Sneak Review #114 – Wohne lieber ungewöhnlich

Sneak Review #114 – Wohne lieber ungewöhnlich

Wie cool wäre es, mit all seinen (Halb-)Geschwistern zusammen zu wohnen? Ganz allein, und die Eltern würden nur zum Putzen und Kochen vorbeikommen? Genau das hat der dieswöchige Sneakfilm „Wohne lieber ungewöhnlich“ thematisiert. Die französische Komödie von Gabriel Julien-Laferrière zeigt eine ganz neue Art des Patchwork-Zusammenwohnens.

Der 13-jährige Bastien (Teïlo Azaïs) und seine sechs Halbgeschwister haben es satt. Sie leiden unter dem ständigen Rotieren innerhalb ihrer insgesamt acht Elternteile. Doch damit soll jetzt Schluss sein. Die sieben Halbgeschwister entwickeln einen Plan, durch den sie das Patchwork-Leben vollkommen neu definieren wollen. Nicht mehr sie, sondern ihre Eltern, sollen jetzt rotieren müssen. Denn seit wann kommt der Knochen zum Hund!?

Dafür ziehen die sieben Halbgeschwister heimlich in eine große Wohnung, welche eine verstorbene Oma hinterlassen hat, und entwickeln ihren ganz eigenen Haushaltsplan für ihre Eltern. Die wissen erstmal garnichts von der ausgeklügelten Idee ihrer Kinder. Jedoch werden sie recht schnell vor vollendete Tatsachen gestellt und siehe da, nach einigen Diskussionen stimmen sie dem Plan tatsächlich zu.

»Bevor ich wusste, was Glück ist, wusste ich, dass es vergänglich ist«

Dass Hauptdarsteller Bastien diesen Satz bei der Hochzeit seiner Mutter Sophie (Julie Gayet) äußert, ist nicht verwunderlich. Schließlich ist dies bereits die dritte Hochzeit seiner Mama und der neue Mann Hugo (Lucien Jean Baptiste), sowie Sohn und somit Habbruder Gulliver (Sadia Diallo) vergrößern die Patchwork-Familie um zwei weitere Familienmitglieder. Ebenfalls Teil der Familie sind die beiden vorherigen Ehemänner von Sophie: Philippe (Thierry Neuvic) und Claude (Philippe Katerine). Sowie drei weitere Mütter und ein Vater. Dazu kommen noch die fünf Halbgeschwister von Bastien und Gulliver: Clara, Oscar, Juliette und Leopoldine und Elliot. Kein Wunder also, dass keines der Kinder mehr als ein Wochenende bei einem Elternteil verbringen kann und sich die verschiedenen Zimmer über halb Paris erstrecken. Durch das ständige Umziehen geht viel Zeit für Hobbies, Freunde und Freizeit verloren, weswegen sich die Kinder dazu entschließen, den Spieß schlichtweg umzudrehen.

Dank einem gut durchdachten Haushaltsplan der Kinder müssen immer zwei Erwachsene gleichzeitig in der Wohnung sein und anfallende Arbeiten wie Putzen, Kochen, Aufräumen oder Einkaufen erledigen. Dank diesem System kommt es jedoch dazu, dass Sophie und ihr Exmann Philippe wieder mehr Zeit miteinander verbringen und in der Ehe mit dem aktuellen Mann Hugo kriselt es dadurch gewaltig. Als Hugo dann auch noch die Wohnung, in der die Kinder alle gemeinsam leben, verkaufen möchte, um von dem Geld in London ein Restaurant zu eröffnen, spitzt sich das mittlerweile harmonische Zusammenleben zu und die Kinder müssen einen weiteren Plan aushecken.

Zudem hat Bastien auch noch das erste Mal mit der Liebe zu kämpfen. Klassenneuling Alice (Louvia Bachelier) hat dem 13-Jährigen ganz gehörig den Kopf verdreht. Doch ihre Mutter ist Maklerin und soll die zu Verkauf stehende Wohnung vermitteln. Dabei erliegt sie dem Charme von Bastien’s Vater und Hobby-Frauenaufreißer Philippe, was die ganze Situation nicht gerade einfacher macht. Ob der die Situation mit seinem Sohn und Alice wieder gerade bügeln kann und ob der Plan der Kinder gelingt, die Wohnung zu behalten, all das erfahrt ihr ab dem 17.05.2018 deutschlandweit in allen Kinos.

Französischer Humor, der zum Nachdenken anregt

Was hier so spielerisch und unterhaltsam dargestellt wurde, hat eigentlich einen ernsten Hintergrund. Regisseur Gabriel Julien-Laferrière thematisiert das gesellschaftskritische Zusammenleben einer Patchwork-Familie aus der Sicht der Kinder und zeigt deren Probleme damit auf. Durch den originellen Lösungsansatz der Kinder und dem humorvollen Umgang mit diesem Thema, gerät die wahrhaftige Problematik aber schnell in den Hintergrund und man fiebert automatisch mit den Figuren mit.

Meiner Meinung nach ist der Spielfilm ein Paradebeispiel für eine französische Komödie. Er überzeugt durch die liebevollen Charaktere, welche alle nahezu gleichberechtigt auftreten und durch ihre Macken schnell die Herzen der Zuschauer erobern. Durch die vielen unterschiedlichen Familienkonstellationen bringt der Film immer wieder neue witzige Aspekte auf, ohne albern zu wirken.

Der Film ist jedem zu empfehlen, der Sinn für Humor hat und sich gerne für gute eineinhalb Stunden in die Welt von sieben Kindern in einer turbulent-chaotischen Wohngemeinschaft entführen lassen möchte.

Filmstart ist der 17.05.2018, deutschlandweit in allen Kinos

FOTO: Neue Visionen Filmverleih

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Studentin der Sprache und Kommunikation, die ihre Freizeit am Liebsten bei guter Musik, Bier und Fußball verbringt.