Sneak Review #135: Bad Times at the El Royale

Sneak Review #135: Bad Times at the El Royale

Es gibt Hotels und es gibt das El Royale. Wer hier absteigt, kann sich auf eine echt miese Zeit gefasst machen, wenn es nach den Machern des Sneak-Films dieser Woche geht. Wie schlägt sich Drew Goddards zweite Regiearbeit „Bad Times at the El Royale“, werden wir königlich unterhalten und lohnt sich ein Kinobesuch?

USA, 1969. Exakt auf der Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada liegt das „El Royale“. Das einstige Kulthotel, das sich in besseren Zeiten mit Gästen von Rang und Namen schmücken konnte, glänzt noch immer mit Gold und schickem Leder. Der Schein trügt jedoch, denn das „El Royale“ birgt ein delikates Geheimnis. Und auch die Gäste sind nicht immer das, was sie scheinen.

Gehen ein Priester, eine Sängerin und ein Vertreter in ein Hotel

Es könnte ja auch ein ganz normaler Tag sein. Der Priester Father Daniel Flynn (Jeff Bridges), die Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo) und der chauvinistische Staubsaugervertreter Seymour „Laramie“ Sullivan (Jon Hamm) wollen in ein scheinbar ganz normales Hotel einchecken. Naja, fast normal. Denn es besteht die Wahl zwischen einem Zimmer in Kalifornien und einem Zimmer in Nevada. Jedoch scheitert die schon am nicht aufzufindenden Concierge Miles Miller (Lewis Pullman), der, erst nachdem Darlene an die Tür hämmert, leicht zersaust aus seinem Hinterstübchen kommt. Miller ist anzumerken, dass ihm die Warterei und sein Auftreten mehr als unangenehm zu sein scheint. Als dann auch noch Emily Summerspring (Dakota Johnson) mit viel Getöse und scheinbar ziemlich schlechter Laune auftaucht, kommt die Erwartung eines eher unharmonischen Aufenthaltes auf.

Im Verlaufe der stürmisch regnerischen Nacht beginnen die Gäste damit, sich zunehmend dubioser zu verhalten. Während die einen ihren Gesang vor dem Spiegel üben, reißen die anderen den Zimmerboden auf. Wieder andere untersuchen ihr Zimmer penibel auf Wanzen, manche führen anscheinend etwas im Schilde. Und was macht eigentlich der Concierge in seinem Hausmeisterzimmer? Die Handlung bietet viele Überraschungen, weshalb an dieser Stelle nur so viel verraten werden kann: Es wird blutig.

Ein Hauch von Tarantino

Der Hergang erinnert stark an Filme wie „The Hateful Eight“. Der Film beginnt zwar mit einem Schocker, der ansonsten langsame und noch oft humorvolle Einstieg bieten aber ansonsten keine Möglichkeit, den Verlauf der Geschichte vorherzusehen. Dies wird mit zunehmender Brutalität aufgehoben und der Film gewinnt bald an Ernsthaftigkeit. Immer mehr dunkle Geheimnisse werden aufgedeckt.

Anscheinend hat jeder der Charaktere irgendetwas zu verbergen, bis zum großen Knall wird sich aber viel Zeit gelassen. Dadurch wirken einzelne Passagen leider etwas langatmig und unnötig. Der Spannungsbogen ist vielmehr eine Spannungsachterbahn. Die Charaktere sind teils sympathisch, teils abartig unsympathisch und sind nicht immer leicht einzuschätzen. Gut und Böse wechseln sich ab und wer heil aus der Sache raus kommt, ist bis zum Schluss ungewiss. Die Ankunft des charismatischen, manipulativen Sektenfürer Billy Lee (Chris Hemsworth), der stark an Charles Manson erinnert, steigert die Gewalt noch einmal.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

„Bad Times at the El Royale“ ist genau das, was der Titel vermuten lässt. Eine Geschichte über eine echt miese Zeit in einem echt miesen Hotel, in der einzelne Schicksale ungünstig aufeinandertreffen. Darauf muss man sich einlassen können und diese Art Film muss man mögen. Wenn diese beiden Kriterien aber erfüllt sind, verspricht der Film eine gute Zeit in Form von 140 Minuten guter bis sehr guter Unterhaltung. Nicht zuletzt aufgrund der schauspielerischen Leistung von Jeff Bridges und Lewis Pullman, die in ihren Rollen sehr überzeugen. Cynthia Erivo besitzt eine grandiose Stimme und die wiederkehrenden Gesangseinlagen mit teils bekannten Soul-Songs unterstützen hervorragend die Atmosphäre der amerikanischen 60er Jahre. Chris Hemsworth steht  mit entblößter und geschwellter Brust da und verkörpert den Wahnsinn und die Absurdität einer völlig fehlgeleiteten Hippiekultur.

Die perspektivische Erzählweise aus dem Blickwinkel der einzelnen Charaktere ist, was den Film besonders und abwechslungsreich macht und stets spannend hält. Einziger Wermutstropfen ist die fehlende tiefere Botschaft. Glaube, Sünde und Vergebung, Recht und Unrecht spielen oftmals eine Rolle, jedoch kann der Film die Erwartung nicht erfüllen, dem Zuschauer etwas bestimmtes vermitteln zu wollen. Am Ende dienen diese Merkmale nur der Charakterdifferenzierung und oftmals auch dem Plot. Außerdem fehlt das gewisse etwas, das den Film zu einem Klassiker machen könnte. Gute Unterhaltung verspricht er dennoch allemal.

„Bad Times at the El Royale“ startet am 11. Oktober in den deutschen Kinos.

Foto: 20th Century Fox

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Redaktion, studiert Sprache und Kommunikation. Meist auffindbar zwischen Couch und Lahn.