Sneak-Review #160: The Dead Don’t Die

Sneak-Review #160: The Dead Don’t Die

Zombie Apokalypse! Wie der Regisseur Jim Jarmusch versucht, Zombies mit einer großen Starbesetzung lustig darzustellen – “The Dead Don’t Die” lief diese Woche in der Sneak Preview.

Worum gehts?

In der ruhigen Kleinstadt Centerville drehen die Polizisten Cliff (Bill Murray) und Ronald (Adam Driver) ihre Runde und führen gelangweilten Smalltalk. Doch es stimmt etwas nicht in der Stadt – die Armbanduhr tickt nicht mehr, das Funkgerät fällt aus und das eigentlich geladene Handy funktioniert nicht mehr. Nachdem die ersten zwei Leichen gefunden wurden, vermutet Officer Ronald absurderweise eine Zombie Invasion. Es fallen immer wieder Bemerkungen über Zombies – so ist der Tankstellenwärter (Caleb Landry Jones) zufälligerweise ein Zombiefilm-Fanatiker und weiß genau, dass man diese nur durch einen Schuss in den Kopf überwältigen kann – doch niemand nimmt die Gefahr wirklich ernst. Wie unreal eine Zombie Invasion doch sei, verkörpert vor allem der stoische und kaum aus der Ruhe zu bringende Murray. Die Bedrohung durch die Untoten bestätigt sich jedoch in der nächsten Nacht, das kleine Städtchen wird von seinen verstorbenen Einwohnern heimgesucht.

Langsam wird’s langweilig

Die Zombie-Invasion ist alles andere als spannend. Jim Jarmusch, der normalerweise für seine Coolness gefeiert wird und zu den bekanntesten Independent-Filmemachern zählt, übertreibt es mit der Entspanntheit und Langsamkeit des Filmes. Durch kurze Einspielungen von spannungsaufbauender Musik wird der:die Zuschauer:in wach gehalten. Man wartet darauf, dass doch noch etwas passiert, gleichzeitig weiß man aber, dass dem nicht so sein wird.

Der komödiantische Charakter, der durch Wiederholungen von immer gleichen Aussagen wie „Das wird böse enden!“ aufrecht erhalten werden soll, ist anfangs vielleicht noch ganz lustig, doch auf Dauer einfach nur nervig. Dargestellt wird alles sehr unverblümt, man sieht Blut strömen, Eingeweide aus den Körpern quellen oder Zombies an einem abgerissenen Arm nagen. Doch auch wenn das vielleicht aufregend und mit Spannung dargestellt werden könnte, erregen die Bilder das Publikum kaum.

Gesellschaftskritische Anspielungen dürfen natürlich in einer Zombiekomödie nicht fehlen: Wissenschaftler sprechen von einer Verschiebung der Erdachse, was Politiker als “Fake News” bezeichnen und Zombies trachten nicht nur nach Blut, sondern auch nach Handyempfang. Auf was Jarmusch anspielen will, wird ziemlich schnell klar – auch, weil es dann keine tiefere Bedeutungsebene mehr gibt. So bringt die Cap mit der Aufschrift “Make America white again”  zwar einen Lacher, für mehr reicht es dann aber auch nicht aus.

Here are the stars

Typisch für Jarmusch ist wieder mal die große Starbesetzung. So hat Tilda Swinton einen Auftritt als unmenschlich wirkende Krematoriumsleiterin namens Zelda, die im Zimmer neben dem Leichenraum mit ihrem Samuraischwert die Luft zerschneidet und dank ihres Berufs und ihrer Kampfskills keine Angst vor den Zombies hat. Kleinere Rollen, die leider weniger zur Geltung kommen, sind besetzt mit Stars wie Steve Buscemi, Chloë Sevigny und Tom Waits. Als wäre das nicht schon genug, tritt auch noch Selena Gomez als unschuldiges Teenie-Girl auf, die mit ihren zwei Freunden zufällig in der Stadt ist. Die “Hipster aus der großen Stadt”, wie sie von den Polizisten genannt werden, fallen natürlich auch den Zombies zum Opfer.

Man fragt sich leider, wie aus so einer guten Besetzung an Schauspieler:innen solch ein komisch-schlechter Film werden konnte. Das Wort “weird”, das im Film selbst sehr oft benutzt wird, beschreibt den Film am treffendsten.

Und jetzt auch noch ein Ufo

Der Höhepunkt des Lächerlichen ist der Anflug eines Ufos, in welchem die sonderbare Zelda verschwindet. Spätestens jetzt fragt man sich was das Ganze soll. Diejenigen Zuschauer:innen, die überhaupt bis zum Ende geblieben sind, gehen kopfschüttelnd und lachend vor Fassungslosigkeit und Absurdität aus dem Kino, denn man weiß nicht so ganz was man mit diesem Film anfangen soll. Ähnlich ging es wohl auch dem Regisseur, der anscheinend selbst nicht ganz wusste, wie der Film enden solle und deswegen die Überlegung den zwei Polizisten überlässt. Ronald, der von vornherein wusste, dass alles böse enden würde – weil er das Drehbuch gelesen hat – und Cliff, der eine sehr eindimensionale Figur ist, stürzen sich in die Massen der Zombies.

Schade um die guten Schauspieler:innen, schade um die guten Kameraaufnahmen, die jedoch von all der Absurdität dominiert werden. Insgesamt ist „The Dead Don’t Die“ ein sich in die Länge ziehender Film, der trotz gutem Regisseur und guten Schauspielern nicht unbedingt sehenswert ist.

”The Dead Don’t Die” erscheint am 13. Juni in den deutschen Kinos.

FOTO: Focus Features

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