Sneak Review #83 – Zum Verwechseln ähnlich

Sneak Review #83 – Zum Verwechseln ähnlich

Lever le redieau! (z.Dt. Vorhang auf!) für die französische Komödie „Zum Verwechseln ähnlich“ (Orig. **Il a déjà tes yeux) von und mit Regisseur Lucien Jean-Baptiste. Die Sneak Preview hat uns diese Woche für 95 Minuten nach Frankreich entführt.

Das Pärchen Paul (Lucien Jean-Baptiste) und Sali (Aïssa Maïga) könnte es momentan in ihrem Leben nicht besser haben: ihre Hochzeit war ein riesen Fest, sie haben einen eigenen Blumenladen eröffnet, eine traditionelle senegalesische Familie als Rückhalt und ihr Haus wird auch gerade renoviert. Nur mit dem Kinder kriegen will es einfach nicht klappen. Da gibt es nur eine Möglichkeit: Adoption. Nach Jahren des Wartens kommt irgendwann endlich der langersehnte Anruf: Es wurde ein Kind gefunden, welches von den Aloka’s adoptiert werden könnte. Der kleine Benjamin ist absolut hinreißend, pflegeleicht und vor allem – weiß!

Doch Paul und Sali verlieben sich Hals über Kopf und vor allem bedingungslos in den kleinen Blondschopf. Dass dies noch zu Problemen und Missverständnissen führen könnte, lassen sie dabei völlig außer Acht. Doch Jugendamtmitarbeiterin Madame Mallet (Zabou Breitman) steht der Adoption argwöhnisch gegenüber und terrorisiert die Familie mit wöchentlichen, teils unangemeldeten Besuchen. Dass Sali bei Spaziergängen mit ihrem Sohn oder beim Kinderarzt stets für das Kindermädchen gehalten wird, verbessert die Situation nicht gerade. Aber auch die Ablehnung von Sali’s traditionell eingestellten Eltern gegenüber ihrem Enkel, welche mit dem hellhäutigen Kind vorerst nichts zu tun haben wollen und Paul’s bester Freund Manu (Vincent Elbaz), sind keine Hilfe dabei, das Jugendamt während der 6 monatigen Probephase davon zu überzeugen, dass sie eine geeignete Familie für den kleinen Benjamin sind.

Probleme der Neuzeit verpackt in französischem Humor

Die Situation spitzt sich zu, als eine Babysitterin, welche zwangsweise kurz auf Benjamin aufpassen soll, von der Polizei überprüft wird, weder Papiere mit sich trägt, noch eine Aufenthaltsgenehmigung hat und aufs Revier mitgenommen wird. Die Polizei übergibt den Jungen in die Hände des Jugendamtes und Paul und Sali verlieren ihren Sohn.

Nachdem mir ziemlich schnell klar wurde, dass es sich in der dieswöchigen Sneak Preview erneut um eine französische Komödie handeln wird, war auch eigentlich schon abzusehen, dass es ein Happy End geben wird. Und genau so war es auch. Es hat nicht lange gedauert, da konnte man sich die Thematik der Komödie ausmalen und sich auch sofort im Kopf das passende Ende bereitlegen. Und siehe da, genau so kam es auch. Diese französischen Komödien sind ungefähr genauso hervorsehbar, wie meine Getränkewahl auf Mallorca. Bier. Aber nun gut, objekiv betrachtet: Die schauspielerischen Leistungen sind durch und durch gelungen. Lucien Jean-Baptiste glänzt in seiner Rolle als Paul und auch die hübsche Sali schließt man sofort ins Herz, während die „nette“ Dame vom Jugendamt eher kühl und zugeknüpft wirkt. Alles richtig gemacht. Auch die Thematik rund um den der ewige Konflikt der unterschiedlichen Hautfarben ist hier schön dargestellt und wird mit Humor und schönen Szenen vorsichtig angesprochen. Etwas an seiner Ernsthaftigkeit verliert die eigentlich so wichtige Botschaft des Filmes, nämlich, dass die Hautfarbe keine Rolle spielt und vor allem niemals eine Bedingung für eine emotionale Bindung darstellt, leider dadurch, dass es immer wieder laute und vollkommen überdrehte Szenen gibt, in denen vor allem Sali’s senegalesische Familie unfassbar laut diskutiert oder feiert.

Alles Friede Freude Eierkuchen

Abschließend lässt sich sagen, dass es der Film geschafft hat, eine wirklich wichtige Botschaft zu vermitteln und diese gekonnt durch Charme und Humor zu untermalen. Meiner Meinung nach ein Film, welcher zu Recht aus den französischen Kinos nicht mehr wegzudenken ist und auf unterhaltsame Art und Weise die Licht- und Schattenseiten des Lebens zum Vorschein bringt. Regisseur und Hauptdarsteller Lucien Jean-Baptiste ist hier also ein empfehlenswerter Film gelungen, welcher für 95 Minuten aus dem Alltag entführt und trotzdem eine tiefgründige Botschaft mit auf den Nachhauseweg durch unser schönes Marburg gibt.

Wer sich selbst davon überzeugen möchte: Ab dem 13.07.2017 erscheint „Zum Verwechseln ähnlich“ auf den deutschen Kinoleinwänden. Reingehen, Spaß haben, Nachdenken. Es lohnt sich!

*Foto: IMDb*

 


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Studentin der Sprache und Kommunikation, die ihre Freizeit am Liebsten bei guter Musik, Bier und Fußball verbringt.