PHILIPP mag: GroKo

PHILIPP mag: GroKo

Die große Koalition. Das Bündnis der beiden stärksten Parteien Deutschlands. Sie steht für eine starke Regierung. Geschlossenheit. Einigkeit. Zumindest möchte sie das und das ist doch immerhin die halbe Miete, oder? Insgesamt acht Jahre hatten wir sie schon! Und jetzt kriegen wir sie vielleicht schon wieder. Hurra! Ein Grund zum Jubeln, oder? Denn wenn man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, dann entscheidet man sich am besten dafür das Ganze mit Humor zu betrachten und das positive daran zu entdecken.

1. „Mitten im Bundestag“

„Wir müssen um jeden Preis eine stabile Regierung bilden!“ Das ist das Votum von Schon-wieder-Kanzlerin Angela Merkel. Die SPD, ihre langjährige Lieblingshure, ist davon zwar noch nicht ganz überzeugt aber mit ein paar Schmeicheleien und kleinen symbolischen Zugeständnissen sollte sie sich besänftigen lassen. Das hat bisher schließlich immer geklappt. Die Beziehungsdramen und Rosenkriege der Politik sind das Privatfernsehen der Gebildeten. Und schließlich gilt seit jeher: Brot und Spiele will das Volk!

Voller perfider Faszination konnten wir dabei zusehen, wie die SPD sich in einer großen dramatischen Szene endgültig von der CDU/CSU trennte und sind gespannt, wie es weitergeht. Wird es zu einem Jamaicadreier kommen? Nein wird es nicht, denn die FDP weigert sich nochmals mit der CDU/CSU zu kopulieren. Kopulieren? Zu koalieren natürlich, zumindest wenn sie für die CDU/CSU nicht ihre einzige ist. Die Grünen hätten sich zwar auf neue Erfahrungen gefreut und waren sogar für neue Praktiken bereit, scheinen am Ende aber nicht allzu traurig darüber, dass sie es  nun doch nicht mit der FDP tun müssen. Die entscheidende Frage ist also: Wird die SPD sich doch noch einmal von der CDU/CSU aufs Kreuz legen lassen? Gibt es ein Liebescomeback? Oder doch eher einen Rosenkrieg? Wir werden es bald herausfinden, in einer weiteren Folge von „Mitten im Bundestag“.

2. Weitere 4 Jahre Merkel

Angela Merkel hat es wieder geschafft und mit ihrer Partei einen klaren 30,9 %-Regierungsauftrag erhalten. Zumindest sie selbst sieht das so und das ist doch immerhin schon mal etwas. Ob man bei einem Stimmenverlust von über 11 % wirklich noch von einem klaren Regierungsauftrag sprechen kann, darüber lässt sich zwar streiten, aber mit einer Sache hat sie recht: Sie wird schon wieder Kanzlerin, egal ob sie nun auf einem Zukarren oder auf einem Esel in den Bundestag einreitet. Da die Maultiere des Zugkarrens aber bekanntlich störrischer als Esel sind, was liegt da näher als eine Neuauflage der so erfolgreichen großen Koalition, die zwar regiert wie Flasche leer, aber immerhin großen Unterhaltungswert besitzt. Und man hat etwas, worüber man sich am Stammtisch aufregen kann. Eine super Sache also! Das findet sogar der Bundespräsident und hebt mahnend den Finger. Sollte sich der Esel weiterhin verweigern, so wird  zumindest er seine Hände in Unschuld waschen können.

Eine Regierung ohne Merkel ist einfach nicht denkbar. Den Zenit ihrer Beliebtheitswerte hat unsere ganz persönliche Queen zwar bereits überschritten, doch der Durchschnittsdeutsche ist schließlich immer noch der Meinung: „Die Merkel, die macht das doch alles gar nicht schlecht.“ Gut, was genau sie denn jetzt eigentlich macht, das weiß auch nach 14 Jahren immer noch keiner so genau, aber da es bisher noch keine Aufstände in der Größenordnung einer russischen Revolution gegeben hat, wird es wohl eben nicht so schlecht sein. Sie merkelt also vor sich hin, geht auf Reisen, während der Außenminister in Berlin die Stellung hält, schüttelt Hände und wir können uns immer darauf verlassen das wir geschlossen bleiben und für alles eine gemeinsame Lösung finden. Wobei wir geschlossen sind, wissen wir zwar auch nicht, aber Geschlossenheit hört sich doch prinzipiell nach einer guten Sache an. Geschlossenheit und Einigkeit, das ist es doch, wonach wir uns in einer Demokratie alle sehnen! Wer braucht schon Diskurs und Meinungsaustausch, wo es doch viel einfacher ist, wenn alle dieselbe Meinung vertreten?

3. Sozialistische Bastion

Worauf können wir uns bei der GroKo sonst noch freuen? Man hört ja seit Tagen, dass die SPD nun der CDU/CSU gegenüber in einer so starken Verhandlungsposition wie nie zuvor sei. Dürfen wir uns also auf eine Neuauflage sozialistischer Ideale, auf einen Martin Schulz in den Fußstapfen eines Willy Brands freuen, der für die Bedürfnisse und Sorgen der kleinen Leute kämpft? Wird sich die SPD alter Stärke erinnern und sich auf ihre Tradition als Arbeiterpartei zurückbesinnen? Muss Merkel darum bangen, dass die SPD sich unter einem Martin Schulz wieder zu einem sozialistischen Schreckgespenst entwickelt, das drohend durch die Regierung spukt und nach Dingen wie der Verstaatlichung des Bankensystems verlangt?

Keine Sorge, alle die nun vor ihrem geistigen Auge bereits die fünfte Kolonne Moskaus aufmarschieren sehen kann ich beruhigen, denn die Genossinnen und Genossen wissen und sind insgeheim vielleicht sogar froh darüber, dass sie zwar poltern und die Fäuste schütteln dürfen, man im Endeffekt aber unter kleinen Zugeständnissen, wie immer über sie hinweg regieren wird. Also keine Angst: Alles bleibt beim Alten und die SPD wird weiterhin das bleiben, wofür wir sie alle kennen und lieben: Die Hure von Babyl….von Berlin.

4. Last but not least: Die AfD wird Oppositionsführer

Nun darf also auch die AfD in dieser Bundestags-Seifenoper mitmischen. Bereits am Wahlabend kündigte Alexander Gauland an, er wolle Merkel und ihre Regierung jagen, wobei sich einem spontan ein Bild des Roadrunners aufdrängt. Der Unterhaltungswert ist also auch hier garantiert. Bereits an ihrem ersten Tag im Bundestag gibt es ein Schlammcatchen mit der Linken, die ihr Rassismus und Militarisierung vorwirft, wobei Wile E. Coyote bereitwillig den Knochen aufnimmt, den man ihm hinwirft.

Sollte also demnächst der Bundestag brennen und aufseiten der AfD formuliert sich der Aufschrei, das könnten ja nur die Linken gewesen sein, dann, liebe Parteifreunde und Genossen, wissen wir, dass es Zeit ist sich so langsam nach Immigrationsmöglichkeiten umzusehen. Jamaica soll ja sehr schön sein, auch wenn der Gegenwind gelegentlich etwas heftig ist.

FOTO: CC Marco Verch, unverändert.

ist ein geborenes Münchner-Kindl und studiert in Marburg Geschichte der frühen Neuzeit. Neben ihrem Studium arbeitet sie für das Herder-Institut.