Marburger Studierende fordern Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrags
Bild: Laura Schiller
Im Wintersemester 2025/26 finden sich alle Marburger Studierenden in einer eher unrühmlichen Spitzenposition wieder: Nirgendwo in Deutschland ist der Semesterbeitrag höher als an der Philipps-Universität. Durch eine Erhöhung um 45,90 Euro im Vergleich zum vorherigen Semester wurden Rekordgebühren in Höhe von 449 Euro fällig. Um die damit einhergehende steigende finanzielle Belastung für Studierende zu senken, will ein neu gegründetes Bündnis unter maßgeblicher Beteiligung des Internationalen Jugendverbands Marburg mit einer Kampagne die Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrags erreichen. Durch den Wegfall dieses Teils der Semestergebühren sollen die Kosten dauerhaft sinken. Besonders mithilfe einer Petition an das Land Hessen soll Druck für die Abschaffung des Beitrags ausgeübt werden.
Was bringt der Verwaltungskostenbeitrag?
Auf Marvin ist unter den Details aufgeschlüsselt, wie sich der Semesterbeitrag zusammensetzt. Neben dem mit Abstand teuersten Posten, dem Semesterticket, ist Geld für das Studierendenwerk, die Studierendenschaft und ein Verwaltungskostenbeitrag in Höhe von 50 Euro vorgesehen.
Um den Semesterbeitrag zu senken, hat das Studierendenparlament im vergangenen Jahr nach langer Diskussion beschlossen, den Fernverkehrsanteil des Semestertickets abzuschaffen. Dadurch reduziert sich der Beitrag im Sommersemester 2026 auf 410 Euro. Die Ersparnis fällt jedoch geringer aus, weil sich die Anteile für das Studierendenwerk (um 20 Euro) und die Studierendenschaft (um 4,20 Euro) erhöht haben.
Genau diesen in ganz Hessen einheitlich erhobenen Beitrag für die Verwaltungskosten würde die Kampagne gerne abschaffen, um die finanzielle Belastung für Studierende zu senken. Dabei wird besonders hervorgehoben, dass der Beitrag im Gegensatz zu den anderen Bestandteilen der Semestergebühren keine Leistung für die Studierenden biete. Er gleiche lediglich fehlende Investitionen der Landespolitik in den Bildungsbereich aus. Die Studierenden müssten damit selbst für die Unterfinanzierung der Hochschulbildung aufkommen, weshalb der Verwaltungskostenbeitrag als eine Art versteckte Studiengebühr angesehen werden könne. Hessen gehört seit 2004 zu den Bundesländern, die einen solchen Beitrag von den Studierenden verlangen. Aus diesem Grund richtet sich die Kampagne zur Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrages auch gezielt mit einer Petition an das Land. Argumentativ wird sich dabei sowohl auf das Menschenrecht auf Bildung als auch auf Artikel 59 der Hessischen Verfassung berufen, nach dem der Unterricht an öffentlichen hessischen Hochschulen unentgeltlich sein soll.
Weitere Ziele der Kampagne
Die Kampagne zum Ende des Verwaltungskostenbeitrags soll jedoch nur das erste Ziel des Bündnisses sein. Der Beitrag ist für die Initiator*innen ein konkreter Ansatzpunkt, der sich mit einer Petition direkt und vergleichsweise niederschwellig angehen lässt. Es gibt jedoch noch weitere Missstände, die das Bündnis mittelfristig angehen will: Neben dem Semesterbeitrag bemängelt es auch die im deutschen Vergleich relativ hohen Mensapreise. Ein weiterer Kritikpunkt ist der von der Deutschen Bahn geplante Wegfall der meisten ICE-Verbindungen nach Marburg. Die Kritik richtet sich dabei ausdrücklich auf die Anbindung der Stadt und umfasst keine Forderungen im Zusammenhang mit dem Wegfall des Fernverkehrstickets für Marburger Studierende.
Petition an den Hessischen Landtag
Während gegen diese Missstände langfristig vorgegangen werden soll, ist das zeitnahe Einreichen der Petition zur Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrags auf Landesebene beim den Hessischen Landtag zunächst das vorrangige Ziel. Orientiert wird sich dabei am Beispiel der Technischen Universität Braunschweig, wo das Studierendenparlament eine vergleichbare Petition initiierte und beim niedersächsischen Landtag einreichte. Diese forderte neben der Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrags, der in Niedersachsen sogar 75 Euro beträgt, auch eine Erhöhung der Zuschüsse für die Studierendenwerke. Die Petition führte zu einer Anhörung im Petitionsausschuss des niedersächsischen Landtags, bei der die Forderungen vorgestellt werden konnten. Nach diesem Vorbild will auch die Marburger Kampagne den hessischen Landtag in Wiesbaden erreichen. Momentan ist die Petition nur auf Papier verfügbar. Neben den von der Kampagne selbst gesammelten Unterschriften sollen auch Vertreter*innen der Fachschaften die Petition in Lehrveranstaltungen der Universität verbreiten.
studiert im Master Internationale Strafjustiz und ist seit dem Wintersemester 2024 bei Philipp. Interessiert sich journalistisch besonders für politische und kulturelle Themen.


