Phastenzeit bei PHILIPP

Phastenzeit bei PHILIPP

Mehr als jede:r zweite Deutsche:r hat es bereits getan: Gefastet. Fasten ist in, Fasten ist cool, Fasten liegt im Trend. Da wir uns als cooles Lifestyle-Magazin mit dem Hang zu crazy Experimenten verstehen, wollen wir diesen neuen Jugendtrend auch in der Redaktion ausprobieren. Fünf mutige Autor:innen verzichten seit Aschermittwoch fleißig auf Fast Food, Kaffee, Zucker oder „Neins“. Hier halten sie ihre Erfahrungen fest:

Patrick: Fastet 40 Tage auf „Nein“. Als Chefredakteur von Welt und chronischer Party-Muffel fällt es Patrick nicht schwer, die eine oder andere Einladung auszuschlagen, Abends dann doch nicht einen Trinken zu gehen oder auf die WG-Party zu verzichten, für die man jetzt noch vor die Tür gehen müsste. An und für sich kein schlechter Lebensentwurf – findet Patrick. Um seinen Terminkalender endlich an den Rande eines Kollapses zu bringen begibt er sich auf die Spuren Jim Carreys und wird 40 Tage lang zum „Ja-Sager“.

Niklas: Fastet das Fasten. Warum? Aus Prinzip, denn warum fasten, wenn es bereits so viele andere tun? Und vor allem, warum während der Fastenzeit fasten, wenn es doch auch an einem anderen Zeitpunkt funktionieren könnte? Weihnachten zum Beispiel, das wäre doch zumindest gesundheitlich nicht ganz falsch. Dann doch lieber weiter dem hedonistischen Lebensstil frönen, oder auch den Hipster machen: das Leben fernab des Mainstream leben.

Luisa: Fastet ihren bisherigen Lebensmittelpunkt: Süßigkeiten und Fast-Food. Ab jetzt ist jeder Anruf beim Pizzalieferanten und der Gang zum Dönerladen nach der Party verboten. Mit einem letzten Schokoriegel zum Abschied, hofft sie, dass sie das Fasten ohne große Stimmungsschwankungen durch Zuckerentzug überstehen wird.

Lena: Fastet Zucker. Also nicht nur Süßigkeiten, Gummibärchen und andere Leckereien sondern alles, auf dem Zucker steht. Und das ist noch mehr als sie anfangs dachte…

Karen: Fastet auf Plastikmüll. Wir sagten doch bereits, dass wir uns als cooles Lifestyle-Magazin verstehen. Und jedes coole Lifestyle-Magazin braucht nunmal einen Parttime-Öko. „Hallo, das bin ich!“ ruft euch Karen jetzt in ihren fair gehandelten Bio-Baumwoll-Hosen zu. Oder so ähnlich. Zumindest wollte sie mal ausprobieren, ob das überhaupt geht, ohne Plastik und so. Deshalb kauft sie bis Ostern nichts, was Plastikmüll produzieren würde.

Milena: Fastet Kaffee. Verzichtet wird nur auf Kaffee, nicht generell auf Koffein. Von 6-7 Tassen am Tag zu 0 zu wechseln klingt einfacher, als es tatsächlich ist.

Woche 1

Frankfurt-Rödelheim. 21 Uhr. Wir sind soeben 40 Minuten gefahren, um einen Dönerteller zu essen. „Willst du wirklich?“ „Ja klar“. Am Abend zuvor die erste von vielen Partys, die ich besuchen werde in den nächsten Wochen. Der Abend davor- Kontrastprogramm – Theater-Review. Denn, „kann jemand Freitag Abend spontan ins Theater?“ Ja klar, ich.“ War dann auch ganz gut, wie man hier lesen kann. Samstag dann WG-Party. Kenne die Gastgeberin nicht, werde ihren Namen auch nicht im Gedächtnis behalten. Zu viel Pfeffi und Bier – aua aua. Es ist inzwischen Sonntag 21:30 Uhr. Ich falle langsam in ein Fress-Koma, freue mich auf die einstündige Heimfahrt und die Arbeit morgen früh ab 7 Uhr. – Patrick 

Wer hätte gedacht, dass das Fasten vom Fasten so einfach sein würde? Der spontane Döner, wenn sich der Heißhunger meldet? Kein Problem. Der Kaffee danach ein Genuss.  Doch halt stop, was ist das? Da nagt es tatsächlich doch noch, das schlechte Gewissen und wie aus dem Nichts sind sie da, 111 potenzielle Gründe zu fasten. So langsam wird mir klar, dass das Fasten durchaus einen Sinn erfüllen könnte. Aber warum gerade jetzt? Die Frage wird mich noch lange genug verfolgen. Mal sehen wohin das führt. – Niklas

Meine Abhängigkeit von Zucker scheint stärker zu sein als gedacht. Ich bin launisch, müde und vergesse meine Termine – alles wie immer also, nur ein bisschen schlimmer. Fruchtzucker ist auch keine Alternative. Eine Kiwi kann nicht das gleiche Glücksgefühl auslösen wie ein Keks und plötzlich scheint alles anstrengend zu sein. Beim Einkaufen an den verlockenden Süßigkeitenregalen vorbeizulaufen ist eine Qual, spart mir aber wenigstens einiges an Geld ein. – Luisa 

Das Einkaufen dauert nun deutlich länger. Ständig muss man Dinge zurück ins Regal stellen, nachdem man aufmerksam die Zutaten studiert hat. Zucker, Zucker, Zucker überall. Mittags mal einen schnellen Teller Nudeln mit Pesto? Nein! Abends vielleicht Sushi essen mit Freunden? Nur ohne Sojasoße! (Schmeckt das überhaupt noch?) Und selbst ein Gin Tonic kann mich nicht aufmuntern. Ich muss sagen, es ist schwer und ich habe die erste Woche nicht geschafft, ohne in eine Zuckerfalle zu tappen. Aber ich übe noch. – Lena

Um die Zusammenfassung vorweg zu nehmen: Das Leben als Parttime-Öko ist nicht einfach. Das ist mir schon am ersten Tag im Badezimmer aufgefallen. Hat jemand von euch schon mal Zahnpasta oder Klopapier ohne die Plastikverpackung gekauft? Eben. Shout-out zu meinen Mitbewohnern, die das wohl den Monat lang kaufen müssen. Und was ist mit Käse? Da entschwindet sie in weite Ferne, die Liebe meines Lebens. Selbst das Einpackpapier an der Käsetheke ist ja schließlich nicht Papier. Wo bekommt man Brotaufstrich ohne Plastikverpackung. Eigentlich will ich auch gar keinen Aufstrich, einfach nur Käse. – Karen

Obwohl es am Anfang schwer schien, nicht in einem Cafe sofort einen Kaffee zu bestellen, oder in der WG auf den frisch gekochten Pott Kaffee zu verzichten, wird es mit der Zeit etwas einfacher. Zwar schwirrt teils doppelter Espresso in meinen Träumen herum, meist wird der Kaffee aber nicht vermisst. Es sei denn jemand stellt einen Kaffee direkt neben mir ab – wie während unserer Redaktionssitzung zu beginn der Fastenzeit. Was aber auf jeden Fall stark bemerkbar ist, sind die Kopfschmerzen, die ich täglich habe. Da ich bei Kopfschmerzen normalerweise zu Kaffee greife, kann dies ein Nebeneffekt des Verzichts sein. Ich hoffe sehr, sie hören bald auf. – Milena

Foto:  Pixabay

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Chefredakteur aus Gründen.
Kann ganz gut mit Worten, halb gut mit Menschen.
Studiert nebenberuflich Medienwissenschaften.