Sneak Review #81 – Monsieur Pierre geht online

Sneak Review #81 – Monsieur Pierre geht online

Lacher vorprogrammiert! In der dieswöchigen Sneak-Preview wurde uns die französische Komödie »Monsieur Pierre geht online« präsentiert. Wer also am Ende des Monats sein bescheidenes Studentenbudget anderweitig investiert hat, verpasste 99 Minuten geprägt von Witzen und prototypischen französischen Filmfiguren.

Dienstagabend. 23 Uhr. Sneak-Preview. Die Menge bebt. Naja, fast zumindest. Denn als der unverkennbar französische Titel auf der Leinwand erscheint, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Unzählige schlechte, bereits gesehene, französische Filme schießen wohl nicht nur mir in den Hinterkopf. Und dann entpuppt sich das Ganze auch noch als Komödie. Das kann ja nur furchtbar werden.

Doch siehe da, mit zunehmender Minutenzahl wächst meine Empathie für das Stück und Hauptdarsteller Pierre Richards, der den alkoholliebenden, vereinsamten Wittwer Pierre spielt. Er wickelt mich mehr und mehr um den Finger. Und das scheint nicht nur mir so zu gehen. Der bereits aus Filmen wie »Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh« mehr oder eher weniger bekannte Pierre Richards verkörpert in diesem Film den alten, aber auf seine eigene Art und Weise liebenswerten Mann Pierre, der sich in die Welt des Internets begibt. Eine für ihn bis dato vollkommen unbekannte Welt.

Altherrenmanier trifft auf moderne Medien

Alles auf Anfang: Typisch für eine französische Komödie beginnt der Film mit einer blonden Schönheit, deren Haut so blass ist, dass Schneewittchen wahrscheinlich vor Neid gestorben wäre. Juliette (Stéphanie Crayencour), die Enkelin von Pierre, wie sich kurz darauf herausstellt, trifft ganz zufällig auf Alex (Yaniss Lespert), der sie, da Juliette, auf Grund der Beziehungsprobleme zu ihrem irgendwann Ex-Freund, stark alkoholisiert ist, nachts total romantisch am Eifelturm vorbei quer durch Paris nach Hause fährt. Was jetzt passiert kennen wir ja alle zur Genüge. Denkste! Juliette verpasst Alex einen schmeichelhaften Korb und verschwindet im Haus. Szenenende. 10 Sekunden Erzählzeit, aber etliche erzählte Zeit später sind Alex und Juliette dann ein Paar.

Doch der erfolglose Schriftsteller steckt finanziell gesehen ganz schön in der Patsche und verpflichtet sich Pierre die Welt des Internets näher zu bringen. Kompliziert macht das Ganze die Tatsache, dass Pierre nichts von der Beziehung zwischen seinem Internetlehrer und seiner Enkelin weiß. Doch dieser hat auf seine alten Tage das Interesse an Frauen noch nicht verloren und als er zufällig über ein Dating Portal im Internet stolpert, nehmen die Dinge ihren Lauf.

Auf Grund seines Alters als Alex ausgegeben, lernt er bald die hübsche Psychotherapeutin Flora (Fanny Valette) kennen und nutzt die finanzielle Not von Alex, um diesen auf ein erstes Rendezvous mit seiner Internetbekanntschaft zu schicken. Ob es wohl an Pierres verführerischen Chatverläufen oder doch an Alex‘ Küssen liegt – auf jeden Fall verliebt sich Flora Hals über Kopf in Alex. Und indirekt ja auch irgendwie in Pierre. Wie auch immer. Jedenfalls macht das die ganze Situation zunehmend verstrickter.

Guter französischer Humor oder doch nur eine weitere abgedroschene Komödie?

Diese Frage hat mich die ersten 20 Minuten beschäftigt. Zugegeben, einige gute und durchaus witzige Passagen waren vorhanden. Aber ist das wirklich originell oder sind das einfach aufgewärmte Phrasen? Die Story an sich kam bei dem Publikum, wie auch bei mir, erstmal echt gut an. Teilweise konnte man ganze Sätze auf Grund der Lacher und dem Gegröle aus dem Publikum nicht mehr verstehen. Aber im Nachhinein betrachtet und ganz sachlich reflektiert, bleiben mir persönlich letzten Endes einfach doch einige Fragen unbeantwortet, die den eigentlichen Verlauf der gesamten Geschichte etwas unwirklich machen. Fragen wie »Was ist eigentlich mit Juliette? Hat Alex sie zwischenzeitlich einfach vergessen?« oder »Hat Pierre eigentlich irgendwann erfahren, dass Alex und Juliette ein Paar waren? Und fände er dann die ganze Entwicklung der Ereignisse immer noch so Friede Freude Eierkuchen?«

Das sind definitiv Fragen, die man, wenn man sich den Film einfach ohne viel Nachdenken »reinzieht«, sicherlich nicht stellen wird. Aber will ich das? Will ich 99 Minuten meines Lebens in einem Kinosaal verbringen ohne eine Sekunde weiter darüber nachzudenken? Vielleicht. Ansichtssache.

Bauchmuskeln an. Hirn aus.

Meiner Meinung nach ist hier Regisseur Stéphane Robelin ein durchaus unterhaltsamer Film mit wenig Tiefgang gelungen. Gelungen? Ja, wieso eigentlich nicht. Immerhin hat mich der Film in einer von schlechten, französischen Komödien übersäten Filmwelt gute 1 ½ Stunden aus meinem Alltag herausgeholt und mich durchaus zum Lachen gebracht. 5 von 10 Gummipunkten!

Wer also auf unterhaltsame Filme ohne viel geistigen Input steht:
„Monsieur Pierre geht online“ ist ab dem 22.06.2017 auf den Leinwänden unserer deutschen Kinos zu sehen.

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Studentin der Sprache und Kommunikation, die ihre Freizeit am Liebsten bei guter Musik, Bier und Fußball verbringt.