Sneak-Review #12: Jane got a gun

Sneak-Review #12: Jane got a gun

Auch diesen Donnerstag stellt sich wieder die Frage: Haben sich die 4 Euro Sneak-Eintritt gelohnt oder hätte sie man besser in Bier investieren sollen? Diese Woche in der Sneak des Cineplex Marburg: Gavin O‘ Connors Western „Jane got a gun.

Nordamerika, 1871: In den Weiten der Prärie lebt Jane zurückgezogen mit Mann und Kind. Doch die Idylle trügt – was zunächst wie eine fabulöse Bilderbuchfamilie wirkt, soll sich schon bald als eine bedenkliche Konfusion zwischen zwei rivalisierenden Parteien – die Ehre gegen Besitz als restvorhandene Substanz verteidigen – bewahrheiten. Schwer verwundet und mit einer minimalen Überlebenschance wird Jane Hammonds (Natalie Portman) Mann, der „most wanted“ Ganove Bill Hammond (Noah Emmerich), vor dem unberechenbaren und skrupellosen Anführer John Bishop (Ewan McGregor) und dessen Banditenbande versteckt. Das Verzwickte daran: Bishop ist sein ehemaliger Boss. Dieser hat mit dem Schutzsuchenden noch eine Rechnung offen und ist inklusive ausgesetztem Kopfgeld mit seiner gaunerhaften aber ziemlich beschränkten Begleitbrigade hinter den beiden her. Ob lebend oder tot spielt keine Rolle: Hauptsache der Gesuchte wird zur Strecke gebracht. Weil Jane eigentlich selbstbestimmt, aber irgendwie dann doch nicht allein die Knarre in die Hand nehmen will, wendet sie sich mit einer Restverzweiflung an ihren ehemaligen Geliebten Dan Frost (Joel Edgerton). Dieser bildet Jane in ihren Schießkünsten aus und baut gemeinsam mit ihr hochexplosive Fallen, um so die Vernichtung der Gang herbeizuführen.

Rache wird am besten kalt serviert

Wie der Titel leider schon vage vermuten lässt, geht es um Liebe, Rache und Selbstjustiz einer jungen Frau, die mit Schusswaffen herumfuchtelt. Im Wesentlichen dreht sich hier alles um altbekannte Muster von Habgier und Treue, Loyalität und Emanzipation. Wobei wir schon bei Letzterem wären: Das eigentlich wenig Herausragende an diesem Film ist tatsächlich die buchstäblich emanzipiert idealisierte Heldinnenfigur mit einer gewohnt starken Leistung von Natalie Portman in der weiblichen Hauptrolle. Da wir spätestens seit ihrer herausragenden Darbietung in „V wie Vendetta“ von ihr Glanzleistungen par excellence gewohnt sind, überrascht dagegen diese polemisch gehaltene Rolle, die durchaus noch besser hätte ausgebaut werden können. Man fragt sich: Wo ist die Auflehnung, ja, das Rebellische, was die Rolle eigentlich hergeben könnte? Hinsichtlich der tragenden Star-Besetzung mit einem zurückgehaltenen schmierig-manipulativen Ewan McGregor als übler Anführer einer mordenden Gaunerbande, wirken beide Hauptrollen in ihrer Intensität reduziert. Die schauspielerische gute Leistung wird durch das begrenzte Repertoire an Scheußlichkeit ausgebremst und endet beinahe wie eine Freakshow. Auch die hier und da eingestreuten ellipsenartigen Rückblicke, von denen die verzahnte Liebesbeziehung und die gesamte story eigentlich abhängen, nerven irgendwann so sehr, dass man anfängt zu rätseln, warum alles so früh erkennbar vorherzusehen war.

Immerhin: „Unsere Kleine Farm“-Fans würd’s gefallen.

Man nehme einen Hauch Romanze, ein wenig Dreieckskarussell und mehrere Zentner Munition und Dynamit, vermische dies mit remakehaften und erstaunlich schlecht umgesetzten Charakterqualitäten und verfeinere das Ganze mit einer Prise dezent bewegendem Beziehungszwist. Keine geringere als Natalie Portman herself hat dieses kommerzielle Western-Trauerspiel mitproduziert. Überdies brilliert der Film nicht gerade durch hinreichend intelligente Dialoge, oder, wenn es schon in Erwägung gezogen wird, charmanten Wortwitz. Szene: Jane beugt sich über den bei einem Schusswechsel angeschossenen Ex-Liebhaber Dan Frost mit den Worten „Ist es sehr schlimm?“ und gibt damit das naive Dummchen, welche das unabhängige und selbstbestimmte Bild dieser Inversionsfigur mit einem Schlag dekonstruiert. Doch was viel mehr anzuzweifeln ist, als die ambivalente Rolle und das Drehbuch, die der*m gelangweilten Zuschauer*in vorgeführt werden, sind die platten und sinnfreien Dialoge. Die Schlussszene. Cut. Sie zeigt wieder einmal, was Hollywood am besten kann: Eine heile Welt inszenieren, die gemessen an der realen Abbildung durch Blumensträuße und Sonnenuntergänge vorbeirauscht. Ledliglich diejenigen, die „Unsere kleine Farm“ feiern, werden durch das immerhin essentialistische Ende mit ihrer eigenen abgesonderten Imagination definitiv auf ihre Kosten kommen.

Kinostart ist am 31.12.2015. Und zum Trailer geht’s hier.

FOTO: SquareOne Entertainment

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Studiert Germanistik und Kulturwissenschaften, liebt elektronische Musik und irritierende Kunst. Mag Rennradfahren und Podcasts.