Sneak-Review #23: Trumbo

Sneak-Review #23: Trumbo

Und wieder fragen wir: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder greifen bereits die ersten Cineast:innen nach ihren Jacken? Diesen Dienstag in der Sneak: Die US-amerikanische dramaturgische Filmbiographie „Trumbo“ von Regisseur Jay Roach.

Die Sneak wollte gestern wohl auf einen Oscar-nominierten Hauptdarsteller aufmerksam machen, der durch den Wirbel um Leonardo etwas in den Hintergrund geraten ist: Unser Meth-brauender Walter White – Bryan Cranston. In dem Film „Trumbo“ verkörpert er Dalton Trumbo, einen talentierten Drehbuchautor in Hollywood, der zu Zeiten des Kalten Kriegs in den USA aufgrund seiner politischen Haltung einen Ehrenplatz auf Hollywoods schwarzer Liste bekam, später unter Pseudonym weiterschrieb und mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde.

Der Film beginnt in den 40er Jahren: Trumbo ist bereits Mitglied der Kommunistischen Partei und wird von vielen seiner Hollywood-Kolleg:innen verachtet und öffentlich gedemütigt. Seine größte Gegenspielerin ist die Kolumnistin Hedda Hopper (Helen Mirren), die sich keine Gelegenheit entgehen lässt, gegen die Befürworter:innen des Kommunismus zu hetzen. Trumbo weiß zu kontern und lässt sich nicht so leicht unterkriegen, auch nicht vom Obersten Gerichthof, vor dem er eine direkte Aussage verweigert.  Deshalb geht es für einige Zeit ins Gefängnis, fernab seiner Frau Cloe Trumbo (Diane Lane)  und seinen Kindern. Der Staat in dem Land, das Trumbo liebt, missachtet zu jener Zeit grundlegende Bürger:innenrechte und nimmt seinen Bürger:innen die angeblich im Weltkrieg erkämpfte Freiheit. Auf diesen Widerspruch versucht Trumbo aufmerksam zu machen und bezahlt dafür, eindrucksvoll inszeniert, als ihm im Gefängnis alle Bürger:innenrechte und seine Würde genommen werden, ohne dass er je ein Verbrechen begangen hätte.

Zwischen Polit- und Familiendrama

Aus dem Gefängnis schließlich draußen, geht die Misere weiter: Durch seinen Platz auf der Schwarzen Liste kann Trumbo nicht mehr unter seinem Namen veröffentlichen. So beginnt er unter Pseudonymen Drehbücher zu schreiben, um seine Familie aus der finanziellen Notlage zu befreien. Quantität statt Qualität. Dabei vergisst er, dass Geld nicht alles ist und beginnt seine Familie zu vernachlässigen. Trotz allem bleibt Trumbo jedoch schlagfertig und sarkastisch, was uns freut, denn der ein oder andere Lacher tut bei so viel Ernsthaftigkeit ganz gut.  Und dann bekommt er doch noch die Kurve und mit ihr den Erfolg, den er schlussendlich auch öffentlich zeigen kann.

Ray Roaches Produktion lebt insbesondere von der schauspielerischen Leistung der Hauptpersonen. Bryan Cranston beweist sich als „Rebellisches Genie“, wie er durch verschiedene Phasen seines Lebens schreitet, scheitert, siegt und dabei zwischenzeitlich (in seiner Badewanne) abdreht. Neben ihm überzeugt vor allem seine Kollegin Helen Mirren, die in ihrer Rolle der patriotischen antikommunistischen Kolumnistin Hedda Hopper den Film über die eine oder andere Durststrecke hinweg trägt.

  „Alles Gute könnte besser sein“

„Trumbo“ zeigt, was die Loyalität für eine politische Haltung unter diesen Umständen für Auswirkungen haben kann: Auf Familie, Beruf und Freund:innen. Die Ernsthaftigkeit des Films wird durch die humoristische Arbeitsweise des Regisseurs Ray Roach zu einer unterhaltenden Mischung zwischen Drama und Witz. Besonders schön ist die Einbettung alten Filmmaterials, wie Originalszenen aus Kubricks „Spartacus“ oder Wylers „Ein Herz und eine Krone“ in dem wir sogar kurz die junge Audrey Hepburn zu sehen bekommen.

Aber wie Trumbo selbst schon anmerkt: „Alles Gute könnte besser sein“. Trotz interessanter Handlung und überragender schauspielerischer Leistung flacht der Spannungsbogen an mancher Stelle ab und dem:der ein oder anderen in der Sneak rutscht ein längerer Gähner heraus. Könnte natürlich auch an der Uhrzeit liegen. Um 1.30 Uhr verlassen wir den Kinosaal und freuen uns, dass sich die vier Euro dennoch sehr gelohnt haben.

„Trumbo“ kommt am 10.3.2016 in die deutschen Kinos.

https://www.youtube.com/watch?v=7My05ho_e3s

FOTO: Internet Movie Database

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Autorin, 23, studiert Sprache und Kommunikation und will später irgendwas mit Theater, Kultur und Sprache machen. Oder reisen. Oder beides. Oder halt einfach nichts.