Sneak Review #83 – Small Town Killers

Sneak Review #83 – Small Town Killers

Mordlustige und Scheidungswillige aufgepasst! Die dieswöchige Sneak-Preview lief ganz unter dem Motto: Wer zu geizig ist, sich scheiden zu lassen, lässt seinen Partner eben umbringen. Regisseur Ole Bornedal (Deliver Us From Evil) hat die Welt der Kinofilme mit „Small Town Killers“ um eine schwarze, dänische Komödie erweitert.

Was macht man eigentlich, wenn man in seiner Ehe unglücklich ist, die eigenen Ehefrauen nur noch Augen für den schwulen Tanzlehrer haben und auch im Bett nichts mehr läuft? Zu Zeiten unserer Wegwerfgesellschaft ganz einfach, man lässt sich eben scheiden. Das dachten sich auch die beiden Handwerker Edward (Ulrich Thomsen) und Ib (Nicolas Bro), deren einzige Lebensfreude ihre Freundschaft ist. Und ca. 4 Millionen Schwarzgeld, welches „heimlich“ unten im Keller lagert.
Doch genau jenes Schwarzgeld wollen die beiden eigentlich nicht in hohe Anwaltskosten und Unterhaltszahlungen stecken. Also hecken sie im volltrunkenen Kopf einen mehr oder weniger genialen Plan aus. Sie wollen ihre beiden Frauen mit einem Auftragskiller zur Strecke bringen.
Doch die beiden Frauen kommen schnell hinter die Idee ihrer Männer und entwickeln einen ganz ähnlichen Plan.

Klischee über Klischee – hier bekommt jeder sein Fett weg

Sei es der russische Auftragskiller Igor, der von den beiden Männern engagiert wurde und  während der ganzen Komödie mehr Alkohol trinkt, als irgendein dänischer Supermarkt eigentlich auf Lager haben könnte oder der langbärtige, arabische Taxifahrer, der prompt von Igor als mutmaßlicher Terrorist entlarvt und umgebracht wird.  Denn Igor (Marcin Dorocinski) hat es sich zur persönlichen Lebensaufgabe gemacht, unglückliche Menschen von ihrem unglücklichen Leben zu befreien. Und das der arabische Taxifahrer nun bei seinen 72 Jungfrauen und somit viel glücklicher ist, ist schließlich offensichtlich.

Aber auch mit Heinz (Søren Malling), wird ein weiterer typischer Charakter für eine Komödie mit in den Topf für 0815 Filme geworfen, die des trotteligen Dorfpolizisten. Doch was wäre eine Komödie voller Vorurteile ohne Homosexualität und Menschen mit Behinderung? Genau das dachte sich wahrscheinlich auch Regisseur Bornedal und ließ den schwulen Tanzlehrer Malte und seinen spastischen Lebenspartner Bent ebenfalls Teil dieser mordlustigen Komödie werden. Eigentlich hätte in diesem Film nur noch ein Dunkelhäutiger gefehlt, denn sogar die Engländer bekommen mit der eher weniger vornehmen britischen Auftragskillerin Miss Nippleworthy, die von den beiden Ehefrauen engagiert wurde.

Viele Köche verderben den Brei

Im übertragenen Sinn trifft dies, meiner Meinung nach, auch auf diese Komödie zu, die einfach zu viel von allem beinhaltet hat.
Generell war die Idee zweier Pärchen, die sich gegenseitig einen Auftragskiller auf den Hals hetzen, gar nicht schlecht und auch die Story an sich hatte Potenzial zu einer dänischen Kult-Komödie zu werden. Auch Ulrich Thomsen und Nicolas Bro haben ihre Rollen als Dumm und Dümmer exzellent verkörpert und in den beiden Frauen, die offensichtlich tief in einer Midlifecrisis stecken, konnte sich sicherlich die ein oder andere Frau mittleren Alters wiederfinden.
Jedoch waren es schlicht und ergreifend zu viele Klischees und Vorurteile, die der Komödie das Lachhafte genommen und das Lächerliche gegeben haben.
Sei es der Vorspann, der mit gezeichneten Miniatur-Penissen auch hervorragend auf einen billigen Erotikfilm hätte vorbereiten können, oder die ältere Dame, die sich am Ende des Films mit sexuellen Anspielungen nur so überschlagen hat, mich hat dieser Film hauptsächlich verstört den Kopf schütteln lassen.

Abschließend kann ich diese dänisch-schwarze Komödie jedem ans Herz legen, der sich eine unterhaltsame Zeit im Kinosaal bei guten Schauspielern, einer grundsätzlich guten Story, aber maßlosen Übertreibungen ansehen möchte.

Gelegenheit dazu gibt es ab Donnerstag, dem 15.06.2017 deutschlandweit in den Kinos.

FOTO: IMDb

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Studentin der Sprache und Kommunikation, die ihre Freizeit am Liebsten bei guter Musik, Bier und Fußball verbringt.