Sneak-Review #151: Vice – Der zweite Mann

Sneak-Review #151: Vice – Der zweite Mann

Adam McKay inszeniert die enthüllende Biografie des ehemaligen amerikanischen Vize-Präsidenten Dick Cheney. Was ist von „Vice – Der zweite Mann“ zu erwarten? Das lest ihr in dieser Ausgabe der Sneak-Review.

Vize-Präsidenten sind seit jeher die Männer, die im Hintergrund den Präsidenten beklatschen und darauf warten, dass dieser entweder eine Straftat begeht oder stirbt. Solche Gedanken hatte auch Dick Cheney (Christian Bale), oder besser gesagt seine Frau Lynne (Amy Adams), bevor dieser das Amt nach seinen Vorstellungen ummodelte und somit zu einem der mächtigsten Männer der Welt wurde und die USA für immer veränderte.

Vom Säufer zum Politiker

Als junger Mann schlug sich Dick durchs Leben, stellte als einfacher Arbeiter Strommasten auf, nachdem er seine Studienzeit in Yale lieber mit Alkohol als mit Lernen verbrachte. Nach einer weiteren durchzechten Nacht, stellt ihn Lynne vor die Wahl. Entweder er macht etwas aus seinem Leben oder sie ist weg. Für Dick ist dies Ansporn genug und er beginnt seine politische Karriere, zunächst als Laufbursche von Donald Rumsfeld (Steve Carell). Durch seine ruhige, aber kluge und bedachte Art steigt Dick schon bald die Karriereleiter empor, bis er Stabschef unter Gerald Ford wird, später sogar Verteidigungsminister unter George H. W. Bush. Während der Amtzeit von Bill Clinton verabschiedet er sich kurzzeitig aus dem politischen Milieu.
Eines Sonntagsmorgens klingelt das Telefon, George W. Bush (Sam Rockwell) wünscht sich Dick als Vize-Präsidenten. Dick und vor allem seine Frau Lynne sind nicht begeistert von dieser glanzlosen Position. Dick wittert jedoch seine Chance. Mithilfe juristischer Beratung findet er Wege, mit Bush eine Abmachung zu schließen, die ihm als Vizepräsident weitreichende Macht versprächen. Davon überzeugt, seine eigene Agenda verfolgen zu können, lässt er sich zum Vizepräsidenten wählen. Was folgt, sind acht Jahre Krieg, Leid und Terror im nahen Osten.

Macht zum Schaudern

Wer Dick Cheney eigentlich ist, wissen sicher einige vom Hörensagen. Selbst die Amerikaner sind sich aber anscheinend nicht alle sicher, was er getan hat und wieviel er bewirkte in seiner politischen Laufbahn. „Vice – Der zweite Mann“ möchte aufklären und diese Wissenslücke schließen. Dabei hat der Film auch etwas von einem Enthüllungsbericht. Wie gut McKay recherchierte und wieviel Wahrheitsgehalt im Film steckt, was Übertreibung und was hinzugedichtet wurde, das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es schockt jedoch zu sehen, wie viel Macht ein Mann in den USA haben kann, wenn er skrupellos genug ist, seinen Willen durchzusetzen. McKay geht dabei mit viel Humor, einer erfrischenden Erzählweise und mit gut gesetzten Schockmomenten um. Zudem bietet er eine tolle Übersicht über die Zusammenhänge zwischen den Anschlägen vom 11. September und den Kriegen in Afghanistan und im Irak. „Vice“ ist eine Geschichtsstunde in amerikanischer Kriegstreiberei und gleichzeitig eine Kritik an der republikanischen Politik in den USA, die auf der anderen Seite des Atlantik hoffentlich so einigen zu Denken geben wird.

„Vice – Der zweite Mann“ startet am 21. Februar in den deutschen Kinos.

Foto: Universum Film

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Redaktion, studiert Sprache und Kommunikation. Meist auffindbar zwischen Couch und Lahn.