.

Schon der Spielort trägt wesentlich zur Wirkung der Inszenierung bei. Die Freilichtbühne im Schlosspark hinter dem Marburger Schloss scheint wie geschaffen für diese Geschichte. Das umliegende Wäldchen wird Teil des Bühnenraums, während das Schloss im Hintergrund eine beinahe märchenhafte Kulisse bildet. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die zwischen Fantasie, Komödie und politischer Allegorie pendelt.

Popsongs und politische Schärfe

Besonders interessant ist der Umgang mit Musik von Jörg Wockenfuß und Jan S. Beyer. Immer wieder unterbrechen bekannte Popsongs das Geschehen. Doch die Lieder fungieren nicht als bloße Unterhaltungseinlagen. Vielmehr kommentieren sie die Handlung und eröffnen neue Perspektiven auf die Figuren und ihre Konflikte. Die Inszenierung vertraut darauf, dass das Publikum die Texte kennt – und sie plötzlich anders hört als sonst.

Gerade dadurch entwickelt der Abend seine politische Schärfe. Hinter den humorvollen Szenen verbirgt sich eine deutliche Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen. Es geht um Reichtum und Armut, um Privilegien und Ausgrenzung, um die Frage, wer gehört wird und wer nicht. Gleichzeitig erlaubt sich das Stück immer wieder Seitenhiebe auf kulturelle Institutionen und sogar auf das Theater selbst. Diese Selbstironie verhindert, dass die Inszenierung belehrend wirkt.

Ein gelungenes Ensemble

Auch das Ensemble trägt entscheidend zum Gelingen des Abends bei. Sven Brormann verleiht dem Sheriff eine eindrucksvolle Mischung aus Charisma, Selbstüberschätzung und populistischer Rhetorik. Seine Auftritte schwanken gekonnt zwischen Komik und Bedrohlichkeit.
Ulrike Walther setzt als Vize immer wieder komödiantische Akzente. Mit feinem Timing und scheinbar beiläufigen Einwürfen sorgt sie für zahlreiche Lacher und bildet zugleich einen interessanten Gegenpol zum Sheriff.

David Zico überzeugt als Robin Hood mit großer Spielfreude und starker Bühnenpräsenz. Dabei gelingt es ihm, die Figur nicht als unfehlbaren Helden, sondern als Suchenden und Kämpfenden zu zeigen.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Die größte Stärke von „Team Robin Hood“ liegt jedoch nicht in seinen einzelnen Figuren, sondern in seiner zentralen Frage: Was tun wir, wenn wir Ungerechtigkeit erkennen? Reicht es, sich darüber zu empören, oder müssen wir selbst aktiv werden? Damit wird aus dem vermeintlich leichten Sommertheater eine Inszenierung mit erstaunlicher Aktualität. Sie unterhält ihr Publikum, ohne ihm einfache Antworten zu liefern. Stattdessen fordert sie dazu auf, über die eigene Rolle in einer Gesellschaft nachzudenken, in der die Frage nach Gerechtigkeit nichts von ihrer Brisanz verloren hat.

Auch die übrigen Ensemblemitglieder tragen dazu bei, dass die ungewöhnliche Heldengruppe funktioniert. Luca Storn beweist in der Rolle der Drei Musketiere; sozusagen drei in einem Körper; große Wandlungsfähigkeit, Mia Wiederstein verleiht Wonder Woman Selbstbewusstsein und Nachdruck, während Flamur Blakaj als Batman immer wieder komödiantische Glanzpunkte setzt. AdeleEmil Behrenbeck sorgt schließlich als Schnecke für einige der originellsten Momente des Abends.

Team Robin Hood – Die Gerechtigkeit steht im Wald ist deshalb weit mehr als eine moderne Robin-Hood-Geschichte. Es ist ein humorvoller, kluger und stellenweise überraschend nachdenklicher Theaterabend, der zeigt, dass Rebellion manchmal schon mit einer Frage beginnt.

Mein Fazit: Gönnt euch!

(Lektoriert von fdh und mas.)

studiert derzeit Literaturvermittlung in den Medien im Master an der Philipps-Universität Marburg. Sie interessiert sich besonders für die Schnittstellen von Literatur, Medien und Gesellschaft. Und bringt ihr Wissen aus der Literaturwissenschaft in ihre journalistische Arbeit ein.

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