Musik aus Marburg: 7racks
Bild: Annabell Sent
Die Marburger Gruppe 7racks macht seit 2024 gemeinsam Musik und nutzt Social Media gezielt als Teil ihres künstlerischen Konzepts. Zwischen Studioarbeit, Auftritten und Instagram-Reels ist ein Projekt entstanden, das über reine Musikproduktion hinausgeht.
Alles beginnt an einem Abend, an dem Toni einen Beat abspielt. Ein Moment, der für 7racks den Anfang markiert. Was danach passiert, entwickelt sich fast von selbst: Ein Projekt, das sich innerhalb kurzer Zeit zu einem festen Bestandteil der Marburger Musikkultur entwickelt hat.
Ich besuche die Gruppe bei einer ihrer wöchentlichen Studio-Sessions und spreche mit ihnen über ihre Anfänge, ihre Arbeitweise und darüber, wie aus gemeinsamer Musikproduktion eine eigene, öffentliche Präsenz wurde.
7racks besteht aus Dominik, Jonathan, Lucas, Scharo, Toni und Yunus. Kennengelernt haben sie sich über ihr Studium und gemeinsame Freund*innen. Eine wichtige Rolle spielt auch Tonis älterer Bruder Daniel, der selbst Musik macht und die Gruppe von Anfang an motiviert und unterstützt. Seit 2024 arbeiten sie gemeinsam an Musik, seit Anfang 2025 veröffentlichen sie ihre Songs auch offiziell.
Kein eindeutiges Genre
Die Texte handeln von ihrem eigenen Leben, Freundschaft, Alltag, Marburg. Bisher standen sie zweimal offiziell auf der Bühne. Doch wer Glück hat, trifft sie auch auf Hauspartys irgendwo in der Stadt. Ihre Musik ordnen sie selbst dem New-Wave-Bereich zu, auch wenn sie sich ungern festlegen. New Wave steht für eine offene Musikrichtung, die Pop, elektronische Elemente und Punk-Einflüsse miteinander verbindet. Viel wichtiger ist ihnen, offen zu bleiben, weiter zu experimentieren und sich nicht auf ein Genre zu beschränken.
Das Studio von 7racks befindet sich in einem kleinen Raum hinter Scharos WG-Zimmer. Eine Couch, Instrumente, ein Schreibtisch und sechs Leute, die gemeinsam Musik machen. Der Raum bietet zwar wenig Platz, dennoch dient er als zentraler Arbeitsort der Band.
Eine klare Aufgabenverteilung gab es anfangs nicht, sie ergab sich mit der Zeit. Toni übernimmt die Beatproduktion, wobei ihn die musikalische Erfahrung seines Bruders, der selbst Beats produziert, maßgeblich geprägt hat. Dominik bringt durch seine musikalische Vergangenheit verschiedene Instrumente wie Klavier oder Gitarre ein. Scharo, Jonathan und Yunus schreiben viele der Texte, während Lucas vor allem für die Aufname und den Schnitt der Videos zuständig ist. Trotzdem verschwimmen die Rollen ständig: Alle singen, alle rappen, alles greift ineinander.
Auch abseits der Musik verbringen die Jungs viel Zeit miteinander, einige von ihnen wohnen sogar zusammen. Vielleicht ist genau das der Grund, warum sich 7racks weniger nach Projekt und mehr nach Alltag anfühlt.
Liebeserklärung an Marburg
Denn 7racks ist längst mehr als nur Musik. Die Gruppe hat sich zu einer eigenen Brand entwickelt und ist aus der Marburger Kulturszene kaum noch wegzudenken. Besonders über ihre Instagram-Reels, die sie unter anderem im Vorfeld des Unrap-Events im KFZ im Oktober 2025 veröffentlichten, haben sie viel Reichweite aufgebaut. Sie zeigen dort nicht nur fertige Songs, sondern nehmen ihr Publikum mit in den Entstehungsprozess, posten Promo-Videos, Challenges und arbeiten mit lokalen Seiten wie marburgliebe oder verschiedenen Restaurants zusammen. Sie selbst sagen dazu: „Das ist keine Promo, das ist Leben!“
Ihre humorvolle Art kommt an. Wenn 7racks im Feed auftaucht, bleibt man hängen und das meist gut gelaunt. Die Promo-Videos rund um ihren Auftritt bei Unrap 2025 und der Song „35“, der wie eine Liebeserklärung an Marburg wirkt, zeigen, wie eng Musik, Stadt und Community bei ihnen zusammengehören: Die Social-Media-Inhalte verstehen sie als Erweiterung ihrer Musik, nicht als Selbstzweck. Mittlerweile wäre 7racks ohne ihre Videos kaum noch 7racks.
Während der Studio-Session wird schnell klar: Die Gruppe nimmt sich selbst nicht zu ernst. Spaß steht an erster Stelle. Und trotzdem, oder gerade deshalb, haben sie mit 7racks etwas geschaffen, das über sie selbst hinausgeht. Sie prägen die studentische Musikkultur Marburgs, bringen frische Energie in die Stadt und zeigen, dass aus einem Beat an einem einzigen Abend ziemlich viel entstehen kann.
