Sneak-Review #38: Demolition

Sneak-Review #38: Demolition

Und auch diese Woche fragen wir wieder: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder gab es nur eine zähe Gute-Nacht-Geschichte? Diesen Dienstag in der Sneak: „Demolition“, das Drama von Jean-Marc Vallée über den Wittwer und Investment-Banker Davis Mitchell (Jake Gyllenhaal).

Ein Ehepaar sitzt im Auto, sie fährt, beide streiten sich, plötzlich gibt es einen lauten Knall, das Bild ist schwarz, im Kino ist es leise.

Anspannung. Was ist passiert?

Nächste Szene. Davis sitzt alleine auf dem Flur im Krankenhaus und hat eine blutige Nase, überall im Behandlungsraum ist Blut. Jetzt ist klar: Es muss etwas Schlimmes passiert sein. Eine Erklärung dafür gibt es aber erst als sein Schwiegervater Phil (Chris Cooper) zu ihm ins Gesicht sagt, „sie ist tot“. Sie, das ist Julia (Heather Lind), seine Ehefrau. Gestorben ist sie aufgrund eines Autounfalls. Davis scheint dies zunächst nicht zu realisieren, ärgert sich mehr darüber, dass der Snack im Automat auf der Intensivstation festhängt. Alles scheint ihm wichtiger zu sein als die Trauerfeier für seine Frau, während der er sogar einen Beschwerdebrief an den Kundendienst schreibt. Er enthält eine sehr detaillierte Beschreibung des vergangenen Tages von Davis. Davis denkt, dass niemand seinen Brief lesen wird. Doch Karen (Naomi Watts), die einzige Mitarbeiterin im Kundendienst, liest ihn nicht nur, sondern ist auch berührt von seinem Erlebnis. Es beginnt eine Freundschaft zu ihr und ihrem Sohn Chris (Judah Lewis).

Etwas Emotionalität

Und auch während der Beerdigung und der Feierlichkeiten fühlt Davis keine Trauer. Er nimmt die ganze Situation nicht richtig war, ist in seiner Trance gefangen. Davis geht weiterhin zur Arbeit und lebt sein Leben, bis er sich irgendwann fragt, ob er Julia überhaupt geliebt hat. Dann dreht er völlig durch. Sein nerviger Ex-Schwiegervater und Chef, Phil, möchte ihm den hilfreichen Ratschlag geben: Wenn er etwas heilen möchte, muss er es komplett zerlegen und wieder zusammensetzten. Phil meint damit eigentlich Davis Herz. Davis versteht diese Metapher aber nicht und folgert stattdessen, er solle Dinge auseinander bauen. Und so zerlegt er seinen Kühlschrank, seinen PC am Arbeitsplatz, die Mitarbeitertoilette. Sein Wahn gipfelt, als er sogar Geld dafür zahlt, um auf einer Baustelle eine Wand herausreißen zu dürfen. Und das alles nur, um seine Vergangenheit zu verarbeiten.

Pure Gewalt

Dem Filmtitel „Demolition“ wird alle Rechnung getragen. Für meinen Geschmack enthält der Film zu viel Gewalt und zu wenig Handlung. Das Ganze wirkt ziemlich depressiv. Das Filmmaterial ist gut, wenn man in der entsprechenden Stimmung dafür ist. Dennoch sind die Geschichtsstränge vorhersehbar und werden stringent verfolgt. Dadurch wird eine langatmige Atmosphäre geschaffen. „Demolition“ lässt viele Fragen offen. Dem ganzen Film fehlt ein roter Leitfaden.

„Demolition“ kommt am 16.06. 2016 in die Kinos.

FOTO: Fox

Studiert Politikwissenschaft.