Sneak-Review #161: Brightburn

Sneak-Review #161: Brightburn

Ziemlich brutal wurde es diese Woche in der Sneak mit dem Film Brightburn von Regisseur David Yarovesky. Dabei wird ein Alien in menschlicher Gestalt als Baby von einem Paar adoptiert, entwickelt aber in der Pubertät einige aggressive Neigungen. Ob das funktioniert, lest ihr hier.

Tori und Kyle Breyen (Elizabeth Banks und David Denman) wünschen sich ein Kind, die Versuche bleiben allerdings erfolglos. Eines Nachts schlägt vermeintlicher Asteroid neben ihrem Haus ein, daneben finden sie ein Baby. Sie adoptieren den kleinen Jungen und ziehen ihn als ihren Sohn auf. Als Brandon (Jackson A. Dunn) zwölf Jahre alt ist, entwickelt er zunehmend aggressive Verhaltensweisen, die zunächst aber auf die beginnende Pubertät geschoben werden.

Alles beginnt damit, dass Brandon schlafwandelnd in die Scheune läuft, offenbar wie magisch angezogen von einem roten Leuchten unter einer verriegelten Falltür und Stimmen in seinem Kopf. Diese Stimme ist es scheinbar auch, die ihn dazu bewegt, immer aggressiveres Verhalten an den Tag zu legen. Zunächst meuchelt er die Hühner seiner Eltern, dann bricht er einer Mitschülerin die Hand, nachdem sie ihn im Unterricht beleidigte. Und das ist erst der Anfang.

Viele Jump Scares, viel Brutalität, wenig inhaltlicher Tiefgang

Einen roten Faden findet man in diesem Film nur in Brandons Superhelden-Maske. Die Story beschränkt sich darauf, das Brandon zunehmend böser und brutaler agiert. Die Logik dahinter fehlt allerdings. Zu Beginn ist noch recht klar, wieso er welche Leute verletzt oder tötet. Es wird dann jedoch recht schnell deutlich, dass er die Welt einnehmen will (auch das hat er von der mysteriösen Stimme eingeflüstert bekommen), aber davon dürfen bitte seine Adoptiveltern nichts erfahren. Warum die armen Hühner dran glauben mussten, erfahren die Zuschauer:innen nicht.

Der Spannungsaufbau vollzieht sich wenig durch die Story, sondern soll zu einem großen Teil durch Brutalität – zum Beispiel, wenn ewig lange auf ein blutiges Gesicht ohne Kiefer gehalten wird – und Jump Scares, von denen es gefühlte Einhundert gibt. Wobei Brutalität und Spannung ja eigentlich zwei verschiedene Paar Schuhe sind, allerdings könnten die teils wirklich extremen „Gewaltspitzen“ den ein oder anderen Horrorfilmfan erfreuen. Schade ist, dass Brandon offenbar an keinem inneren Zwiespalt zwischen der Liebe zu seinen Eltern und seinen aggressiven Neigungen leidet. Zerrissenheit ob der Entwicklung ihres Sohnes kann nur seine Adoptivmutter auf die Leinwand bringen. Was der Auslöser dafür ist, dass Brandon plötzlich Stimmen hört und sich dementsprechend entwickelt, erschließt sich den Zuschauer:innen nicht.

Aus einer spannenden Grundidee macht Brightburn leider wenig. Abgesehen von der wirklich bad-ass Abspannmusik ist aus der Idee ein 0815-Horrorfilm geworden, der so ziemlich alle Genreklischees bedient. Wer Spaß an einem Horrorfilm mit vielen Jump Scares hat und keinen allzu starken Wert auf inhaltlichen Tiefgang legt, sollte sich Brightburn ansehen. Alle anderen können sich das eigentlich sparen.

Brightburn startet am 20. Juni in den deutschen Kinos.

FOTO: Sony Pictures

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studiert Linguistik und Politikwissenschaft und ist regelmäßig wieder über ihren Kaffeekonsum erstaunt.