Marburg, deine Künstler: Bazouka Groove Club

Marburg, deine Künstler: Bazouka Groove Club

Wir sitzen auf Bastis Sofa und trinken Kaffee. Es sind nicht alle Bandmitglieder da, Marcus und Niklas fehlen. Das wäre ansonsten auch lang geworden, denn sie reden alle recht gern. „Bazouka Groove Club“ ist in Marburg mittlerweile eine der bekannteren Bands: Sie haben schon am Schloss bei 3-Tage-Marburg sowie auf vielen Festivals gespielt und haben es bei dem Bandcontest Emergenza bis ins deutschlandweite Finale in Köln geschafft. Wir haben mit ihnen über Musik, Vergangenheit und Zukunft gesprochen.

PHILIPP: Um mal gleich zur Sache zu kommen: Was ist das eigentlich für ein Name?

Joschi: Ich will die Frage nicht beantworten, die kam schon zu oft… Wir waren halt sternhagelvoll und haben uns den Namen ausgedacht.
Basti: Wir denken einfach, dass in Zeiten wie diesen… Menschen, die sind alle wie Panzer, die machen alle zu. Da soll nichts mehr dran kommen, die sind abgestumpft von allem, was wir hier sehen. Und deshalb die Bazooka, damit wir mit der Panzerfaust diese Panzer brechen (lacht).
Flips: Wir waren einfach betrunken und haben uns den Namen ausgedacht.
Basti: Ja, es hat Monate gedauert, bis wir einen Namen hatten. Und „Bazouka Groove Club“, da war jeder irgendwie ein bisschen mit zufrieden.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?

Basti: Laut. Also welchen Stil? Grob runter gebrochen: Rap-Rock.
Flips: Ja, melancholisch bis böse.

Wie lange gibt es euch schon?

Flips: Vier einhalb Jahre gibt’s uns jetzt.

Und woher kennt ihr euch?

Flips: Ich habe mit Bastis Bruder in einer WG gewohnt und darüber haben wir uns kennengelernt. Wir haben dann irgendwann Musik gemacht, den Joschi kannte ich aus Marburg und die anderen auch. Der Joschi hat den Niklas mitgebracht, ich habe den Marcurs mitgebracht. Patchwork halt.
Joschi: Aus alten Bands einfach recycelt.

Wann seid ihr das erste Mal aufgetreten?

Flips: Im Februar 15 im Theater, den Tag danach war die erste Emergenza Show.
Joschi: Und zwei Wochen später war dann das Mano.

Wieso sollte man zu euren Auftritten kommen?

Basti: Naja, wenn man Bock auf Musik hat, ein fettes, lautes Rockkonzert.
Flips: Wenn man mal ein bisschen Druck ablassen will, geht das glaube ich auch ganz gut.

Aber warum genau zu euch? Es gibt ja schließlich noch viele andere Bands, die man sich geben könnte.

Basti: Ja, aber keiner macht deutschen Rap-Rock
Flips: Niemand, niemand macht das (lacht). Also zu den Konzerten kommen in erster Linie, um Spaß zu haben.
Joschi: Einen guten Mix aus Ballerei und halbwegs sinnvollen Texten.

Wer ist bei der Produktion für was verantwortlich?

Flips: Also die Texte schreibt der Basti, Musik machen wir alle.
Joschi: Also wenn wir einen Song schreiben, gehen wir eigentlich alle in den Proberaum, jeder stellt sich an ein Instrument und dann geht es los. Und dann gucken wir, was dabei raus kommt. Meistens sehr viel Kacke, aber manchmal auch gute Sachen.

Ihr habt ja diesen Sommer nicht so viele Konzerte gespielt wie sonst. Was habt ihr gemacht?

Joschi: Also der Basti hat seinen Bachelor geschrieben (Applaus und Lachen), dann hat der Marcus seine Berufsausbildung abgeschlossen, der Niklas hat seine Berufsausbildung abgeschlossen und da waren viele Prüfungen im Weg.
Flips: Ich habe mich für die Uni beworben (lacht).
Joschi: Dann haben wir gedacht, wir machen jetzt ein Album und lassen uns dafür einfach Zeit.
Flips: Die Entscheidung, weniger zu machen, haben wir eigentlich schon letzten Herbst getroffen. Wir haben also wirklich aktiv an den Sachen geschrieben, die jetzt auf der Platte sind.

Also ein neues Album?

Basti: Ja, eigentlich das erste richtige Album. Wir haben vor zwei Jahren schon eine EP raus gebracht und jetzt haben wir uns auch ein ganzes Jahr Zeit genommen für dieses Album.

Was erwartet den aufmerksamen Zuhörer auf dem Album?

Flips: Nimm die alte Platte und mach es noch ein bisschen düsterer und noch ein bisschen rockiger.
Basti: Also fröhlicher Pop ist es nicht.
Flips: Man sollte auch schon aktiv zuhören, wenn man sich mit der Musik auseinandersetzen will.

Wann kommt das Album raus?

Flips: Dezember.
Basti: Am 14. Dezember haben wir die Release-Party in der Alten Mensa und gehen danach runter ins Q, einen wunderschönen Kulturladen in Marburg, der unterstützt werden sollte (lacht). Da feiern wir dann noch eine Aftershow-Party.
Joschi: Die digitale Release ist aber schon vorher, am 1. Dezember, geplant.

Gibt es sonst noch etwas, womit man sich bis zum 1. Dezember die Zeit vertreiben kann?

Joschi: Crowdfunding. Man kann uns Geld schenken, zum Beispiel (lacht).
Basti: Wir haben noch Songs auf Youtube und iTunes, aber halt die alten. Ansonsten kommt vor der Release noch ein Song und bestenfalls auch noch ein Video. Es ist noch nicht alles in trockenen Tüchern, aber in den Startlöchern allemal.
Flips: Wir sind stets bemüht (lacht).
Joschi: Ansonsten haben wir auch noch Konzerte vorher, in Gießen spielen wir zum Beispiel noch am 6.11. im Ulenspiegel.

Warum sollte ich mir das Album also kaufen?

Basti: Also die Musik finde ich schon mal schön, weil man einfach mal losbrechen kann. Also es sind krasse Brüche drin, es ist dreckiger, es ist ein bisschen wuchtiger. Mehr Energie vor allem, die wir jetzt auch auf der Bühne einfach mal rauslassen können. Also es ist nichts zum entspannt hinsetzen und nebenbei hören.
Flips: Es lohnt sich auch, das Album am Stück zu hören.
Basti: Ja, das Ding heißt „Tapetenwechsel“ und wir haben uns auch wirklich Mühe gegeben, dass da eine Linie drin ist und dass da auch wirklich ein Zeichen von Veränderung in den Liedern angesprochen wird… und dass es vielleicht auch nicht nur was für die Öhrchen, sondern auch für den Kopf ist, dass man da in einer sicheren Umgebung seinen Frust rauslassen kann, der sich in der Woche so angestaut hat.

Habt ihr, abgesehen von dem Album, noch weiterführende Pläne? Zukunftspläne?

Flips: Im Laufe des nächsten Jahres würden wir auf jeden Fall gerne auf Tour gehen und dann wahrscheinlich auf Festivals spielen.
Joschi: Genau. Dann auch einfach immer mal wieder neue Sachen.

Also nicht zwangsläufig im Format „Album“?

Joschi: Ne genau. Wenn man einen coolen Song hat, nimmt man den einfach auf und haut ihn raus.
Basti: Wir sehen das Album jetzt als Grundstein, als Sprungbrett. Damit können wir dann auch Werbung machen bei den Festivals.
Joschi: Auch angenommen, man würde sich jetzt bei kleinen Labels bewerben, dann können die mit einem Album auch mehr anfangen als nur mit drei Songs.

Ein Schritt in Richtung Professionalität?

Basti: Ja! Großes Ausrufezeichen.
Joschi: Das ist der Plan. Wenn wir uns alle am Riemen reißen.
Flips: Ist halt nicht nur Spaß, sondern auch Arbeit.
Joschi: Ja, ist eben viel Zeit, die man da rein steckt.
Basti: Aber es macht auch Bock. Also am Ende, wenn du siehst, die Leute fühlen genau das gleiche was du auch fühlst, gehen genau dann ab, wenn du gerade los brichst, dann ist das schon ein schönes Gefühl.

FOTO: Analog Weekend

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studiert Linguistik und Politikwissenschaft und ist regelmäßig wieder über ihren Kaffeekonsum erstaunt.