Sneak-Review #150: Escape Room

Sneak-Review #150: Escape Room

Diesen Dienstag erstrahlte auf der Sneak-Leinwand Adam Robitels „Escape Room“. Sechs Fremde finden sich in einem Real Life Escape-Room wieder, doch das Spiel kippt bald und auf der Suche nach dem Ausgang finden sie zwischen Rätseln nicht nur zu sich selbst, sondern auch den Tod.

Per Post erhalten die drei Protagonisten Zoey (Taylor Russell), Ben (Logan Miller) und Jason (Jay Ellis) jeweils einen mysteriösen Kubus. Alle drei schaffen es, diesen zu öffnen, welches durch eine Einladung in einen Escape Room belohnt wird – wer diesen Escape Room in der vorgegebenen Zeit meistert, gewinnt 10.000 Dollar.

Im Gebäude des Rätsels angekommen, wird die Gruppe um drei weitere Auserwählte ergänzt und die gemeinsame Flucht beginnt. Es müssen mehrere Räume durchquert werden, jeder weißt Denkaufgaben auf, welche unter Zeitdruck gelöst werden müssen, um in den nächsten Raum zu gelangen. Schnell wird klar, dass aus dem Spiel beklemmender Ernst wird. Die Räume beinhalten Fallen und versuchen die zu Probanden werdenden Teilnehmer:innen zu töten. Mit Fortlauf des Films und der einhergehenden Minimierung der Gruppe finden die Protagonisten immer mehr über sich selbst als auch über ihre eigenen Schattenseiten heraus und versuche ihre Peiniger, welche anscheinend das Labyrinth auf sie angepasst haben, ausfindig zu machen. Neben den eigenen Traumata durchqueren sie Szenarien wie eine tödlich kalte Eislandschaft, eine auf dem Kopf stehende Bar, deren Boden langsam wegbricht, einen an Terry Gilliam anmutenden Drogen-Trip und ihre ganz persönlichen Krankenhauserfahrungen.

In Richtung Showdown wird sich zunehmend mit den Strippenziehern der Escape Room-Hölle beschäftigt. Die letzten Überlebenden versuchen das große Ganze zu erfassen und werden von den sich auftuenden Dimensionen und Strukturen überrascht. So scheint der Überlebenskampf mit der Flucht aus den tödlichen vier Wänden noch nicht geschlagen zu sein.

In Durchschnittlichkeit überbieten

Robitels Hybrid aus Abenteuer-Film und Psycho-Horror versucht mit einer der stereotypischsten Schicksalsgemeinschaften der Filmgeschichte unkonventionelle Wege zugehen – und dabei verrennt der Regisseur, bekannt für das „Insidious“-Franchise, sich gewaltig im eigenen Labyrinth. So schafft es jeder in der Gruppe, trotz der Alleinstellungsmerkmale des jeweiligen Charakters, Rätsel unabhängig zu lösen. Nicht jedes Mathematik-Rätsel muss hier von der introvertierten, strebsamen Physik-Studentin gelöst werden, sondern auch der stumpfe, aber herzliche Trucker hat gute Ideen. Ein netter Ansatz, jedoch wirkt es im Kontrast mit der Eindimensionalität der Charaktere zu gewollt. Neben der Streberin und dem Trucker gibt es noch den Selfmade-Businessman, den hängengeblieben Kiffer, die Veteranin, welche ihren Beruf geheim hält, und den Tech-Nerd, der die Realität der Gefahr verkennt. Natürlich hat jede:r, wirklich jede:r, exakt eine spezifische, düstere Hintergrundgeschichte, die an einem Punkt der Geschichte in den Vordergrund tritt – via Backflashes.
Angenehm ist, dass der Film nicht in jedem Raum die Gruppe um ein Mitglied erleichtert und wie die Protagonisten als Team arbeiten, ohne sich gegenseitig selbstsüchtig auszuspielen.

Doch aufgrund der fehlenden Tiefe und der klischeehaften Darstellung der Akteur:innen, kommt es weder zu einer Identifikation mit ihnen, noch zu einem Mitfiebern bei den Abenteuern. Die Rätsel sind so in Szene gesetzt, dass der:die Rezipient:in nicht mit raten kann, die Lösungen oft an den Haaren herbeigezogen und nur Zweck zum Voranbringen der Handlung sind. Die Prämisse und sich gegen Ende enthüllende Intention der Ingenieure des Horror-Szenarios erinnert an Tiefe und geistigem Reichtum an die Auflösung in der Purge-Reihe.
Der Film hält sich an bekannte Muster und kommt nicht mit unerwarteten Wendungen daher, was leider in diesem Genre unabdingbar ist. Dies ist schade, da das Setdesign herausragend gestaltet ist. Die Ideen der einzelnen Räume sind angsteinflössend, kommen oft unerwartet und tragen über weite Strecke alleine die Spannung und Handlung.

Es wird sich nichts ändern, wenn man weiter hinschaut

Und eben diese Spannung zieht sich relativ stringent durch den Streifen. Obwohl Handlungen nach Schema F ablaufen und Charaktere oberflächlich sind, ist „Escape Room“ durchaus spannend und lassen mich das Screening nicht bereuen. Würde ich „Escape Room“ weiterempfehlen? – Nein. Wäre ich beim Zappen auf dem Sofa beim Film geblieben? – Vermutlich ja.

„Escape Room“ startet am 28. Februar in den deutschen Kinos.

FOTO: Sony Pictures.

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