Senak Review #84 – Begabt – Die Gleichung eines Lebens

Senak Review #84 – Begabt – Die Gleichung eines Lebens

Wie weit sollte man gehen, um außergewöhnliche Begabungen zu fördern? Was ist das Beste für ein hochbegabtes Kind? Mit dieser Frage wird das Kinopublikum in Marc Webbs Drama „Begabt – die Gleichung eines Lebens“ konfrontiert, der ab dem 13. Juli in den Kinos läuft.

1 + 1 = 2. „So Kinder, wer von euch weiß, was 2 + 2 ergibt?“, fragt die Lehrerin Bonnie (Jenny Slate) ihre Erstklässler:innen. „Vier!“, antwortet eines der Kinder. „Wisst ihr auch was 3 + 3 ergibt?“, fragt sie weiter. „Jeder weiß, dass es sechs ist“, antwortet die siebenjährige Mary (McKenna Grace) gelangweilt und gleichzeitig genervt. Es ist zwar erst ihr erster Schultag, jedoch fühlt sie sich bereits jetzt vom Unterricht maßlos unterfordert. Daraufhin stellt Bonnie immer schwierigere Aufgaben an Mary und ich höre, wie eine Person im Saal vor mir sagt: „Alter, das kann noch nichtmal ich rechnen“. Mary hingegen löst jede noch so schwierige Aufgabe ohne Probleme.

In Begabt – Die Gleichung eines Lebens, wird Frank Adler (Chris Evans) vor die schwierige Entscheidung gestellt, die richtige Ausbildung für seine hochbegabte Nichte Mary zu finden, die er seit dem Selbstmord seiner Schwester alleine großzieht. Kurz vor ihrem Tod hatte er ihr versprochen Mary ein normales Leben zu ermöglichen, abseits von Leistungsdruck, Eliteschulen und Privatunterricht. Sie soll Freunde finden und mit gleichaltrigen spielen, nicht Tag für Tag nur vor Lehrbüchern sitzen.

Du verweigerst ihr, ihr Potenzial auszuschöpfen

Marys ehrgeizige Oma (Lindsay Duncan) hingegen sieht dies grundlegend anders. Sie möchte ihre hochbegabte Enkelin bestmöglich fördern, damit sie zukünftig eines der mathematischen Millennium Probleme lösen kann, an denen ihre Mutter vor vielen Jahren gescheitert war. Im Streit mit Frank fordert sie daher das alleinige Sorgerecht für Mary ein. Die Siebenjährige wird zum Spielball von Erziehungsberechtigten und Anwälten, die alle eine unterschiedliche Auffassung davon haben, was für sie wohl das beste sei.

Regisseur Marc Webb wurde vor allem durch Filme wie (500) Days of Summer (2009) sowie The Amazing Spiderman 1 (2012) und 2 (2014) bekannt. Mit Begabt – die Gleichung eines Lebens wendet er sich jedoch wieder dem Genre des Feel-Good-Films zu. Das Setting in einer pastellfarbenen Holzhaussiedlung in Florida und die dezent wackelnde Kameraführung kreieren ein wohliges Gefühl von Geborgenheit. Man möchte gern selbst dabei sein, wenn Mary und Frank mit dem Motorboot in Richtung Sonnenuntergang fahren oder mit dem einäugigen Kater Fred kuscheln. Webbs Familiendrama schwankt permanent zwischen Emotionalität und Humor, was durch die Musik von Rob Simonsen, ebenfalls bekannt aus (500) Days of Summer, untermalt wird. Den Kinosaal verlässt also garantiert niemand ohne ein wohlig warmes Gefühl im Bauch und ohne eine kleine Träne zerdrückt zu haben.

So schön der Film auch ist, bleiben einige Charaktere leider etwas steif. Frank, Vermieterin Roberta (Octavia Spencer) und Oma Evelyn beharren darauf, dass sie am besten wissen, was Mary braucht. Daran ändert sich trotz einigem hin und her nicht viel und es kommt zu keiner Charakterentwicklung. Die Handlung wird teils stärker durch Dialoge vorangetrieben als durch überzeugende schauspielerische Leistungen und die anfängliche Hoffnung, dass sich Antagonistin Evelyn noch zu einem mehrdimensionalen Charakter entwickelt, ging leider auch nicht in Erfüllung. Erwähnenswert ist allerdings, dass McKenna Grace mit ihren 11 Jahren in der Rolle des jungen Genies absolut überzeugend ist.

Der Film kommt am 13. Juli in die Kinos.

FOTO:  Twentieth Century Fox Film