Sneak-Review #124 – Papillon

Sneak-Review #124 – Papillon

Diese Woche gab es in der Sneak einen Gefägnisfilm von Michael Noer mit Charlie Hunnam und Rami Malek. Wohl gemerkt ein Remake des Klassikers aus dem Jahre 1973. Ob es besser oder schlechter als das Original ist, lest ihr hier.

Paris, Anfang der 1930er Jahre. Der aufstrebende Dieb Henri „Papillon“ Charrière (Charlie Hunnam) begeht einen verhängnisvollen Fehler. Nachdem er bei seinem letzten Auftrag einen Teil der Beute für sich und seine Liebschaft zurückbehält, wird er von seinen Arbeitgebern hintergangen. Ihm wird ein Mord angehängt, er bekommt lebenslänglich. Zu dieser Zeit hieß das in Frankreich: Deportation nach Saint-Laurent, Französisch-Guayana. Schnell wird deutlich, dass Papillon nicht vor hat, seine gesamte Haftstrafe abzusitzen.

Auf der Überfahrt von Frankreich nach Südamerika lernt er den berühmten und millionenschweren Fälscher Louis Dega (Rami Malek) kennen. Die beiden treffen eine Vereinbarung: Louis finanziert jede Flucht, die Papillon organisieren kann. Im Gegenzug sorgt Papillon dafür, dass ihm nichts geschieht.

Flucht ist Dauerthema

In Saint-Laurent angekommen, finden sich die beiden im absoluten Elend wieder. Die Insassen werden wie Tiere behandelt, denen keinerlei Respekt gebührt. Die Wärter sind grausam, scheuen vor nichts zurück. So kommt es schonmal vor, dass ein Insasse totgeprügelt wird. Die Leiche lässt man verschwinden. Es ist ein Ort ohne Recht und Gerechtigkeit. Und auch unter den Insassen gibt es Feindschaften. Papillon und Louis wurden zum Trassenbau eingeteilt, bei welchem der schmächtige Louis schon bald zusammenklappt. Papillon muss ihn vor erboßten Mitinsassen verteidigen.

Der erste Fluchtversuch geschieht sehr spontan und scheitert, woraufhin Papillon für zwei Jahre in Isolationshaft muss, ohne ein Wort sagen zu dürfen. Es gelingt ihm, nicht wahnsinnig zu werden und er überlebt diese Zeit. Auf der Krankenstation trifft er Louis wieder, der mittlerweile eine Position als Buchhalter einnehmen konnte, was ihm wichtige Privilegien verschaffte. Zusammen mit dem ehemaligen Matrosen Celier (Roland Møller) und einem weiteren Insassen, planen sie den nächsten Ausbruch. Während eines Stromausfalls schleichen sie sich aus dem Lager und verschwinden im Dschungel, wo sie von einem Kontakmann ein Boot kaufen und damit zur See hinausfahren. Doch das Boot leckt und droht auseinanderzufallen. Im Streit wird Celier erstochen und die drei verbleibenden müssen durch einen Sturm.

Ungenutztes Potential

Wie auch schon sein Vorgänger möchte „Papillon“ die erdrückende Ungerechtigkeit, Grausamkeit und Unmenschlichkeit in dem Straflager Saint-Laurent darstellen. Auch um dem Buch und dem Vermächtnis Charrières gerecht zu werden. Diese kritische Auseinandersetzung mit der französischen Geschichte und den dunklen Seiten der Kolonialisierung schafft der Film von Michael Noer nicht. Man merkt, wie es einen in den Bann ziehen möchte und einlädt, sich in die Lage der Gefangenen hineinzuversetzen. Leider treten zu oft Handlungslöcher und Zeitsprünge auf, mehrmals und über mehrere Jahre. Man verliert den Überblick darüber, wieviel Zeit nun eigentlich vergangen ist. Das macht es schwer, mit den Protagonisten mitzuleiden.

„Papillon“ ist ohne Frage ein guter Film. Zu keinem Zeitpunkt sitzt man gelangweilt im Kino. Langatmigkeit ist diesem Film fremd. Sympathische Charaktere, schöne Orte, Bilder, der Klang ist gut. Und trotzdem überzeugt er nicht bis zum Schluss. Gerade gegen Ende hin wird es sehr diffus und es wird unklar, was uns Michael Noer vermitteln möchte. Wahnsinn, Einsamkeit, Freundschaft? Wirklich actionsreich wird es auch nicht. Es ist kein eben kein Blockbuster. Wer weder Steve McQueen noch Dustin Hoffman mag, die im Original die Hauptrollen spielten, wird hier sicherlich seinen Kompromiss finden.

“Papillon“ starten am 26. Juli in den deutschen Kinos.

FOTO: Constantin Film

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Redaktion, studiert Sprache und Kommunikation. Meist auffindbar zwischen Couch und Lahn.