Sneak-Review #287: A polite robber still goes to jail
Bild: Hannah Benner
Mit dem Titel „Roofman“ machte im Jahr 2000 ein berüchtigter Mann in North Carolina Schlagzeilen, als er endlich gefasst wurde. Aber was genau ist seine Geschichte?
Diese Sneak Preview im Marburger Cineplex widmet sich genau dieser Frage und entführt die Zuschauer*innen für knapp zwei Stunden in das erstaunliche und absurde Leben dieses Kriminellen. Regisseur Derek Cianfrance holte sich dafür einige bekannte Gesichter und brachte die Geschichte erstmals auf die große Leinwand.
Basierend auf wahren Begebenheiten
Schon in der ersten Sequenz begrüßt uns der Film mit folgender Einblendung: „Basierend auf wahren Begebenheiten.“ Zugegeben: Für einen Moment dachte ich, jetzt folgt eine trocken inszenierte Doku. Aber wow – wie falsch ich lag. Bis zum Finale entfaltet Der Hochstapler – Roofman ein packendes Katz-und-Maus-Spiel, dessen Auflösung sich bis zum Schluss des Films hinzieht. Abgerundet wird es durch eine weitere Einblendung, was nach den Ereignissen tatsächlich mit Jeffrey Allen Manchester geschah.
Raubzüge durch amerikanische Fast-Food-Filialen
Jeffrey Allen Manchester (überzeugend gespielt von Channing Tatum) erlangte seinen Spitznamen „Roofman“, weil er sich bei seinen Raubüberfällen immer durch die Dächer bohrte, um damit in die Zielorte einzudringen. Zwischen 1998 und 2000 überfiel er mehr als 40 McDonald’s-Restaurants. Er war getrieben von finanzieller Not und dem Wunsch, seine Familie zu unterstützen. Nach seiner Verurteilung musste er für 45 Jahre Haft – zumindest dachte man das.
Denn Manchester brach kurz darauf aus dem Gefängnis aus und lebte unter einer neuen Identität: Als „John Zorn“ versteckte er sich ein halbes Jahr lang in einem Toys R Us-Laden in Charlotte, North Carolina. Er verließ das Gebäude nur nach Ladenschluss, ernährte sich von Babynahrung und Süßigkeiten und half in der örtlichen Kirche aus. Schließlich ging er eine Beziehung ein mit der geschiedenen Mutter zweier Töchter (Kirsten Dunst). Genau diese Beziehung bildet im Film einen zentralen emotionalen Anker: Kurz vor dem Finale, als seine Tarnung zu bröckeln beginnt, steht Jeffrey vor der entscheidenden Frage: Flieht er wie geplant oder bleibt er bei seiner neuen Liebe? Es ist sehr spannend zu erfahren, wie spürbar Channing Tatum die innere Zerrissenheit darstellt und wie sehr seine Entscheidung die Wirkung des Endes bestimmt.
Berechnend, aber tollpatschig
Schon am Anfang des Films wird Jeffrey als berechnend, aber auch überraschend tollpatschig charakterisiert: Und das trifft es perfekt. Er bemerkt Details, die anderen entgehen, und genau dieses Talent machte ihn so lange erfolgreich. Gleichzeit passieren ihm Momente, bei denen man sich fragt: Wie konnte das gerade schiefgehen? Dazu wurde er immer wieder in den Medien als höflicher Räuber beschrieben. Beispielsweise in einer Szene, in der er die McDonalds-Mitarbeiter*innen in den Tiefkühlraum sperrt, ihnen aber seine Jacke mitgibt, damit sie nicht frieren. Diese Mischung aus Cleverness und unbeholfenem Charme verleiht dem Film eine überraschend humorvolle Note, die Channing Tatum sehr gut transportiert.
Die Uhr tickt
Über die gesamte Laufzeit hinweg bleibt eine konstante Spannung: Wird er in der nächsten Szene endlich geschnappt? Trotz gut zwei Stunden fühlt sich der Film dadurch keineswegs lang oder zäh an. Jede Szene steuert etwas zum Gesamtbild bei und das Finale ist angenehm rund, weder übertrieben noch unbefriedigend offen.
Unterhaltung ohne viel Schnickschnack
Insgesamt hat der Film sehr gut unterhalten. Er bietet einen spannenden Einblick in das Leben von Jeffrey Allen Manchester, von der ersten Verhaftung bis zur endgültigen Gefängnisaufnahme und das ganz ohne überzogene Action oder Dauerfeuer. Stattdessen lebt er von den Interaktionen zwischen Jeffrey und den Menschen um ihn herum sowie der starken Leistung der beiden Hauptdarsteller*innen Channing Tatum und Kirsten Dunst.
88 Prozent der Zuschauer*innen konnten dem Film etwas abgewinnen, während 12 Prozent ihn mit einem negativen Eindruck verließen. Der Kriminalfilm läuft seit 27. November in den deutschen Kinos.
