Sneak Review #112 – Wahrheit oder Pflicht

Sneak Review #112 – Wahrheit oder Pflicht

Amerikanische Studenten, Spring Break, ein Spiel, das sich als langwieriger und gruseliger entpuppt, als zuvor gedacht – im zweiten Teil der dieswöchigen Doppelsneak erfüllt Jeff Wadlows „Wahrheit oder Pflicht“ nicht nur ein paar Klischees amerikanischer Horrorfilme. 

Olivia (Lucy Hale) lässt sich zu Beginn des Filmes von ihrer besten Freundin Markie (Violet Beane) überreden, ihre Freunde zum Spring Break nach Mexiko zu begleiten. Spring Break, das wissen wir aus anderen Filmen, bedeutet Party, exzessiver Alkoholkonsum und im Idealfall auch den ein oder anderen Flirt. Olivia trifft an der Bar den gutaussehenden Carter (Landon Liboiron), der sie und ihre Freunde zur „After Party“ in eine abgelegene Kirche in der mexikanischen Pampa bugsiert. Soweit, so typisch.

In der Kirche angekommen schlägt Carter vor, Wahrheit oder Pflicht zu spielen, verhält sich im Anschluss aber extrem merkwürdig und verlässt fluchtartig die Party. Dass es hiermit an Handlungsverlauf nicht getan ist, kann sich jeder, der zumindest schon einmal von einem Horrorfilm gehört hat, denken. Wieder im Alltag zurück stellt sich heraus, dass aus dem Spiel Realität geworden ist und sämtliche Mitspieler solange Visionen plagen, bis sie die ihnen auferlegten Aufgaben erfüllen. Die Aufgaben und Fragen selbst gestalten sich von „Welches Geheimnis über deine beste Freundin bewahrst du?“ bis hin zu „Wähle einen Menschen aus, den du erschießt“. Tun sie das nicht, sterben sie. So einfach ist das.

Klischee trifft auf Klischee

,,Wahrheit oder Pflicht“ brilliert nicht besonders mit der Auswahl oder Entwicklung seiner Charaktere. Zum einen ist da Olivia, die nette, brave Studentin, die am Ende überhaupt nicht so brav und unschuldig ist, wie sie anfangs wirkt, da sie ein nach eigener Aussage furchtbares Geheimnis mit sich trägt. Zum Anderen das obligatorische Pärchen, Markie und Lucas (Tyler Posey), bei dem Markie Lucas ständig betrügt, um ja Konfliktpotenzial zu bieten. Verschärft wird das noch dadurch, dass Olivia in Lucas verliebt ist, trotz allem als gute Freundin aber nicht preisgeben darf, dass er von Markie betrogen wird. Dabei findet Lucas Olivia eigentlich auch ganz interessant, aber er hat ja Markie – ja, es ist alles furchtbar dramatisch und kompliziert. Abgerundet wird die Gruppe unter anderem durch das Klischee-Arschloch Ronnie (Sam Lerner), der dialogtechnische Perlen wie etwa „Du weißt doch, Ron Ron findet jede Party“ zum Besten gibt und durch sein Prolldasein zumindest für ein paar Lacher sorgt.

Aber auch die Entwicklung des Plots überrascht nicht besonders, nachdem sich die Beteiligten nach dem ein oder anderen Tod ihrer Freunde davon überzeugen konnten, dass es sich hier nun doch um etwas Übernatürliches handeln könnte, wird sich daran getan, eine Lösung für das Problem zu finden. Da Carter das Spiel begonnen hat, macht man sich auf die Suche nach ihm, allerdings läuft die Zeit davon, da die Figuren wegen der ihnen aufgetragenen Aufgaben leider die blöde Angewohnheit haben zu sterben.

Qualität vs. Spannung

Eins muss man Wadlow lassen – trotz der nicht besonders innovativen Storyline und den Charakteren, die nunmal so sind wie sie sind, nämlich flach, schafft es der Film noch immer Spannung und Schreckmomente aufzubauen. Zum Einen geschieht das durch klassische Jumpscares, zum Anderen durch die zu einem diabolischen Grinsen verzerrten Fratzen der Darsteller, sobald sie vom Spiel besessen werden. Letzteres erledigt sich allerdings auch im Laufe des Filmes, da die Gesichter, wie im Film selbst schon sehr richtig kommentiert wird, auf Dauer aussehen „wie ein schlechter Snapchat Filter“.

Spring Break, Studenten, ein Spiel, das nicht aufhören will, ein Dämon, ein Exorzismus – um alle Klischees zu erfüllen fehlt „Wahrheit oder Pflicht“ nur noch der obligatorische Wald und/oder ein Axtmörder. Plottwists oder ähnliches sucht man vergeblich, die Story ist vorhersehbar und teilweise nicht besonders logisch (Warum zur Hölle folgt man einem völlig fremden Typen auf der Suche nach einer Party in eine verfalle Kirche in einem umzäunten Gelände, das laut Ausschilderung ausdrücklich nicht betreten werden soll? Fragen über Fragen). Aber: Man gruselt sich. Man erschrickt sich auch. Und dazu sind Horrorfilme ja zumindest gut.

Für die Horrorfilm-Liebhaber unter uns (oder diejenigen, die Lucy Hale 101 min ohne BH sehen wollen) kommt der Film am 10. Mai 2018 in die deutschen Kinos.

FOTO: Blumhouse