PHILIPP mag: Das Shopping-Verhalten der Bundeswehr

PHILIPP mag: Das Shopping-Verhalten der Bundeswehr

Was jeder weiß: Shopping Queen ist eines der beliebtesten deutschen Fernsehformate. Was keiner weiß: Das ganze Prinzip ist geklaut! Als Guido Maria Kretschmer 2012 das erste Mal die immer gleichen Outfits der Kandidatinnen in den Himmel lobte oder verbal zerriss, hatte die Bundeswehr es schon längst verstanden: Wichtig ist nicht, was du kaufst, sondern wie du dich selbst und dein kürzlich erstandenes Etwas präsentierst.

Letzte Woche wurde bekannt, dass es der Bundeswehr für den Nato-Einsatz 2019 an weiterer Ausrüstung fehlt. Da hört man direkt die Stimmen im Kopf: „Was kann die Bundeswehr eigentlich?“ „Die wirft Steuergelder zum Fenster raus,“ usw. Aber jetzt mal ehrlich. Wer hat, der hat. Was aus diesen Aussagen spricht, ist der pure Neid. Nur weil ihr es euch nicht leisten könnt, 680 Millionen Euro für eine Drohne, die in Deutschland nicht zugelassen ist und daher nicht fliegen kann, auszugeben, wollt ihr es auch niemand anderem gönnen. Vernünftig diskutieren kann man mit euch vom Neid Zerfressenen auch nicht, da ihr ja die Wahrheit mit Löffeln gegessen habt. Was soll’s, haters gonna hate.

Das wird man sich ja wohl noch gönnen dürfen

Denn wir brauchen die Bundeswehr genau so, wie sie ist. Schließlich kann man sich nur richtig präsentieren, wenn man – das weiß auch Guido Maria Kretschmer – authentisch ist und sich nicht verstellt. Und Authentizität brauchen wir. Also danke, liebe Bundeswehr. Danke, dass du so bist, wie du bist. Du zeigst uns, was wichtig ist im Leben. Nämlich alles mal ein wenig lockerer zu sehen und sich auch mal was zu gönnen. Willst du eine Strickleiter für 7.000€? Kauf sie dir! Passt der Rettungsringständer für 14.000€ farblich besonders gut zur Reling? Dann bezahl‘ ich ihn dir!

Was wäre das denn für ein Leben, wenn man sich selbst nie mal etwas Gutes tun kann. Und wenn wir einmal ehrlich sind, kennen wir es doch alle. Manchmal kaufen wir Dinge einfach, weil wir sie schön finden. Gut, dass letzte Paar Schuhe war nicht zwangsläufig nötig, aber sie sahen einfach so gut aus. Zugegeben, dafür musste man sich gegen Ende des Monats von Instant-Nudeln ernähren, aber das war es wert! Also tut nicht so, als könntet ihr die Bundeswehr nicht verstehen. Natürlich hätte man die Strickleiter auch für 300€ im Baumarkt kaufen können, aber stilecht wäre sie dann nicht gewesen. Dafür kann man auch mal in Kauf nehmen, dass jetzt kein Geld mehr für Winterkleidung und Zelte da ist.

Seid mal nicht so kleinkariert!

Vor allem aber ist die Bundeswehr ein waschechter Samariter. Wie oft ist es euch schon passiert, dass ihr das Bad doch nicht mehr an dem vorgesehenen Tag putzen konntet? Oder das Geschirr doch noch zwei Tage länger in der Küche steht? Passiert den Besten. Aber in diesen Fällen ist man eben auf die Nachsicht der Mitbewohner:innen angewiesen. Ja, die Kampfhubschrauber Tiger sollten eigentlich zur Bekämpfung sowjetischer Panzer im Kalten Krieg eingesetzt werden, kamen allerdings erst 2010. Manchmal funktioniert der Zeitplanung eben nicht hundertprozentig. In dem Fall ist man halt auf die Gunst der anderen, also der Bundeswehr, angewiesen. Hier könnten sich andere Ministerien vom Verteidigungsministerium mal was abgucken. Seid nicht immer so kleinkariert! Auch die Rüstungsindustrie muss ihr täglich Brot verdienen. Zum Glück gibt es die Bundeswehr, die sich auch bei um Jahrzehnte verspäteten Lieferungen nicht so anstellt.

Deshalb, liebe Bundeswehr, bleib so, wie du bist. Verstell dich nicht, gönn‘ dir mal was und lass dir nichts von den Hatern einreden. Wir wollen dich authentisch!

FOTO: Erich Backes (U.S. Army Foto, Gemeinfreies Werk)

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studiert Linguistik und Politikwissenschaft und ist regelmäßig wieder über ihren Kaffeekonsum erstaunt.

Ein Gedanke zu “PHILIPP mag: Das Shopping-Verhalten der Bundeswehr

  1. Da ich selbst 2 Jahre in einer Einheit der Bundeswehr für Materialbeschaffung gedient habe, kann ich die Wahrheit dieser Bericht nur unterstreichen. Es ist teilweise noch schlimmer
    Liebe Grüße
    Lukas

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