Sneak-Review #11: Knock-Knock

Sneak-Review #11: Knock-Knock

Same procedure as every week: Haben sich die vier Euro Eintritt gelohnt oder greifen bereits die ersten Cineast*innen nach ihren Jacken? Diese Woche in der Sneak des Cineplex Marburg: „Knock Knock“ von Regisseur Eli Roth.

Ein Klopfen. In Horrorfilmen meist das Zeichen schlechthin, dass es nun Zeit wird sich unter der Bettdecke zu verstecken. Auch in „Knock Knock“ (wobei sich hier die Frage stellt ob der Drehbuchautor zu betrunken oder schlichtweg zu faul war, um sich einen anderen Titel als die Verschriftlichung eines Lautes zu überlegen) geht es erst mit dem Klopfen an der Tür von Evan (Keanu Reeves) richtig zur Sache. Der Film beginnt jedoch mit der Darstellung eines verträumten Familienidylls, dass so nur aus der Feder eines Hollywood-Autors stammen kann. Schönes Haus, schöne Frau, schöne Kinder, schöner Hund – Evans Leben ist (ekelhaft) perfekt. Das soll sich nun ändern.

„Sie sind total wie Major Lazer“

Als der Rest der Familie das Haus für einen Wochenendausflug ans Meer verlässt, bleibt Evan mit Hund Cookie zu Hause – er muss arbeiten. Der Architekt, der eigentlich immer nur DJ werden wollte, wie die wiederkehrenden Kameraschwenke auf seine Schallplattenspieler untermalen sollen, widmet sich bis spät in die Nacht seinem Projekt bis es schließlich – klopft. Vor der Tür stehen Genesis und Bel: Jung, hübsch und so leicht bekleidet, dass vermutlich selbst Hugh Hefner rot werden würde. Die beiden Mädchen, vom obligatorisch strömenden Regen völlig durchnässt, sind auf der Suche nach einer Party in der Nachbarschaft. Als Evan nicht helfen kann, bittet er sie herein, damit sie sich über Facebook mit ihrer Freundin kurzschließen können, die weiß, wo die Party stattfindet. Was dann folgt ist einfach nur bizarr: Genesis und Bel „verführen“ Evan auf eine Art, die vermutlich eher zum Beginn eines Pornos als zu dem eines Hollywood-Blockbusters passen würde. Die drei landen im Bett, oder besser gesagt, in der Dusche.

Ist sie fünfzehn, kriegst du zwanzig

Als Evan am nächsten Morgen aufwacht, weigern sich die Mädchen, zu gehen. Von den Verführerinnen ist nicht viel übrig geblieben, insbesondere Bel spricht wie eine Fünfjährige. Als Evan die beiden rausschmeißen will und mit der Polizei droht, erklärt ihm Genesis, dass das nicht gehe – sie seien 15 und er habe sich strafbar gemacht. Nach einem kurzen Eklat, bei dem Evan gewalttätig wird, gehen die Mädchen dann doch. Aber nur, um am gleichen Abend wiederzukommen, ihn zu fesseln und ein Spiel mit ihm zu spielen, das keiner von den bisherigen Mitspielern je überlebt habe. Während der Film am Anfang an einen billigen Porno mit Dialogen à la „Warum liegt da Stroh“ erinnert, schwingt er sich im zweiten Teil zu einem pseudo-moralischen Rächer-Film auf, in dem die beiden offensichtlich psychisch völlig gestörten Protagonistinnen Evan quälen. Dabei sind sie der Meinung, völlig im Recht zu sein, da er ja seine Frau betrogen habe. Irgendeinen tieferen Sinn zu finden fällt trotzdem schwer in diesem bunten Gemetzel. Neben vielen anderen Fragen, die der Film offen lässt, erscheint somit am Ende eine als die zentralste: Wie pleite ist eigentlich Keanu Reeves?

Kinostart ist am 10.12.2015. Und zum Trailer geht’s hier. 

FOTO: Universum und SquareOne

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Freie Autorin und Studentin der Politikwissenschaft. Frankophil und mitunter zu zynisch.